Nioh 2 - Es tut wieder weh!

PlayStation 4
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Als mittlerweile doch recht großer SoulsBourne Fan interessiere ich mich auch für die sogenannten Soulslike Spiele. Mitunter haben mich da aber viele bisher nicht so richtig überzeugen können. Titel wie Lords of the Fallen oder The Surge klangen für mich auf dem Papier immer recht ordentlich, spielerisch fehlte mir allerdings immer das gewisse Etwas. Ganz anders sah das seinerzeit bei Nioh aus. Das bockschwere Samurai Gemetzel von Team Ninja konnte mit seinem knackigen Schwierigkeitsgrad, aber komplexen Kampfsystem im Zusammenspiel mit einer Diablo-ähnlichen Lootspirale punkten. Das Setting war damals ebenfalls noch recht eigenständig. 

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Mit Teil 2 versucht man nun die Stärken des ersten Teils zu nutzen und Schwächen zu verbessern. Um schonmal ein wenig zu spoilern. Wer Nioh liebte, der kann direkt bei Nioh 2 zuschlagen. Denn im großen und Ganzen ist nicht viel von seinem Vorgänger verloren gegangen. Noch immer schnetzeln wir uns durch das alte Japan im 16. Jahrhundert und absolvieren Haupt- und Nebenmissionen, an deren Ende meistens ein knackiger Bosskampf wartet. Allerdings ist nicht alles gleich. Während man im ersten Teil noch mit William durch die riesigen Yokai-Horden gestürmt ist, kann man sich im neusten Teil einen komplett eigenen Charakter erstellen, egal ob männlich oder weiblich. Der riesige Nachteil daran: Euer alter Ego sagt niemals auch nur ein Sterbens Wörtchen. Das ist schade, verliert er so doch sehr an Tiefe. Wenigstens die Nebenfiguren wissen manchmal zu gefallen und haben den einen oder anderen Gag auf Lager. 
 
Wo wir gerade bei den Charakteren sind. Nioh 2 bietet tatsächlich auch eine Story, die ist aber irgendwie so konfus und Bröckchenhaft erzählt, dass ich nach 30 Stunden Spielzeit immer noch nicht so richtig weiß, was eigentlich ab geht. Die Geschichte versucht ein Mischmasch aus der japanischen Geschichte zu sein, vermischt mit vielen Mythen und Sagen rund um die Yokai, japanische Dämonen. Wir selbst spielen dabei einen halben Yokai, was man zwar irgendwie nicht unbedingt versteht, was aber einige Neuerungen im Gameplay mit sicht bringt. Die bekannten Schutzgeister sind auch wieder mit von der Partie und wie im ersten Teil, können wir uns erneut für eine kurze Zeit verwandeln, um so mehr Schläge austeilen zu können und selbst keinen Schaden zu bekommen. Durch unser Yokai Blut können wir aber noch Seelenkerne von den Bestien aufsaugen und somit verschiedene Fähigkeiten an unseren Schutzgeist koppeln. Dadurch ergeben sich in aussichtslosen Situationen oftmals noch die letzte Hoffnung, etwa eine Dämonenschlange durch die Gegnerhorden durchbrechen zu lassen oder einen riesigen Enki-Dämon einen Speer auf die Feinde schmeißen zu lassen. 
 

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Diese Aktionen kosten Anima, welches sich als zusätzliche Leiste unter die Lebens- und Ki-Leiste einreiht. Sie wird durch erfolgreiche Angriffe aufgeladen oder durch das absorbieren von Seelenkerne. Damit lassen sich dann die Yokai-Aktionen ausführen. Eine Aktion, die euer alter Ego von Anfang an beherrscht ist übrigens überlebenswichtig. Der Wuchtkonter muss immer dann zum Einsatz kommen, wenn der Gegner rot aufleuchtet. Dann heißt es im richtigen Moment den Konter ansetzen, um den Feind ins straucheln zu bringen, um ihm selbst ein paar kräftige Schläge zu verpassen. Allerdings muss man hier die einzelnen Attacken der Gegner wirklich genau kennen, denn nur dann funktioniert der Wuchtkonter. Zündet ihr ihn zu früh oder zu spät, bekommt ihr die volle Wucht des Angriffs zu spüren, der oftmals den sofortigen Bildschirmtod bedeutet. 
 
Und diesen Bildschirmtod werdet ihr oft sehen. Gefühlt haben Team Ninja den Schwierigkeitsgrad noch einmal ein Stück angehoben zum Vorgänger. Die Bosse stellen einen jedes Mal vor eine harte Probe, jedoch machen die Kämpfe ungeheuer viel Spaß. Allerdings ist auch der Weg zum Boss schon eine große Herausforderung. Immer wieder landet ihr in den Leveln ins dunkle Yokai-Reich, was sich dadurch ableitet, dass der Bildschirm schwarz-weiß wird. Hier ist noch mehr Vorsicht geboten, als ohnehin schon. Denn hier regeneriert sich die Ki-Anzeige, also die Ausdauer nur sehr langsam. Damit muss jeder Schritt und jeder Schlag wohl überlegt sein, vor allem wenn es gegen die “Auslöser” dieses Reichs geht. Irgendwo in diesen Bereichen versteckt sich nämlich ein Mini-Boss. Also ein etwas stärkerer Yokai als normalerweise. Wenn dieser besiegt wird, verschwindet das dunkle Reich und die Umgebung wird wieder so, wie sie ursprünglich war. 
 
Ja, Nioh 2 schenkt einem nichts, dafür gibt es aber auch reichlich Individualisierungsmöglichkeiten. Je nach Waffe spendiert das Spiel einen eigenen Talentbaum, zusammen mit den Standard Bäumen für etwa Ninjutsu, Magie und Samurai Fähigkeiten lässt sich das Alter Ego sehr stark individualisieren. Hinzu kommt das normale Levelsystem, so wie man es aus Dark Souls kennt. Statt Seelen werden hier Amrita Punkte eingetauscht, um die verschiedenen Attribute gemäß Waffenspezialisierung zu verteilen. Praktischerweise sagt einem das Spiel zu jedem Charakteristikum, welche Waffen dadurch primär beeinflusst werden. Wollt ihr zum Beispiel wie ich die neue Gleve ausprobieren, dann steckt ihr vorerst besser viel in das Attribut Magie, da das hauptsächlich den Waffenschaden der Gleve erhöht. Falls man sich mal verskillen sollte, ist das kein tragisches Problem. Im Spiel finden sich immer wieder Items, die den Status der Figur zurückstellen lassen. Von daher lässt sich im Laufe des Abenteuers auch ein Umskillen auf eine andere Waffe realisieren. 
 

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Zusätzlich zu den Talenten und Statuswerten gibt es wie im Vorgänger noch die sogenannten Kodama, die gewisse Boni auf euren Charakter wirken, wie etwa 20 Prozent mehr Amritabeute bei besiegten Gegnern. Obendrein lassen sich dazu bei den Seelenkernen ebenfalls einige Charakterboni herauskitzeln, ganz zu schweigen von den Waffen und der Ausrüstung, die sich finden lassen. Ähnlich wie im Vorgänger oder bei Diablo gibt es bei Nioh 2 verschiedene Lootfarben von weiß bis Lila. Je nach Farbe ist ein Gegenstand mehr oder weniger selten und bietet unterschiedliche Zusatzwerte sowie Schadensboni auf gewisse Haltungen. Man sieht also deutlich, in Nioh 2 steckt ein wirklich tiefgreifendes Loot- und Charakterbuildsystem, in das man wahnsinnig viel Zeit investieren kann, um seinen perfekten Build herauszukitzeln.
 
Am Gameplay selbst hat sich weniger getan, als es auf dem Papier den Anschein hat. Ja, die neuen Wuchtkonter und Yokai-Fähigkeiten sind eine nette Dreingabe, allerdings sind sie bei dem sowieso schon komplexen Kampfsystem ein Tropfen auf dem heißen Stein. Nioh hatte bereits ein tolles Kampfsystem, und zum Glück wurde dieses fast eins zu eins in den Nachfolger übernommen. Jede Waffe hat ihre eigenen, unterschiedlichen Movesets durch die drei Haltungen, hinzu kommen die Talentbäume, wodurch sich neue und viele verschiedene Kombos erlernen lassen. Allein schon, dass man den berühmten Backstab ebenfalls erst in einem Talentbaum freischalten muss, zeigt vermutlich, wie überaus komplex das System in Nioh 2 gestrickt ist. Das soll an dieser Stelle auch gar kein Vorwurf sein, das Spiel wirkt jedoch gerade für Neueinsteiger sehr überladen und überfordernd. Wer sich darauf einlässt und sich reinfuchst, bekommt dafür ein motivierendes Gameplay spendiert. 
 

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Wem es alleine übrigens doch das eine oder andere Mal viel zu schwierig ist, der kann sich mit einem Ingame-Item jederzeit Hilfe dazu holen, ähnlich wie das im Vorgänger bereits funktioniert hat. Einfach am Schrein maximal zwei Ochoko-Becher abgelegt und schon sucht das Spiel online nach Helfern, die nach dem Tod oder Absolvieren der Aufgabe verschwinden. Neu sind die Expeditionen, in denen man ebenfalls noch nicht absolvierte Missionen zusammen mit Mitstreitern angehen kann, auch wenn keiner der maximal drei Spielern diesen Level bereits abgeschlossen hat. In diesem Modus gibt es eine Lebensleiste, die sich alle Spieler teilen. Stirbt einer, fällt die Leiste bis zu einem gewissen Punkt. Belebt man den Spieler frühzeitig wieder, dann behält der Lebensbalken einen Teil seiner Energie. Sollte der Balken auf Null sinken, dann ist die Mission allerdings sofort beendet. Ein Zwischenspeichern an den Schreinen ist in diesem Modus also nicht möglich. Jedoch kann man sich Lebensenergie durch das Reinigen der dunklen Reiche zurückholen. Dafür sind demgegenüber mehr Feinde im Level verteilt, als wenn man die Mission alleine bestreiten würde. Auf jeden Fall ein netter zusätzlicher Modus. 
 
Nioh 2 ist nichts für schwache Nerven. Das Spiel möchte aber auch irgendwie gar nicht mehr, und nicht weniger sein als ein guter Nachfolger zum Erstlingswerk der Leute von Team Ninja. Mehr vom Guten, wenn man so möchte. Rein technisch reißt Nioh 2 auch keine Bäume aus, das Spiel sieht aber recht schick aus und lief bei mir auf einer Playstation 4 Pro im Action Modus jederzeit flüssig. Für Fans des Vorgängers kann ich wie Anfangs erwähnt nur eine blinde Kaufempfehlung aussprechen. Alle anderen müssen sich vielleicht mit etwas Fleiß herantasten. Insgesamt ist Nioh 2 ein würdiger Nachfolger.
 
 
 
Forum
  • von Phill XVII:

    Morgen erscheint der Tengu DLC. Als neue Waffe gibt es den Mondstab aus Ninja Gaiden 2. ...

  • von Mistercinema:

    Nioh 2 erhält ab sofort ein Update, welches neue Missionen sowie einen Fotomodus mit sich bringt. Darüber hinaus erscheint am am 30. Juli mit “Der Schüler des Tengu” der erste von drei DLCs. Der Fotomodus ist weit mehr als nur eine einfache Zusatzfunktion, denn er umfasst komplexe...

  • von mitsurugagaga:

    Eh, ich spiele es immer noch Bin jetzt so ziemlich am Ende des New Game+ und habe ehrlich gesagt bisher keinen FAQ oder ähnliches gebraucht, um irgendwelche OP Builds zu kreieren. Ich nutze ein möglichst leichtes Equipement und ein Kusarigama mit "Corruption" und "Life Drain; high...

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