
Herausgekommen ist ein Spiel, welches sehr komplex, nervenaufreibend und verdammt schwierig ist. Aber wisst ihr was? Es passt einfach. Es tritt einem so oft in den Hintern, spuckt uns ins Gesicht und lächelt noch dabei. Und trotzdem lassen wir nicht davon ab, das Spiel mit Zuckerbrot und Peitsche wird gar zu einer regelrechten Sucht. Wir übernehmen die Rolle von William, der im 16. Jahrhundert als wohlmöglich erster westlicher Samurai den Fernen Osten aufmischt und weder vor Kriegern noch vor schrecklichen Monstern halt macht. Ohne zuviel zu spoilern ist die Story wirklich gut erzählt, stellenweise sehr verrückt und, einfach irgendwie japanisch.
Dabei wird die Geschichte in Kapiteln erzählt. Zu Beginn und am Ende gibt es immer wieder Zwischensequenzen, die die Handlung vorantreiben. Das große Manko daran: die Gebiete sind ebenfalls abgegrenzt voneinander. Es fehlt daher das Gefühl einer großen, zusammenhängenden Welt, wie wir es aus Dark Souls gewöhnt sind. Trotzdem sind die Gebiete sehr abwechslungsreich und trieben uns dazu, jede einzelne Ecke zu erforschen. Durch das Missionsdesign erinnert Nioh in seinem Spielablauf daher eher einem Monster Hunter, was ja nichts Schlechtes sein muss.

Wo wir gerade von den Kämpfen reden. Die sind sehr komplex. Jede Waffe kann in drei Haltungen geführt werden. Es gibt eine hohe, eine mittlere und eine tiefe Haltung. Je nach Haltung schlägt William schneller oder langsamer, sticht per Hieb zu oder holt im hohen Bogen aus. Die verschiedenen Haltungen haben aber noch Auswirkungen auf den Schadensoutput. Darüber hinaus kann man als Samurai zusätzlich noch einige Werkzeuge nutzen. Egal, ob Pfeil und Bogen, Shuriken, Bomben oder Jutsus. Nioh verlangt gerade zu Beginn eine lange Einarbeitungszeit und sehr viel Frustresistenz. Daher sei jedem gesagt, der schon schreiend vor den Dark Souls Teilen oder der Ninja Gaiden Reihe davon läuft, lieber die Finger von Nioh lassen sollte.
Nioh ist bockschwer, und genau das will es auch sein! Dafür belohnt es den Spieler allerdings sehr oft. Alleine das Besiegen der Teils verdammt kniffligen Bosse ist für Dark Souls Freunde wohl befriedigend genug. Zusätzlich zu diesem Gefühl gesellt sich noch ein Faktor hinzu: Loot! Während man in Dark Souls eigentlich so gut wie das gesamte Spiel mit einer Waffe bestritten hat, bekommt man in Nioh so viele Gegenstände um die Ohren gehauen, dass der Vergleich mit Diablo gar nicht so abwegig erscheint. Es gibt rare Items und Legendaries, alles hat jeweils seine Vor- und Nachteile in verschiedenen Attributpunkten. Der Umgang mit der Waffe erhöht außerdem deren Attribute sowie den zugefügten Maximalschaden. Wie man es von den Genrevertretern kennt, leuchten Items in den buntesten Farben von Blau über Gelb bis Lila. Hinzu gesellt sich zu dem Dark Souls ähnlichen Charaktersystem ein Skilltree, indem wir zusätzliche Attacken und Jutsus erlernen können.

Das Gamepad der Playstation hat wohl gerade so gereicht, um die gesamten Aktionen, die in Nioh möglich sind, irgendwie abzubilden. Selbst als erfahrener Dark Souls Spieler muss man sich erst einmal umstellen und eingewöhnen in die schier unendliche Masse an Möglichkeiten. Das Menü fand ich trotz dieser ganzen Information dafür recht übersichtlich. Gerade im Vergleich zu den Dark Souls Menüs, die vor allem in den alten Teilen derart unübersichtlich waren, dass man es irgendwann einfach sein gelassen hat zu versuchen einen Überblick zu bekommen.
Nioh ist brutal, Nioh ist bock schwer, Nioh ist süchtigmachend. Nach langer Zeit gibt es endlich wieder ein sehr gutes Samurai Spiel. Eins, in dass man gut und gerne 70 bis 100 Spielstunden investieren kann. Ihr habt die Dark Souls 3 DLCs durch und sucht eine neue Herausforderung? Dann gibt es nur einen Titel, den ihr in nächster Zeit in eurer Konsole laufen lassen solltet! Team Ninja, die lange Entwicklungszeit hat sich mehr als nur gelohnt. Davon könnt ihr gerne noch viel mehr machen, weiter so!
Erweiterung Dragon of the North
Mit der ersten Erweiterung Dragon of the North gibt es neues Futter für alle Samurai da draußen. In diesem begleiten wir William in den Norden Japans in die Tohouku Region. Wir bekommen es hier mit Masamune zu tun, der sich mit Wundersteinen eine Armee aus Yokai erschafft. Um den Frieden zu wahren, machen wir uns auf, Masamune zu stürzen und die Yokai zu vernichten.

In dem DLC bekommen wir viele neue Gebiete zu Gesicht, wie etwa eisige Gebirge. Mit etwa 10 Spielstunden bietet der DLC genug Futter für all diejenigen, welche das Hauptspiel schon durch gekaut haben. Allerdings hat es der DLC in sich. Daher sollte er unbedingt nach dem Hauptspiel angegangen werden. Genau wie in der Hauptstory, sind die Missionen und die Bossgegner teils bockschwer, aber wieder unglaublich befriedigend. In den 3 neuen Hauptmissionen und zusätzlichen Nebenmissionen werdet ihr euch ein ums andere Mal wieder die Haare herausreißen und den Controller in die Ecke schmeißen, und doch lässt euch das Spiel nicht los.
Immerhin bekommen wir gleich zu Beginn eine neue Waffe, um uns durch die Monsterhorden zu metzeln: Das Odachi hat eine sehr lange und breite Klinge, und ist damit etwas träger als beispielsweise das Katana. Dafür teilt man damit ordentlich aus. Und das ist gerade bei den neuen Gegnern oftmals von Vorteil, denn diese beherrschen ebenfalls neue Angriffe und Fähigkeiten, wie etwa das Speien von Feuer und Gift. Vorsicht ist also geboten! Die Bossgegner sind ebenfalls auf einem sehr hohen Niveau, vor allem der Kampg gegen Masamune selbst ist vielleicht der beste Kampf im gesamten Spiel!
Mit dem ersten DLC hat Team Ninja schon einmal ins Schwarze getroffen. Auf diesem Niveau kann es sehr gerne weiter gehen. Wer das Hauptspiel schon gut fand, der sollte definitiv beim Addon zuschlagen! Der Drache im Norden wartet auf euch!


