Divinity: Original Sin 2 (Definitive Edition) - Alles hat seine Konsequenzen

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Die Zeiten, in denen man Konsolenadaptionen von PC Spielen skeptisch gegenüberstand, sind längst passé. Heutzutage ist es Standard, dass viele Games zeitgleich auf allen möglichen Plattformen herauskommen und man als Casual Gamer keinen spürbaren Unterschied zwischen diesen bemerkt. Allerdings gibt es doch noch Titel, bei denen man ein gewisses Bauchgrimmen nicht unterdrücken kann. Divinity Original Sin 2 ist so ein Spiel, das jetzt ein Jahr nach dem ursprünglichen Release auf dem PC, in Form der Definitive Edition auch auf der PS4 und Xbox One erhältlich ist.

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Dabei sind diese Bedenken im Prinzip unbegründet. Dominic besprach damals die Enhanced Edition des ersten Original Sin und befand es für gut. Man kann also davon ausgehen, dass Entwickler Larian Studios damit jede Menge Erfahrungen sammelte, auf die es bei der Konsolenadaption des zweiten Teils zurückgreifen konnte. 
 
Laut Aussage des Studios wurden im Vergleich zur ursprünglichen Fassung viele tausende Änderungen durchgeführt. Die wichtigsten sind ein überarbeitetes Tagebuch sowie ein weiterer Schwierigkeitsgrad, der vor allem für Hardcorespieler gedacht ist. In diesem besitzt man nur einen Speicherplatz, dessen Inhalt jedes Mal, wenn man stirbt, gelöscht wird.
 
Egal, für welche Schwierigkeit man sich entscheidet, der Beginn ist immer gleich: Die Auswahl des Spielcharakters. Man kann sich entweder für sechs verschiedene vorgefertigte Charaktere entscheiden, oder sich selber eine spielbare Figur erschaffen. Allen bereits angefertigten Protagonisten gemein ist, dass sie jeweils eine interessante Hintergrundgeschichte besitzen. Lohse zum Beispiel ist ein weiblicher Mensch. Sie ist in der Lage Geister in ihrem Körper zu beherbergen. Doch seit neustem macht sich in ihr ein dunkler Geist breit und will sie beherrschen. Sie kämpft dagegen an, möchte den Verursacher ausfindig machen und ausschalten. Ein anderer Charakter ist der Rote Prinz, ein Echsenmensch, der ursprünglich Thronfolger war. Allerdings wurde er dabei erwischt, wie er mit Dämonen zusammenarbeitet und deswegen verstoßen. Jetzt sucht er nach einem Weg, sich zu rächen sowie auf den Thron zu gelangen.
 

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Wenn man sich für eine Figur entscheidet, kann man außerdem noch festlegen, welche Charaktereigenschaften sie besitzt und welche Klasse sie hat. Das hat Auswirkungen auf die Fähigkeiten, die sie von Beginn an nutzen kann. Das Gleiche gilt für die Merkmale an sich, die die Spielfiguren definieren. So ist Lohse beispielsweise ein Mensch, aber auch ein Narr, Mystiker so wie weiblich. Diese Eigenschaften ermöglichen bestimmte Dialogoptionen, die das Gameplay maßgeblich beeinflussen können.
 
Es gibt zwei große Handlungsfäden, denen man im Laufe des Games folgen wird. Da ist zum einen der persönliche, im Falle von Lohse eben der Wunsch, die Stimme im Kopf loszuwerden. Aber dann ist da auch die allgemeine Handlung, die schon bald episch wird. Dabei ist der Beginn eher unepisch. 1000 Jahre nach dem ursprünglichen Original Sin wird man als sogenannter Quellenmagier (Auf Englisch Sourcerer) mit anderen festgenommen und soll, zwecks »Heilung«, auf die sogenannte Freudenfeste gebracht werden. Doch die Fahrt dahin entwickelt sich schnell anders als erwartet, so dass man gegen Ende dieses Abschnittes im Meer ertrinkt. Eine göttliche Stimme hat allerdings etwas dagegen, rettet einen und setzt die Spielfigur am Strand der Insel ab, wo das ursprüngliche Ziel der Reise war. Ab da beginnt das eigentliche Spiel, wobei man der göttlichen Stimme und dem, was dahintersteht, im Laufe der Handlung wiederholt begegnet. Dass die Dinge sich anders entwickeln, als man es vermuten könnte, ist dabei schon fast selbstverständlich.
 
Was das Spiel jetzt so besonders macht, ist die Tatsache, das jede  Entscheidung, die man im Gameplay trifft, große Auswirkungen auf eben dieses hat. Schon im ersten Abschnitt fängt das an. Bietet man dem Roten Prinzen an, sein Sklave zu sein? Rettet man Leute, die sich an Bord des Schiffes in großer Not befinden? Alles hat seine Konsequenzen. Im Falle des Roten Prinzen wird man diesen später auf der Insel der Freudenfeste wiedertreffen und mit ihm eine Party bilden, zu der später noch zwei weitere Figuren stoßen können.
 

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Man wird, wenn man wirklich alles in diesem Spiel erfahren möchte, gut 100 Stunden brauchen. Dabei wird man nie Langeweile verspüren, einfach, weil es so viel zu entdecken gibt und die Story wiederholt Interessante als ebenso unvorhersehbare Wendungen nimmt. Hinzu kommt außerdem noch die differenzierte Darstellung der Charaktere, und sogar der NPCs. Es existiert in diesem Game kein eindeutiges Gut oder Böse. Mehr als ein Mal stößt man auf eine Situation, von der man meinen könnte, dass hier definitiv feststeht, wer auf welcher Seite steht. Nur um anschließend festzustellen, dass zum Beispiel die Leute, die ein Lagerhaus voll mit Menschen niederbrennen, zwar Schreckliches getan haben. Doch die Personen im Inneren waren ebenfalls keine Unschuldsengel. 
 
Es gibt immer viele Möglichkeiten, wie man bei Missionen vorgehen kann. Wenn man einen Gefangenen befreien möchte, der angeblich Nahrung gestohlen hat, kann man entweder denjenigen umbringen, der den Schlüssel zur Befreiung mit sich führt. Oder man besorgt das Diebesgut wieder, das irgendwo verborgen ist. Beide Taten haben natürlich ihre Konsequenzen und wenn man Pech hat, wird man in einen Kampf verwickelt, der schnell zum Exitus führen kann.
 
Jedes Gefecht ist anders! Nie wird man ein und dieselbe Vorgehensweise wählen können, jedes Mal muss man sich neu einstellen. Dabei ist es auch notwendig, dass man die Umgebung einbezieht. Ihr löscht mit Regen ein Feuer und euer Feind steht anschließend in einer Pfütze? Einfach das Wasser mit einem Blitz unter Strom setzen, so dass der Gegner die nächste Runde schockiert auszusetzen hat. Allerdings kann man nicht unbegrenzt zaubern, da die Sprüche eine gewisse Cooldown-Phase besitzen, die man ebenfalls berücksichtigen muss. Ganz zu schweigen davon, dass einige Zauber nur ein Mal genutzt werden können, wodurch sie dann verschwinden. Mit ein wenig Geschick ist es übrigens möglich, selbst eine zahlenmäßig überlegenere Anzahl an Feinden zu besiegen. Doch dafür muss man das Kampfsystem wirklich perfekt beherrschen.
 

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Die Steuerung wurde nahezu sehr gut an die Konsolengegebenheiten angepasst. Mit den Rechten und Linken Bumpern kann man unter anderem innerhalb der Party die Spielfigur wechseln oder auf das Tagebuch mit allen Quests und Dialogen zugreifen. Leider ist das Anvisieren von Feinden fummelig geworden. Oft genug muss man genau aufpassen, dass man richtig zielt und nicht aus Versehen daneben trifft.
 
Auch die Grafik kann man nahezu bedenkenlos in den Himmel loben. So ist es möglich mit der Kamera stufenlos heranzuzoomen, in jeden Winkel zu drehen und so selbst die kleinsten Details wertschätzen. Nur selten kann es vorkommen, dass man in ein Gebäude reingeht und dabei zwar das Dach weggeblendet wird, man allerdings trotzdem Schwierigkeiten hat, den perfekten Blickwinkel zu treffen. Das ist jedoch Jammern auf hohem Niveau.
 
Leider besitzt das Spiel nur eine Englische Sprachausgabe, auch wenn es immerhin Deutsche Untertitel gibt. Dafür kann die Musik überzeugen, die einige wunderbare Stücke hat.
 
Am Ende kann man sich durchaus weit aus dem Fenster lehnen und behaupten, das Divinity Original Sin 2 Definitive Edition ein Meisterwerk ist. Wer die PC-Fassung nicht sein Eigen nennt, ein RPG-Fan ist und entweder eine PS4 oder Xbox One besitzt, kann bedenkenlos zugreifen.


Forum
  • von Azazel:

    Civilisation hat sich die Definite Edition für Konsolen angesehen Nexgam schrieb: Die Zeiten, in denen man Konsolenadaptionen von PC Spielen skeptisch gegenüberstand, sind längst passé. Heutzutage ist es Standard, dass viele Games...

  • von Mistercinema:

    Morgen ist es so weit und PS4 sowie Xbox One Besitzer kommen in den Genuss der Divinity: Original Sin 2 – Definitive Edition. PS4 Pro und Xbox One X bekommen hierbei einige Optimierungen zusätzlich Höchste Zeit für den Launch Trailer Divinity: Original Sin 2 – Definitive Edition als bestes...

  • von Phill XVII:

    Ne ist im Grunde mehr vom alten in besser. Hol dir lieber Pillars 2....

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