Call of Cthulhu: Ratlos

PlayStation 4Xbox One
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Wenn er ruft, wird es wahrgenommen! Call of Cthulhu steht wie kaum eine andere Geschichte für gelungenen Grusel und für das Werk des 1937 verstorbenen Autors H. P. Lovecraft an sich. Die Erzählungen um jenen älteren Gott und seine Genossen faszinieren bis heute und dienen wiederholt als Quelle für Filme und Spiele. Jetzt ist ein neues Videospiel herausgekommen, dass mich etwas ratlos zurücklässt.

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Man spielt den Privatdetektiven Edward Pierce. Ein Überlebender des Ersten Weltkriegs und der einzige noch lebende Soldat seiner Einheit. Albträume plagen ihn, die er versucht mit Pillen und Alkohol zu ersaufen. Das Geschäft läuft miserabel und die Detektivfirma, für die er arbeitet, macht ihm Druck, dass sich das möglichst bald ändern soll. Doch dann kommt ein alter Mann. Er ist ein Verwandter einer bekannten Künstlerin, die bei einem Brand gemeinsam mit ihrem Mann und ihrem Sohn ums Leben kam. Der Verwandte glaubt nicht daran, dass es ein Unfall war und Edward Pierce soll herausfinden, was wirklich vorgefallen ist.
 
Kenner von H.P. Lovecraft und seinen Erzählungen wird bei der Zusammenfassung aufgefallen sein, dass die Story des Spiels mit der gleichnamigen Kurzgeschichte nichts gemeinsam hat. In der Tat ist es so, dass die Vorlage eine Rollenspiel aus dem Jahr 1981 ist. Womit natürlich ebenso klar ist, dass auch das Videospiel im gleichen Genre anzusiedeln ist.
 
Doch es dauert, bis einen das Game in seinen Bann zieht. Sechs Kapitel umfasst Call of Cthulhu und erst ungefähr zur Hälfte wird man merken, dass es einen auf ein Mal nicht mehr loslässt. Dass man weiterspielen will, um zu wissen, was noch weiter passieren wird.
 

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Bis das allerdings geschieht, ist es ein hartes Stück Arbeit. Weniger wegen dem Gameplay an sich, als viel mehr aufgrund der Präsentation. Im Prinzip besteht das Spiel nur daraus, dass man als Edward Pierce durch die Gegend läuft und ab und an einige Puzzles löst. Erst ab dem fünften Kapitel werden neue Gameplayelemente hinzugefügt, doch dazu später Weiteres.
 
Man läuft also durch die Gegend und muss überwiegend Puzzles lösen. Mal gilt es versteckte Gegenstände ausfindig zu machen, ohne die ein Weiterkommen nicht möglich ist. Oder aber, man muss herausfinden, was in einem Raum früher geschehen ist. Dies geschieht, in dem man quasi mental in die Vergangenheit zurückgeht und anhand von Fundstücken versucht herauszufinden, was passiert ist. Zu diesem Zweck sucht man immer jeden Winkel des aktuellen Raumes ab, in dem man sich befindet. Und zwar sehr genau, da einige Objekte, mit denen man interagieren kann, extrem gut versteckt sind. Teilweise kann man einen Raum erst dann verlassen, wenn das Symbol für verborgene Interaktionsmöglichkeiten abgehakt ist oder der Prompt auftaucht, dass man die Erinnerung hinter sich lassen kann.
 

Hinzu kommt jetzt auch noch, dass man bestimmte Fähigkeiten von Edward Pierce verbessern kann. Für einige Aktionen oder das Abschließen von Spielabschnitten erhält man Erfahrungspunkte, die man in die jeweiligen Fähigkeiten investieren kann. So kann man beispielsweise Stärke, Erkennen oder Ermitteln verstärken. Die Auswirkungen davon wirken sich allerdings nur minimal auf den Spielefortschritt an sich aus, da dann nur an vereinzelten Stellen andere Lösungswege aktiv werden. So kann man mit Stärke einen verborgenen Wandschalter finden und betätigen, mit Erkennen verdeckte Objekte oder Interaktionsmöglichkeiten besser herausfinden, derweil Ermitteln es einem ermöglicht, Rückblenden besser zu analysieren und Schlösser zu knacken. Doch sind diese Passagen spärlich verbreitet.

 

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Das Problem ist vor allem, dass die Präsentation milde gesagt, gewöhnungsbedürftig ausfällt. Die Steuerung wirkt behäbig, selbst dann, wenn man in einem seltenen Moment rennt. Das zu Beginn limitiert wirkende Gameplay - Man läuft umher, löst einfache Rätsel und unterhält sich mit Personen - schreckt eher ab. Und die körnige Grafik, die wohl eine Welt in Auflösung simulieren soll, ist quasi das i-Tüpfelchen. Es wirkt fast so, als ob die Entwickler von Cyanide Entertainment bewusst auf eine abschreckend wirkende Präsentation setzten, was zum einen meine eingangs erwähnte Ratlosigkeit hervorruft aber zum anderen auch noch verstärkt.

 

Doch sobald man im Anwesen der Hawkins ist, ist einem alles egal. Dann verändert sich die Atmosphäre spürbar und das Mysterium um den Vorfall wird stärker in den Vordergrund gerückt. Immer mehr und mehr erfährt man von dem, was damals wirklich geschehen ist. Und dann tritt auch der Horror aktiver zuvor. Spätestens ab diesem Moment, wird Call of Cthulhu seinen Wurzeln gerecht.


Nur um dann im fünften und sechsten Kapitel jeweils auf einen Schlag neue Gameplayelemente einzuführen, mit denen man noch nie zuvor zu tun hatte. Das beschaulich, betuliche Gameplaytempo wird auf ein Mal intensiver, spannender. Es ist, als ob man sich schlagartig einem anderen Spiel befindet. Einerseits macht das zwar Spaß. Aber andererseits beißt es sich mit dem vorherigen Gameplay, das man in den früheren Kapiteln kennenlernte. Auch das ist eine Entscheidung, die einen ratlos hinterlässt.

 
Am Ende macht Call of Cthulhu durchaus Spaß. Allerdings steckt es voller merkwürdiger Gameplayentscheidungen, die unterm Strich dafür sorgen, dass man es nicht richtig genießen kann. Eben weil man am Ende eins ist: Ratlos!


Forum
  • von Civilisation:

    Wegen Punkt 1: Ich würde das Spiel als eine Mischung aus Adventure und RPG bezeichnen. Adventure, weil du Rätsel lösen musst, um weiterzukommen und ein Inventar hast, in dem du lauter Sachen mit dir führst, die du aufsammelst. Nur einen Bruchteil davon brauchst du allerdings. Ein RPG ist es vor...

  • von Silverhead:

    Ok, danke an Civilisation für die Antworten auf meine Fragen bzgl. der Fähigkeiten. Stellt sich für mich letztlich nur noch 2 Fragen: 1. Was ist das für ein Genre? Adventure a la Black Mirror oder Baphomets Fluch...(wenn man von der Düsterheit mal absieht...) 2. Muss ich bei dem Spiel Ctulhu...

  • von Civilisation:

    @Silverhead Die unterschiedlichen Fähigkeiten bringen dir nur an bestimmten, vorgegebenen Stellen etwas. Je nachdem, was du gelevelt hast, kannst, wie auch im Text beschrieben, mit roher Kraft einen Hebel benutzen, der dir den weiteren Weg öffnet. Wenn du allerdings Ermitteln gelevelt hast, kannst...

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