Batman: Arkham Origins im Test

PlayStation3Xbox 360

Batman machte in den vergangenen Jahren durch einige der besten Lizenzversoftungen aller Zeiten von sich Reden. Doch mit dem Erfolg kommt der Druck, und so stellt sich die Frage ob der aktuell dritte Teil der Arkham-Reihe den hohen Standards, den die Vorgänger gesetzt haben, gerecht werden kann.

batman_arkham_origins_nexgam_08Als Superhelden-Fan seit frühester Kindheit waren die Arkham-Spiele eine Offenbarung. Zwar hatte Batman, anders als Kollege Superman, schon in der Vergangenheit in zahlreichen, soliden bis guten Videospielen die Hauptrolle übernommen. Aber die Games des britischen Entwicklerstudios Rocksteady boten erstmals echten Blockbuster-Charakter. Man setzte nicht irgendeinen Film oder einen Comic um, man gab dem dunklen Ritter seine eigene Note. Gotham City erinnerte an Tim Burtons Vision, die Härte und Action an Nolan und die Figuren die diese Welt bevölkerten wirkten vertraut, aber doch mit anders und modernisiert. In der Tat war diese Neuinterpretation so erfolgreich, dass Batmans Stammverlag DC Comics einen Comic auf Basis dieses Universums herausbrachte.

Vier Jahre nach Arkham Asylum legte ich jetzt das dritte Game der Serie endlich in die PS3. Ein lang erwarteter Moment. Rocksteady ist nicht mehr an Bord. Gerüchten zufolge arbeiten die bereits am ersten Teil der Reihe für die neue Generation von Konsolen. Das zumindest deutete Kevin Conroy an, als er anmerkte, wie phänomenal das kommende Arkham sich entwickle. Arkham Origins meinte er offensichtlich nicht, denn an diesem ist er, seit über 20 Jahren Synchronsprecher für Batman (das schließt die letzten Spiele ein), nicht beteiligt. Ebenso muss man auf Mark Hamill, hiesigen Fans in erster Linie als Darsteller von Luke Skywalker in »Star Wars« bekannt, in der Rolle des Jokers verzichten. Bei der deutschen Synchronisation ändert sich hingegen wenig. Nur Bane bekam einen anderen Sprecher verpasst. Nun übernimmt Tobias Kluckert die Rolle, der bereits letztes Jahr im Film »The Dark Knight Rises« den Hünen vertonte. Auf Entwicklerseite zeichnet Warner Bros. Games Montréal für Teil 3 verantwortlich, was ja nichts Schlechtes bedeuten muss. Immerhin bringen neue Köpfe vielleicht frischen Wind ins bewährte Konzept mit ein. Dennoch ... ein bisschen erweckt das das Gefühl, als werde hier nur ein Zwischenprodukt an den Mann gebracht, und die wichtigen Leute beschäftigten sich lieber mit den größeren Dingen, die da noch kommen.

batman_arkham_origins_nexgam_04Die Geschichte von Arkham Origins ist zeitlich vor den Geschehnissen aus Arkham Asylum angesiedelt. Batman ist vor zwei Jahren erstmals gesichtet worden und wird von der Polizei gesucht. Das Gotham Police Department ist korrupt und kooperiert unter dem zwielichtigen Commisioner Loeb mit der Mafia. Einzig der kürzlich in die Stadt versetzte Captain Gordon scheint sich wirklich um Recht und Ordnung zu scheren. Aber auch die Kriminellen plagen Sorgen. Denn immer mehr verlieren die Mafiafamilien an Boden und wahnsinnige Superschurken übernehmen die Geschäfte. Ausgerechnet an Heiligabend kommt es zur Katastrophe im Blackgate Gefängnis, wo an diesem Tag der Calendar Man hingerichtet werden soll. Black Mask ist beteiligt. Anstatt des zum Tode Verurteilten wird der Commisioner vergast. Und als Krönung setzt der maskierte Gangsterboss ein Kopfgeld von 50 Millionen Dollar aus, wenn der Batman in dieser Nacht stirbt.

Soviel zur Story, die einen im Laufe der Handlung mit allerlei bekannten Gesichtern wie dem Pinguin, Bane, Killer Croc oder dem Joker konfrontiert ... aber auch mit einigen Neuzugängen wie Anarky, Deathstroke und Copperhead.

batman_arkham_origins_nexgam_10Die Hoffnung auf geniale Neuerungen zerschlägt sich leider bald. Das fängt schon bei Gotham selbst an, das eine editierte und erweiterte Version der Stadt aus Arkham City ist. Da das Spiel als Prequel daherkommt, wurde die Umgebung in Stand gesetzt und der Verfall beseitigt, jedoch wirkt vieles vertraut. Eine Ernüchterung, wenn man bedenkt, dass für den zweiten Teil noch eine komplett neue Spielwelt geschaffen wurde. Aber natürlich verständlich, da nun mal so manche bekannte Gegend von Batmans Heimatstadt bereits im Vorgänger zu sehen war.

Leider sucht man auch spielerisch neue Impulse vergeblich. Ein paar unbekannte Gadgets werden geboten. So zum Beispiel die Elektrohandschuhe, die Generatoren in Gang setzen können und im Kampf eine Angriffssteigerung bewirken. Die Klebegranate ist dagegen eine Mogelpackung: Hier wird einfach komplett die Funktion der Gefriergranaten übernommen.

batman_arkham_origins_nexgam_08Erneut mit dabei ist die Suche nach versteckten Objekten des Riddlers. Die zu lösenden Rätsel wirken meist wie müde Abklatsche der bekannten Knobeleien aus den Vorgängern. Sie fühlen sich nur wesentlich leichter an, was jedoch daran liegen mag, dass sie so unoriginell daherkommen und man die Lösungen einfach nach zwei Spielen bereits kennt.

Die Begegnungen mit den Endgegnern hinterlassen oft einen faden Beigeschmack. Offensichtlich war da ein Liebhaber von Quicktime Events am Werk, denn mehr als in den vorigen Teilen gilt es, im richtigen Moment die angezeigte Taste zu drücken. Die Schlachten mit den Superschurken verkommen so all zu oft zu stark gescripteten Reaktionstests.

Als wirklich neues, jedoch unerfreuliches Feature kann man vor allem die Bugs bezeichnen. Je nach Plattform hat der Spieler mit einer Auswahl verschiedenster Fehler zu kämpfen. Die Freezes und Abstürze der Xbox-360-Variante blieben mir auf der PS3 erspart, dafür durfte ich Performance-Probleme erleben, die an Skyrim erinnerten. Zugegeben, derartige Einbrüche gab es nicht oft, aber wenn, waren sie heftig. War es so weit, stockten selbst die Zwischensequenzen. Ärgerlich auch, falls der Held ausgerechnet beim Bosskampf unvermittelt stecken bleibt und bewegungsunfähig dem Gegner als Zielscheibe dient.

batman_arkham_origins_nexgam_06Als Highlight der unsauberen Programmierung stellte sich bei mir eine Situation heraus, in der ich nicht vor oder zurück konnte. Ein »Game Breaking Bug«, von denen es verschiedene im Spiel geben soll. Ich hatte Glück im Unglück, schaffte ich es doch mich nach zwei Tagen dank Hilfe im offiziellen Support Forum an der Stelle »vorbeizuglitchen«. Für eine andere Lösung, also einen echten Bugfix hätte ich noch mehr Geduld zeigen müssen. Eine Tugend, die ich mir zunächst von den Publishern wünschen würde. Denn es kann nicht angehen, dass immer öfter die Kunden als Betatester für ein unfertiges Produkt herhalten sollen. Generell scheint sich der Verdacht, dass Arkham Origins einfach nur ein Zwischenprodukt ist, um die Zeit bis zum nächsten, vollwertigen Teil von Rocksteady zu überbrücken und ein gutes Weihnachtsgeschäft zu machen, zu bestätigen.




Daniel meint:

Daniel

Batmans neues Abenteuer bereitete mir viel Freude. Das Grundkonzept der Reihe ist unangetastet geblieben. Und auch wenn die Ausführung hier weniger gelungen ist, reicht das noch immer für ein unterhaltsames Spiel. Story und Atmosphäre sind spannend genug, obwohl in dieser Beziehung ebenfalls nicht das Niveau der Teile 1 und 2 gehalten wird. Es macht einfach immer noch Spaß, als der dunkle Ritter durch Gotham zu gleiten. Das ganze Recycling, die Innovationsarmut und die Bugs zeigen aber deutlich, dass das Game nicht auf einer Ebene mit den Vorgängern ist.

Positiv

  • Bewährtes Arkham-Gameplay
  • Viele Charaktere
  • Große frei erkundbare Stadt...

Negativ

  • Kaum Neuerungen
  • Technische Probleme
  • ... die leider großenteils aus dem Vorgänger bekannt ist.
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8.9 6 Stimmen
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  • von 108 Sterne:

    Origins und City sind zwei unterschiedliche Spiele.

  • von _2xs:

    Ich habe gerade gesehen, daß es Batman Arkham Origins (Wii U) für 10,- € gibt. In wiefern unterscheidet sich das Spiel von Batman Arkham City Armored Edition? Oder ist das das gleiche Spiel, blos ohne DLC Catwoman?

  • von bbstevieb:

    Bin mit der Story durch. Habe so gut wie keine von den Nebenmissionen gemacht, weil die mich einfach überhaupt nicht motiviert haben. Story war OK, die Thematik (das erste Aufeinandertreffen auf Joker) hatte imo extrem grosses Potential und ich hätte das lieber von Rocksteady serviert bekommen....

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