The Legend of Heroes: Trails of Cold Steel im Test

PSVitaPlayStation3

Trails in the Sky ist eines der besten japanischen Rollenspiele, die kaum einer gespielt hat. Dies war dem sterbenden PSP-Markt geschuldet. Nun kehrt die Legend-of-Heroes-Reihe auf PS Vita und PS3 auf den westlichen Retailmarkt zurück.

2016-01-07-025211 Fünf Jahre sind seit der Veröffentlichung von Trails in the Sky vergangen. NIS America wagt sich nun mit der von XSEED lokalisierten englischsprachigen Fassung des elften Teils der Legend-of-Heroes-Serie wieder auf den deutschen Markt. Parallel zu Sonys Handheld wird diesmal auch noch die betagte PlayStation 3 bedient.

Wer keinen der Vorgänger gespielt hat, kann ganz beruhigt sein: Trails of Cold Steel ist der Beginn einer neuen Trilogie und erfordert keinerlei Vorkenntnisse. In alter Legend-of-Heroes-Tradition ist der Schauplatz nämlich eine andere Nation als das Liberl-Königreich aus den Trails-in-the-Sky-Teilen. Dieses Mal wird der Spieler ins Erebonische Reich versetzt. In der Rolle des jungen Rean Schwarzer beginnen wir unsere Laufbahn an der geachteten Thors Militärakademie. Dort wird eine ganz neue Eliteklasse gebildet, in der Adelige und gewöhnliche Bürger zusammen studieren. Eine skandalöse Idee, brodelt doch im Reich der Konflikt zwischen den privilegierten Blaublütern und den weniger glücklichen Normalos. Neben den unweigerlichen Spannungen zwischen den Schülern muss die zusammengewürfelte Gruppe auch noch als Teil der Prüfungen Spezialmissionen in allen Ecken des Reiches erledigen und wird so langsam in die inneren und internationalen Konflikte hineingezogen.

2016-01-22-222036Nihon Falcom hat sich beim Design nicht nur bei den älteren Serienablegern bedient, sondern auch eine ordentliche Portion Inspiration bei der Konkurrenz gesucht. Die Akademie erinnert stark an eine High School, und man entscheidet sich, mit wem man die begrenzte Zeit am Nachmittag und Abend verbringen und damit Kontakte intensivieren möchte. Nebenbei muss auch für gute Noten gesorgt werden. Klingt bekannt? Allerdings, hier haben Persona 3 und 4 offensichtlich Pate gestanden. Ganz so streng strukturiert ist der Schulalltag aber nicht. Meist werden Tage übersprungen, bis etwas Interessantes ansteht, während man bei Atlus Hits wirklich die allermeisten Tage durchlebt. Die Schüler der Akademie sowie die Bewohner der Stadt haben allerlei zu erzählen; hier wurde sehr große Sorgfalt in die Welt gesteckt, und wie in den besten RPGs alter Zeit lernt man viele der Mitschüler und Stadtbewohner, die in den meisten Genrevertretern der Moderne gesichtslos bleiben, wirklich kennen. Sie haben alle ihre eigenen kleinen Geschichten und Persönlichkeiten. Wer so etwas mag, der kann viele Stunden damit verbringen, die NPCs kennen zu lernen.

2016-01-28-030529Bei den monatlichen Feldstudien reist die Klasse dann in andere Gebiete des Reiches; hier werden neue Städte und Regionen kennengelernt und die Story vorangetrieben. Jede Stadt bietet wieder zahllose Bewohner und Häuser, und natürlich Quests die für eine gute Note beendet werden wollen. Die Gebiete sind dabei durchaus abwechslungsreich und nett in Szene gesetzt. Die Draufsicht auf die simple 3D-Grafik von Trails in the Sky ist einer frei dreh- und schwenkbaren Kamera gewichen. In der Regel ist sie hinter dem Helden positioniert und setzt das Geschehen schön in Szene. Eine verkleinerte Oberwelt gibt es nicht, alles wird im Originalmaßstab dargestellt. Die Missionsgebiete sind dabei eingegrenzt.

Monster sind jederzeit sichtbar und greifen einen an, wenn sie einen bemerken. Wer sich anschleicht und sie mit einem Schwertstreich betäubt, kann den Kampf mit einem Vorteil beginnen. Für die Auseinandersetzung wird dann in einen gesonderten Kampfbildschirm umgeblendet.


Die Kämpfe laufen streng rundenbasiert ab und ähneln denen der Vorgänger. Vier Helden sind aktiv, zwei weitere können jederzeit auf Tastendruck eingewechselt werden. Jederzeit eingeblendet ist die Reihenfolge der anstehenden Züge von Party und Gegnern. Je nach ausgeführter Aktion verzögert sich der nächste Zug eines Charakters unterschiedlich lang. Man kann angreifen, Skills, Zauber oder Items verwenden, oder sich an eine andere Stelle bewegen. Die Position auf dem Schlachtfeld ist dabei wichtig, weil sowohl Reichweiten als auch Wirkungsbereiche von Angriffen beachtet werden müssen. Steht die Party nah beieinander, dann können eventuell alle gleichzeitig geheilt werden ... aber ein Angriff kann auch alle zugleich treffen.


2016-01-28-032656Die Besonderheit des Kampfsystems sind die Links. Zwei Figuren können eine Verbindung eingehen; diese kann beliebig während des Kampfes geändert werden. Landet ein Partner einen kritischen Treffer, so wird der andere mit einem Angriff folgen. Je nach Intensivität der Freundschaft (gebildet durch Aktivitäten in der Freizeit oder gemeinsames Kämpfen) können zwischen Partnern bessere Kombos entstehen.


Eine zweite Besonderheit sind die S Crafts; mächtige Angriffe, die alle Craftpunkte verbrauchen, aber bei mindestens halb voller Leiste jederzeit eingesetzt werden können. Somit kann man in heiklen Situationen dem Feind einen Strich durch die Rechnung machen und sich mit einem gewaltigen Angriff vor seinen Zug zwängen. Damit kann manch brenzlige Situation entschärft werden. Je nach Kampfleistung werden die Erfahrungspunkte noch durch Multiplikatoren aufgewertet. Keinen Schaden erlitten, drei Gegner mit einer Attacke erledigt ... solche Leistungen spiegeln sich in mehr Erfahrung wieder.

Das Magiesystem erinnert an Materia aus Final Fantasy VII. Wie in Square Enix Klassiker werden Edelsteine in Fassungen eingesetzt, um Zauber freizuschalten oder Stats zu boosten. Die Crafts dagegen sind charaktergebunden und nicht von den Steinen abhängig.

2016-01-27-190745Das Spiel an sich ist sehr umfangreich. In Kapitel aufgeteilt kann man das eigentlich lineare Abenteuer je nach Spielweise locker auf 60-80 Stunden ausweiten. Nebenbeschäftigungen wie das Finden neuer Kochrezepte zur Herstellung von Heilitems, das Angeln oder freiwillige Quests machen die Spielzeit höchst variabel. Die Geschichte braucht dabei schon einige Stunden, um in Fahrt zu kommen. In den ersten 20 Stunden gibt es zwar auch zu kämpfen und Dungeons zu erforschen, aber die Lage wird erst später ernst. Man sollte nicht erwarten, früh mit den Bösewichtern konfrontiert zu werden, viel Zeit wird in die Etablierung der Spielwelt und die Beziehung der Charaktere unter einander gesteckt.

Und der geneigte Spieler muss sich im Klaren sein: Trails of Cold Steel ist nur die erste Hälfte der Geschichte, die 2016 noch im Nachfolger beendet wird. Ein drittes Kapitel soll auch noch drangehängt werden.

2016-01-27-185231Technisch ist das Spiel auf beiden Systemen nahezu gleich: die Grafik reißt nicht unbedingt Bäume aus, ist aber verglichen mit den Genrestandards durchaus aufwendig. Zahllose JRPGs werden heute sparsam produziert, mit menübasierten Städten und Cutscenes in Form spärlich animierter Charakterbilder. Cold Steel bietet hier wirklich Schauplätze in Echtzeit-3D, mit begehbaren Gebäuden und animierten Polygonfiguren. Das ist mehr als man von den meisten Konkurrenten sagen kann. Das vergleichbare Tales of Hearts R lässt die Vita-Fassung bspw. visuell deutlich hinter sich. Die Framerate ist auf der PS3 allerdings etwas besser geworden. Bei Zwischensequenzen in Spielgrafik kommt die Vita-Variante leicht ins Stottern.

Der Sound ist gut, aber unauffällig. Dafür sind wirklich überraschend viele Texte englisch vertont.

Dank Cross-Save-Funktion können Spielstände von einer Version auch für die andere genutzt werden. Aber Achtung: Spielstände der einen Monat früher erschienenen US-Version sind mit der europäischen Variante nicht kompatibel. Wer dieses Feature nutzen möchte, sollte also auf die passende Region achten. Will man zwei Versionen, aber der Spielstandaustausch ist egal, so kann man sich über getrennte Trophäen Sets zwischen EU- und US-Versionen freuen.




Daniel meint:

Daniel

Trails of Cold Steel ist ein tolles Spiel. In Zeiten, in denen JRPGs immer öfter vereinfacht werden, produziert Falcom erneut ein gewaltiges Rollenspiel mit spannender Story, tollem Kampfsystem und ordentlichem Produktionswert. Die PS3-Version ist dabei zwar teilweise eine Spur flüssiger, dafür wirkt die auf beiden Plattformen praktisch identische 3D-Grafik auf dem Vita-Screen noch etwas schmucker. Was auf der Heimkonsole am großen TV, wo auch Spiele wie Final Fantasy XIII und Ni no Kuni gelaufen sind, etwas karg wirkt, sieht auf der Vita wirklich nett aus. So oder so gibt es eine klare Kaufempfehlung, denn JRPGs dieser Qualität sind eine Seltenheit geworden. Wer sich als Genrefan bezeichnet und hier nicht zuschlägt, ist selbst schuld.

Positiv

  • Komplett animierte 3D-Grafik
  • Tolles Kampfsystem
  • Großer Umfang

Negativ

  • Etwas steif wirkende Helden
  • Leichte Performance-Probleme
  • Story braucht lange, um in Fahrt zu kommen
Userwertung
8.8 3 Stimmen
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Forum
  • von Mistercinema:

    The Legend of Heroes: Trails of Cold Steel IV kommt noch dieses Jahr auf die PlayStation 4! Die Veröffentlichung für Nintendo Switch und den PC folgt 2021. NIS America gibt europäischen Fans der Serie bereits im Herbst dieses Jahres die Möglichkeit, den neusten Teil auf Sonys Konsole zu...

  • von snk-freak:

    Coole news. ...

  • von PatrickF27:

    Sehr geil, ich freue mich gerade wie Sau über die Ankündigung. Jetzt noch Ys IX für den Westen auch für die 3 Systeme ankündigen und mein Falcom-Herz strahlt ...

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