Akiba's Trip: Undead & Undressed im Test

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Wortspielereien und Anspielungen auf unbekleidete Untote? Klingt nicht sehr seriös. Ist es auch nicht. Vertreibt die Untoten aus dem Otaku-Mekka Akihabara in Tokyo und rettet die Nerds vor der Übernahme durch die Synthisters, indem ihr sie unter Sonnenlicht entkleidet. Das ist der Stoff, aus dem Nerdträume gemacht werden. Willkommen bei Akiba‘s Trip!

akibas_trip_nexgam_10Man hat als langjähriger Videospieljournalist schon eine Menge gesehen. Insbesondere als Fan japanischer Games ist man auf so manche Kuriosität vorbereitet. Leider kommen diese oft sehr abstrusen Titel selten in westliche Gefilde. Da die PS3 langsam zum Auslaufmodell wird, nutzt der Nischenpublisher NIS America die Gunst der Stunde und bringt darbenden Konsoleros mit Vorliebe für Games aus Nippon Akiba‘s Trip. Ein Spiel, das vermutlich nicht japanischer und »trippiger« sein könnte.


Die Handlung von Acquires Otaku-Open-World-Sim kann für den westlichen Geschmack kaum skurriler sein. Der namenlose Random-Anime- und Manga-Fan wacht in einem Versuchslabor auf, wo er von der geheimnisvollen Shizuku befreit wird. Anschließend wird er eingeweiht, dass lebende Tote, sogenannte »Synthisters«, das Tokyoter Elektronikviertel »Akihabara« – kurz: Akiba – überrannt haben und drohen von hier aus, die Stadt zu übernehmen. Die Akiba Defense Force versammelt sich und vereint sich zum Kampf gegen die Untoten, deren Herkunft und Intention im Laufe des Spiels aufgedeckt wird. Dabei trefft ihr im Spielverlauf auf immer neue Charaktere, die euch als Partner unterstützen können.

 
akibas_trip_nexgam_12So patrouilliert ihr in Open-World-Manier Akihabara auf der Suche nach Synthisters. Identifiziert ihr mittels Smartphone-Scan-App einen der Wiedergänger, kommt es zum Kampf. Hier malträtiert ihr euer Gegenüber mit allem, was ihr finden und in Läden kaufen könnt. Arcade PCBs, Gummiattrappen des Tokyo Towers oder Laptops; die Anzahl an skurrilen Waffen ist schier unbegrenzt. Der geneigte Fan von Vampirromanen weiß, dass die Untoten neben Knoblauch eine Sonnenallergie haben. Um eure Feinde also außer Gefecht zu setzen, prügelt ihr so lange auf sie ein, bis die Haltbarkeit der Kleidung gegen null sinkt. Jetzt ist der Augenblick gekommen, in coolen Animationen den garstigen Synthisters die Klamotten vom Leib zu reißen. Dass dabei die obligatorischen Panty-Shots nicht außen vor bleiben, ist klar. Im späteren Spielverlauf lernt ihr noch Teammoves, um bei geladenem Spirit-Balken die Gegner in ausufernden Sequenzen spektakulär zu entkleiden. Natürlich lassen Feinde auch ihre Kleidungsstücke und Waffen zurück, die ihr sammeln und selbst anziehen könnt. Im Hauptquartier schneidert euch eure Schwester zudem neue, stabilere Stofffetzen an den Leib, die gleichwohl die eigene Defense steigern.
 
akibas_trip_nexgam_24Das Kampfsystem ist dabei reicht simpel. Je ein Button visiert Kopf, Rumpf und Beine an. Kombinieren lassen sich Attacken leider kaum. Insbesondere größere Waffen lassen sich nur undynamisch nutzen, sodass ihr die meiste Zeit im Kreis rennt und vereinzelt zuschlagt. Während der gut zehnstündigen Spielsession wussten lediglich die Boxhandschuhe wirklich zu überzeugen. Hier hätte etwas mehr Dynamik in den Kämpfen gutgetan, so dass man schnell dazu übergeht, unnötige Konfrontationen zu vermeiden.
Das Highlight des Spiels ist natürlich – neben den Entkleidungsaktionen – der Schauplatz. Wer einmal selbst in Akihabara war, wird sich schnell zurechtfinden. Unzählige real existierende Läden sind im Spiel umgesetzt. AKB-Café? Check! Super Potato? Check! 300 Sofmap auf 1km? Check! Maiddreamin Cafe? Jawoll! Für ortskundige Spieler ist Akiba‘s Trip ein tolles Erlebnis. Man fühlt sich in den eigenen Japan-Urlaub zurückversetzt, nur dass man hier zusätzlich noch den Gothic-Lolis die Kleider vom Leib reißen kann. Wenn das nicht für eine Höchstwertung qualifiziert ...
 
akibas_trip_nexgam_23Leider wurde ein wesentlicher Aspekt von Akihabara nicht umgesetzt: die vollen Straßen. Aufgrund mangelnder technischer Brillanz wirkt Akiba schrecklich leer. Wenige, sich ständig wiederholende Charaktermodelle wandern durch die normalerweise schwer gefüllten Gassen, ein klarer Atmosphärekiller. Nach Betreten eines Areals ist dieses zunächst komplett leerstehend. Im Hintergrund lädt die PS3 immer neue Charaktere nach, leider auch Questgeber, sodass man teilweise ein- bis zweimal an ihnen vorbei rennt, bis sie geladen wurden: ein eindeutiger Designfehler.
 

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Die Sidequests in Akiba‘s Trip sind meist belanglos, aber witzig gemacht. Ein paar Frauengrabscher sollen vermöbelt werden. Dafür verkleidet Ihr euch als Frau und lasst euch angraben. Oder der Otaku um die Ecke sucht eine seltene Anime-Figur. Und wer ist eigentlich dieser seltsame Typ, der alle Ausgaben des Dengeki PlayStation Magazins kauft? Schräg sind die Nebenquests, aber leider nicht sehr zahlreich. Bleibt die Mainstory, die meist vor sich hin dümpelt und durch Kämpfe gegen Synthisters unterbrochen wird. Wer nicht totaler Otaku ist, kommt um Fremdschämen bei den Gesprächen oft nicht herum, zu omnipräsent ist das Gebrabbel über Animes, Figuren, Smartphones und den generellen Konsum. Konsum um jeden Preis. Wer darauf steht, hat Spaß.


Ebenso leidet die akustische Untermalung an Schwankungen. Schreckliches Techno-Gestampfe wechselt sich mit JPop ab. Ansonsten säumen leichte Umgebungsgeräusche die Spielwelt. Die englischen Sprecher machen einen guten Job, das ganze Spiel wurde englisch vertont. Puristen können auch die japanische Sprache auswählen.

 

Die PS4-Version

 

Konnten PS3 und Vita-Spieler im Herbst schon Hand an die ungewöhnliche Vampirjagd legen, starten PS4-Spieler in Europa im Februar 2014 durch. Neben der obligatorischen Next-Gen-Behandlung in Full-HD war Entwickler Aquire sparsam mit Neuerungen.

 

Einer der Hauptkritikpunkte der "Last-Gen-Versionen" wurde jedoch behoben. Auf der PS4 wirkt Akihabara nun endlich bevölkert. Die Passantendichte ist deutlich höher, auch werden die NPCs deutlich schneller geladen und in den Bildaufbau integriert. Das lässt das Elektronikviertel Tokyos nun auch endlich ein wenig nach Groß- statt Geisterstadt aussehen.

 

Ebenfalls neu ist der Visual Editor. Hier können Farben und Linienstärke sowie Motion Blur Effekte eingestellt werden, bis Akiba in dem Look erscheint, den der Spieler wünscht. Über die Sinnhaftigkeit dieses Features lässt sich freilich streiten, jedoch kann man so dem Spiel den Wunschlook aufdrücken, für Manga und Anime-Fans sicher nicht verkehrt.

 

Leider war es das auch schon mit den Neuerungen der PS4-Version. Inhaltliche Ergänzungen findet man nicht, alle DLCs der PS3- und Vita-Versionen finden sich auch für die PS4-Version, jedoch nichts darüber hinaus.




Heiko meint:

Heiko

Akiba‘s Trip eignet sich eigentlich nur für eine Zielgruppe: Fans der japanischen Anime- und Manga-Kultur. Ich selbst war zwar aufgrund meiner Videospiel-Affinität in Akihabara, kann aber mit dem Humor und den Beweggründen der Protagonisten im Spiel nicht viel anfangen. Schön, nochmal Urlaubsorte zu besuchen, ansonsten sagt mir weder das Kampfsystem noch die fade Technik zu. Wer gerne Figuren sammelt, Höschen anschaut und schräge japanische Software im Regal haben will schlägt zu. Verrückt ist es allemal. Wer eine PS4 zu Hause stehen hat, sollte sich diese Version zulegen.

Positiv

  • Akihabara mit Original-Geschäften
  • Unzählige Waffen und Klamotten
  • PANTSU!

Negativ

  • Dröges Kampfsystem
  • Uninspirierte Story
  • Grafisch schwach
Userwertung
6.6 13 Stimmen
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Forum
  • von PatrickF27:

    Haben wir zu Akiba's Beat (heute erschienen) eigentlich keinen Thread bisher oder bin ich zu blöd den zu finden?

  • von aldi404:

    Ich spiel's ja auch gerade, das Kampfsystem find ich völlig in Ordnung, bisschen viel Buttonmashing aber bis jetzt geht's ganz gut...

  • von Pestilence:

    Ich fand es gut genug um es auf Platin zu spielen, nachdem ich es mir aus denselben Gründen geholt hatte wie Deadshot. Von daher wünsche ich dir viel Spaß mit diesem kranken Scheiß. Ab dem zweiten Playtrough wird übrigens angezeigt, mit welchen Aussagen du dich bei den Frauen einschleimst,...

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