Baphomets Fluch: Der Sündenfall - Episode 1 im Test

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Paris im Frühling ... Leidenschaft, Romantik ... L ‘amour. Wie in jedem (guten) Teil der Baphomets-Fluch-Reihe von Revolution Software beginnt George Stobbards neuestes Abenteuer hier. Und wie immer hat der Amerikaner ein Talent dafür, unversehen in eine Verschwörung ungeahnten Ausmaßes zu tappen.

baphomets_fluch_der_suendenfall_e1_1George ist inzwischen als Versicherungsagent beschäftigt. Seine Arbeit führt ihn zurück in die Stadt der Liebe. Als Vertreter seiner Firma besucht er eine kleine  Kunstausstellung. Es dauert nicht lange, bis wieder einmal völlig unerwartet ein ruhiger Tag in einer Katastrophe endet: Der Galeriebesitzer wird vor Georges Augen von einem Unbekannten erschossen und das Gemälde »La Maledicco« geraubt. Aber wieso dieses Bild? Es ist ein eher weniger wertvolles Stück, umgeben von teureren Werken. Und warum funktionierte ausgerechnet bei diesem Kunstwerk die Alarmanlage nicht? Für den neugierigen Amerikaner ist klar, dass da mehr dahinter steckt. Und während die Polizei offensichtlich im Dunkeln tappt, kommen George und seine alte Flamme Nicole Collard, ihres Zeichens Reporterin, einer viel größeren Sache auf die Spur. Die frühchristliche Sekte der Gnostiker und der mittelalterliche Orden der Katharer spielen eine Rolle. Und so entwickelt sich die Detektivarbeit der Zwei erneut zu einer Geschichtsstunde und führt weit über die Grenzen Frankreichs hinaus.

Wer mit Baphomets Fluch: Der Sündenfall anfängt und bereits in den Neunzigern die ersten beiden Spiele der Reihe spielte, dürfte sich sofort heimisch fühlen. Vorbei zu sein scheint die Zeit der weniger geglückten Experimente der Teile 3 und 4. Die Welt ist wieder zweidimensional, die Steuerung besteht aus dem klassischen Point-‚n -Click-Procedere, und es wird auch nicht krampfhaft versucht, Figuren und Umgebungen realistisch oder gar schmutzig aussehen zu lassen.

baphomets_fluch_der_suendenfall_e1_2Geradezu eine Erleichterung ist die Abkehr von Steuerungsexperimenten. Wie oft fluchte ich in den letzten beiden Spielen noch, weil irgendetwas nicht so funktionierte, wie es sollte. »Der Sündenfall« lässt von der ersten Minute keinen Zweifel daran, dass alte Tugenden den Ton angeben. Mit den Maustasten kann kontextbezogen gesprochen, untersucht, sich bewegt oder ein Objekt benutzt werden. Der obere Bildschirmrand bietet Optionen, der untere die Liste der vorhandenen Gegenstände. Im Gespräch können sind hier alle möglichen Themengebiete angezeigt, die frei abgehandelt werden dürfen. Auch das Sammelsurium an Krimskrams aus Georges Tasche dient wiederholt als lustiges Thema.

Die Rätsel sind generell leichter als früher. Offensichtlich liegt keinem Entwickler mehr daran, den Spieler mit echten Kopfnüssen zur Verzweiflung zu bringen. Steht man doch auf dem Schlauch, so kann man jederzeit Hilfe bekommen; angefangen mit kleinen Tipps bis hin zur kompletten Lösung der Aufgabe.

baphomets_fluch_der_suendenfall_e1_3Die Handlung wird spannend und mit einer gehörigen Prise Humor erzählt. Wie immer lernt man sogar das eine oder andere über die Vergangenheit, während einen die mitreißende Story in die virtuelle Welt hineinzieht. Eine Mischung aus neuen und altbekannten Charakteren bevölkert Paris und London, die Schauplätze der ersten Episode. Mit gut 12 Stunden Spielzeit waren diese auch umfangreich; falls die Fortsetzung ebenso lange beschäftigt, könnte uns hier das größte Baphomets Fluch aller Zeiten erwarten.

Zur Technik: Einziger Wehmutstropfen in visueller Hinsicht, und vermutlich als Zugeständnis an das eher geringe Budget zu verstehen, sind die Charaktermodelle. So bestehen diese aus Polygonen. Zwar wurde Cel-Shading eingesetzt, um einen zeichentrick-artigen Look zu erzeugen, jedoch wirken die Figuren verglichen mit den elegant und flüssig animierten Kollegen der ersten beiden Abenteuer leider recht behäbig und plump. Hier wurde ein klarer Kompromiss eingegangen, den Produzent Charles Cecil aber fairerweise bereits während der Kickstarter-Kampagne zum Spiel ankündigte. Zweidimensionale Sprites in HD zu animieren, wie man es einst für die niedrig aufgelösten Vorgänger tat, wäre mit erheblichen Kosten verbunden gewesen. Nichtsdestotrotz schlagen die neuen Figuren locker jene aus den Teilen 3 und 4.

An den Hintergrundgrafiken gibt es hingegen nichts auszusetzen. Sie reihen sich qualitativ nahtlos in die klassische Serie ein. Ab und zu wird durch das Verschieben verschiedener Ebenen ein Tiefeneffekt erzeugt. Der Detailgrad ist nicht so hoch wie in Daedalics »Das Schwarze Auge: Satinavs Ketten«, jedoch wäre das auch dem Gesamtstil eher abträglich.

Sehr gut ist erneut die deutsche Vertonung ausgefallen. Stammsprecher Alexander Schottky leiht, wie seit Anbeginn der Serie George seine Stimme, und man hat das Gefühl, dass auch seine Leistung mit der Rückkehr zu den Wurzeln zu alter Form zurückgekehrt ist. Dem bunten Haufen an Nebenfiguren wird gekonnt Leben eingehaucht und es macht Spaß sich alle Dialoge zu Gemüte zu führen. Einen Verlust gibt es zu beklagen: Franziska Pigulla, bekannt aus Film und TV und ebenso lange wie Schottky mit der Adventure-Reihe verbunden, kehrt diesmal nicht in der Rolle der Nico zurück. Dieser Part wird jetzt von Petra Konradi gespielt. Deren Stimme erinnert an Pigullas, und sie erledigt ihre Arbeit generell gut, so dass Entzugserscheinungen bei Fans minimiert werden dürften.




Daniel meint:

Daniel

Baphomets Fluch: Der Sündenfall ist das Spiel, das ich mir bereits als dritten Teil der Reihe gewünscht hätte. Auch wenn durch leichtere Rätsel und Polygonfiguren gewisse Zugeständnisse an moderne Zeiten gemacht werden mussten, so fängt Charles Cecils neuestes Werk den Charme der Klassiker doch gut ein. Sparfüchse seien aber gewarnt: Man sollte sich gut überlegen, ob man Episode 1 einzeln kaufen möchte. Da die Geschichte von vorneherein als Zweiteiler geplant war endet das Abentuer nämlich in einem Cliffhanger, der keinen Spieler zufrieden stellen wird! Meine Empfehlung: Gleich das Doppelpack erstehen! Ich kann es jedenfalls bis zur Episode 2 kaum erwarten.

Positiv

  • Spannende Story
  • Klassisches Point-'n-Click-Gameplay
  • Gute Synchronisation

Negativ

  • Leichte Rätsel
  • Plumpe Charaktermodelle
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Forum
  • von TommyKaira:

    Und es erscheint auf die Switch. ...

  • von _2xs:

    Baphomets Fluch 5: Der Sündenfall gibts jetzt im Bundle für die PS4 mit Dreamfall Chapters für kleine 29,99 €.

  • von Civilisation:

    Und hier ist Stefans Artikel zum Spiel. Baphomets Fluch 5: Der Sündenfall – lohnt sich die Konsolenfassung? Zwei Dinge sind augenscheinlich nicht tot zu bekommen: Adventures und der Amerikaner George Stobbard! Dieser sorgt seit 1996 dafür, dass die „Baphomets Fluch“-Reihe...

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