The Bard's Tale IV: Barrows Deep - Ein durchwachsenes Erlebnis

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Wir leben in einer Zeit, in der die 80er als cool gelten - in der an vielen Stellen der Stil und Look jener Epoche kopiert wird. Gleichzeitig werden ebenfalls bestimmte Marken aus diesem Jahrzehnt wiederbelebt, allerdings angepasst an die graphischen Möglichkeiten der Moderne. Auch The Bard‘s Tale IV gehört zu den Spielen, bei denen das geschehen ist.

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The Bard‘s Tale, das war der Name einer dreiteiligen Rollenspielreihe, die in den 1980er Jahren für die damaligen Computer herauskam. Die Serie war beliebt, unter anderem wegen ihrem Humor. Doch 1988 erschien der dritte und letzte Teil. Danach wurden 1991 ein Construction Set, 2004 eine Art Spinoff für die Konsolengeneration jener Zeit und 2017 eine Adaption für VR-Geräte herausgebracht. Alles zwar Titel, die sich auf die eine oder andere Art mit dem Barden beschäftigten, aber keine vollwertige Fortführung.
 
Die wurde erst 2015 angekündigt, als InXile Entertainment, das Entwicklungsstudio der Entwicklerlegende Brian Fargo, ankündigte, einen vierten Teil zu entwickeln. Finanziert werden sollte die Programmierung via Kickstarter. Für Fargo selbst war es eine Art Rückkehr zu den Wurzeln, da er die Story zu Teil 1 und 2 schrieb und bei Teil 3 der Director war. Und sein Studio hatte schon Erfahrung mit der Wiederbelebung tot geglaubter Marken, wie man an Wasteland 2 und Torment: Tides of Numenera feststellen durfte.
 

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The Bard‘s Tale IV spielt nach den ersten drei Spielen. Das Böse, was in den vorherigen Teilen bekämpft wurde, ist zurück. Still und heimlich gewann es an Einfluss und erschuf Fanatiker, die alles und jeden verachten, der nicht menschlich ist oder sich gegen ihre Ansichten stellt. Irgendwann ist ihre Macht so groß, dass sie sogar die Gilde der Abenteurer angreift, die bislang der Garant für Stabilität und Ordnung waren. Nur wenige können fliehen, darunter auch die Figur des Spielers, die man sich selber erstellen kann. Man hat die Auswahl zwischen vier verschiedenen Rassen (Mensch, Elfen, Zwerge und Trow) sowie vier unterschiedlichen Berufen (Kämpfer, Magier, Diebe und selbstverständlich Barden). Die Trows, eine goblinartige Spezies, wie auch die Barden selbst, wirken dabei im Vergleich am innovativsten, da der Rest eher 08/15-Standardfantasy ist. 
 

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Das Interessante an dieser Klasse ist eine Besonderheit. Denn passend zu dem humorigen Grundtenor des Spiels wurde diese Charakterklasse mit einem gewissen Extra ausgerüstet. Je mehr nämlich der Barde trinkt, desto stärker wird er. Allerdings darf man es damit nicht übertreiben, da man sonst mitten im Kampf auf ein Mal komplett schwach ist. Womit das also keine Aufforderung ist, als normaler Mensch ebenfalls dem Alkohol zu frönen! ;)
 
Die Story selbst hat sowohl düstere Momente wie auch heitere Augenblicke. So ist man zu Beginn direkt Zeuge, wie angebliche Verräter gehängt werden. Doch das wird durch einen trockenen Humor ausgeglichen. Oft genug wird man sich ein Kichern nicht verkneifen können, weil das Timing perfekt ist! Dabei hat man nie das Gefühl, dass die Komik das Drama überschattet. Die Balance ist einfach nur gelungen!
 

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Man wird sich durch eine bunte und vielfältig gestaltete Fantasywelt begeben, in der es verschiedene Biotope wie eine Tundra oder Wälder gibt. Dabei sind vor allem die Dungeons sind enorm groß geworden. Wer jetzt allerdings darauf hofft, dass man sich in diesen förmlich verlaufen kann, der wird enttäuscht sein. Man durchläuft diese geradlinig von A nach B. Möglichkeiten, auch mal Links und Rechts des Wege zu gucken, sind kaum gegeben. Vor allem im Vergleich zu modernen Rollenspielen ist das enttäuschend.
 
Hinzu kommt ebenfalls, dass das Spiel nicht besonders sauber programmiert zu sein scheint. Zwar hat sich seit dem Release einiges getan, doch noch immer kann es zu graphischen Fehlern und spontanen Crashes kommen. Letzteres ist vor deshalb übel, weil Speichermöglichkeiten in dem Game eine Rarität sind. Es kann oft genug passieren, dass man nach einem erfolgreichen Kampf zurücklaufen muss, weil man nicht sofort speichern kann. Das wirkt in der heutigen Zeit schon fast anachronistisch.
 

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Dafür wirkt das Kampfsystem nett. Man spielt auf einem 4*4 Gitter, wo sich Helden und Feinde gegenüberstehen. Dabei ist die Auseinandersetzung eine, die auf Ressourcen basiert. Ein Barde muss, wie gesagt, Alkohol nutzen, derweil ein Magier auf Spellpoints zurückgreifen kann. Alle Charaktere haben gleichermaßen Zugriff auf einen Pool mit limitierten »Möglichkeiten«-Punkte. Der regeneriert sich natürlich jede Runde. Trotzdem muss man gut überlegen, was genau für eine Aktion man jedes Mal durchführt. Denn wenn man am Ende zu wenig Punkte hat, könnte das schiefgehen.
 
Wobei man allerdings ebenfalls sagen muss, dass die KI des Spiels keinen Blumentopf gewinnt. Sobald man den Bogen heraus hat und die Schwächen der Feinde kennt, ist jeder Kampf eine Kleinigkeit und keine große Herausforderung. So nett der Kampf inzensiert ist, das ist dann doch eine ziemliche Enttäuschung.
 
Graphisch ist The Bard‘s Tale IV ein gemischtes Vergnügen. Vor allem die Charaktere wirken manchmal etwas seltsam animiert, schon fast hölzern. Aber andererseits passt dies zum gesamten Spiel, dass ja insgesamt ein eher durchwachsenes Erlebnis ist. Das Einzige, was nicht enttäuscht, ist der Soundtrack des Games! Die Gaelische Musik von Juli Fowles und Mark Morgan ist einfach phantastisch und schon fast Grund allein, sich das The Bard‘s Tale IV zuzulegen. Wobei, wenn man so darüber nachdenkt, dass tief blicken lässt.
 
 
Forum
  • von Dark Shadow:

    Und wo ist die Amiga version ...

  • von Nognir:

    Am schönsten sieht immer noch die C64 Fassung aus, weil sich die grafisch am Apple II Original orientierte ...

  • von 108 Sterne:

    bluntman3000 schrieb: Ich finde The Bard's Tale I-III Classic Trilogy Remastered gar nicht so hässlich, gemessen an anderen, lieblosen Wiederbelebungsversuchen (Chaos Engine, irgendwer?) und stelle heute Abend mal ein paar Screenshots rein,...

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