Anno 1800: Die Entdeckung der Langsamkeit

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Jahrelang gab es für die Anno-Reihe nur eine Richtung: Ab in die Zukunft. Das kumulierte am Ende in Anno 2205, was welches jedoch sehr viel Kritik erhielt. Mit Anno 1800 heißt es jetzt, ab in die Vergangenheit, zurück zu den Wurzeln?

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Vergleicht man Anno 1800 mit dem Vorgänger, fällt auf, dass sich augenscheinlich die geäußerte Kritik zu Herzen genommen wurde und das Game in nahezu allen Belangen verbessert wurde. Der Spieler wird viel Zeit mit dem Titel verbringen, entweder solo oder gemeinsam mit anderen. Dabei wurde das Spiel von Blue Byte entwickelt, besser bekannt für »Die Siedler«-Reihe.
 
Es gibt zwei Spielmodi, auf die sich ein Sologamer stürzen kann. Entweder den Storymodus, oder das Freie Spiel. In der Story wird der Erbe eines im Gefängnis und Ungnade gefallen Mannes, der plötzlich stirbt, gespielt. Wie es scheint, hat der Bruder deines Vaters mit den Vorkommnissen zu tun, ebenso, wie er versucht, alles zu tun, um euer Leben schwer zu machen.
 
Um der Sache auf den Grund zu gehen, geht ihr mit eurer Schwester und eurem Freund auf ein kleines Eiland in der Nähe zur alten Heimat. Dort wird eine eigene Siedlung gegründet, die im Laufe der Zeit von euch weiterentwickelt wird, am besten kombiniert mit einer glücklichen Bevölkerung. Dabei erhaltet ihr immer mehr Unterstützung von Verbündeten.
 

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Die Story ist zwar immer noch dünn. Doch im Vergleich zu der Geschichte des Vorgängers bietet sie mehr Spannung und Anreiz zum Weiterspielen. Der Spieler will wissen, wie es weitergeht und wie am Ende hoffentlich dem betrügerischen Onkel das Handwerk gelegt werden kann. 
 
Wer darauf keinen Wert legt, kann im Freien Modus loslegen. Vom Gameplay her macht es keinen spürbaren Unterschied, bis auf die Tatsache, dass im Storymodus mehr Aufgaben vorliegen, die einen indirekt an die Hand nehmen. Denn es mangelt Anno 1800 an einem guten Tutorial. Viele Aspekte des Games müssen sich mühsam selber erarbeitet werden, inklusive was es  beim Spielen alles  zu beachten gilt!
 
Denn das Game ist ein typischer Vertreter von »Sieht einfach aus, ist aber schwer zu meistern«. Man hat es mit einem hochkomplexen Wirtschaftssystem zu tun, wo sogar Kleinigkeiten dafür sorgen können, dass am Ende die Bewohner eure Siedlung in Scharen verlassen. Herauszufinden, woran das jetzt liegt, ist alles andere als simpel, da es jetzt nicht die alles erklärende Statistik gibt. Oft genug gilt es, sich zusammenreimen, was gerade los ist, in dem zum Beispiel darauf geguckt wird, wie der aktuelle Warenstand eines wichtigen Objekts ist. Das gleiche gilt auch, wenn die Bewohner sich darüber beschweren, dass ein Gebäude sie stört. Welches das ist, kann man oft nur raten. Immerhin hat man eine Art Heatmap. Je nach Färbung der Straßen ist ersichtlich, wie groß die Reichweite eines bestimmten Bauwerks ist.
 

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Am Ende ist dies allerdings Meckern auf hohem Niveau. Ja, so was ist ärgerlich. Aber wenn man sich erstmal mit dem Game vertraut gemacht hat, lässt es einen nicht mehr los. Es darf nur nicht der Fehler unterlaufen, wie wild drauf losbauen. Anno 1800 lehrt einen Geduld und Langsamkeit. Veränderungen geschehen nicht spontan, sondern am besten nach und nach. Die Bevölkerung wächst mit der Zeit und holt sich benötigte und vorhandene Objekte auch erst mit etwas Verzögerung. Doch das ist eine Spielweise, an die man sich schnell gewöhnen wird. 
 
Der besondere Anreiz von Anno war ja sowieso schon immer, die speziellen Bedürfnisse der Bevölkerung zu erfüllen. Denn je höher die soziale Schicht ist, desto mehr Wünsche haben die Bewohner. Erst, wenn diese erfüllt sind, ist ein weiterer Aufstieg möglich. Wodurch allerdings die Arbeitskraft der vorherigen sozialen Schicht verschwindet. Das führt dazu, dass man immer schaut, wie und wo neue Behausungen gebaut werden, damit alle Betriebe immer mit genügend Arbeitern versorgt sind. Hier müssen übrigens die Entwickler gelobt. Diese Übersicht ist gelungen und es ist auf einem Blick ersichtlich, wie die Gesamtstimmung der Bevölkerung ist.
 
Dabei wirkt das eigene Volk deutlich lebendiger als im vorherigen Teil. So gibt sie immer wieder kleinere Quests auf, die es innerhalb eines vorgegebenen Zeitlimits zu lösen gilt. Entweder muss man etwas bestimmtes holen oder mit etwas anderem interagieren. Am Ende erhält man ggfs. Objekte, die man für gewisse Bauwerke braucht, oder die Bewohner werden schlichtweg nur glücklicher. 
 

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Die Grafik ist einfach nur umwerfend. Die einzelnen Gebäude wurden mit viel Liebe zum Detail erschaffen und die Umgebung wirkt extrem lebendig. Es macht Spaß, mitten ins Geschehen stufenlos reinzuzoomen und das Gewusel von nahem zu beobachten. Ebenso gefallen die Gemälde, die in den Ladebildschirmen eingeblendet werden. Sie geben Momentaufnahmen der damaligen Zeit wieder, wie zum Beispiel das einem staunenden, jungen Prinzen eine Glühbirne vorgeführt wird.
 
Am Ende ist Anno 1800 besser als der Vorgänger, wenn auch nicht ganz so überragend, wie man es sich gerne gewünscht hätte. Aber unterm Strich ist das mehr Jammern auf hohem Niveau.


Forum
  • von Civilisation:

    Ich habe das Spiel für neXGam besprochen. Anno 1800: Die Entdeckung der Langsamkeit Jahrelang gab es für die Anno-Reihe nur eine Richtung: Ab in die Zukunft. Das kumulierte am Ende in Anno 2205, was welches jedoch sehr viel Kritik erhielt. Mit Anno 1800 heißt es jetzt, ab...

  • von Mistercinema:

    Ubisoft gab heute bekannt, dass Anno 1800 der am schnellsten verkaufte Teil der erfolgreichen Städtebau- und Strategie-Reihe ist. Bereits innerhalb der ersten Woche nach Markteinführung wurde Anno 1800 viermal mehr verkauft als sein Vorgänger Anno 2205 im selben Zeitraum. Anno 1800 wurde am 16....

  • von fritzle:

    Ich warte doch noch auf einige Patches. Das Spiel hat noch ein großes balancing Problem. Auch das Einflussystem ist nicht durchdacht. Die Kommentare unter dem Vid sagen alles. Edit: Das Einflusssystem wird mit dem nächsten Patch überarbeitet: ANNO 1800...

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