Fallout 4 im Test

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Das leise Knacken des Geigerzählers im Ohr; um mich herum nichts als Trümmer, abgestorbene Bäume und Leichen. Ein Strahlungssturm tobt, und ich muss schleunigst Schutz suchen, um zu überleben. Als ich die rettende Tür durchschreite und das unbekannte Gebäude betrete, weicht meine Erleichterung bald dem Schrecken; das Anlaufen eines schweren Maschinengewehrs ist zu hören. Ich bin mitten in ein Lager der Supermutanten geraten. Willkommen zurück im Ödland!

Fallout4_nexgam_01Sieben Jahre sind nun bereits vergangen, seit Bethesda mit Fallout 3 die einst isometrische Rollenspielreihe aus dem Hause Interplay im typischen, hauseigenen Stil neu erfand. CRPG-Puristen rümpften damals die Nase über den Open-World-Spielplatz nach der Elder-Scrolls-Formel, aber für die breite Masse wurde die Reihe erst damit zum Thema.

Obwohl die Veränderungen nicht so radikal wie beim dritten Teil erscheinen, so muss sich der Spieler dennoch auf neue Spielelemente einlassen. Wie gewohnt will das Ödland – in diesem Fall die Ruinen der Stadt Boston und Umgebung – erkundet werden, und es steht dem angehenden Abenteurer frei, dabei einfach dem Instinkt zu folgen. Barrieren gibt es allenfalls in Gestalt zu mächtiger Gegner, die einem mancherorts das Leben schwermachen. Wie beim letzten Ausflug in die post-apokalyptische Zukunft begleiten einen hierbei ein Gefährte und die Musik der 50er Jahre. Und wie früher dient der Kamerad in erster Linie als Packesel für die gesammelte Beute. Jene gibt es diesmal im Übermaß, da der Verschleiß von Waffen und Rüstung komplett gestrichen wurde. Mussten früher noch Objekte nach langer Benutzung mit gleichartigen Ersatzteilspendern repariert werden, so bleibt einem nun nichts weiter übrig, als die Gegenstände liegen zu lassen oder säckeweise zum Händler zu schleppen. Immerhin wurde dafür ein umfangreiches Modding-System hinzugefügt; verschiedene Läufe, Visiere und Griffe an den Schusswaffen sowie Taschen oder Verstärkungen für Kleidungsstücke werten die bevorzugten Utensilien auf.

Fallout4_nexgam_02Benutzen darf man die Argumentationsverstärker erneut wahlweise in Echtzeitauseinandersetzungen in Ego- oder Third-Person-Ansicht oder im taktischeren V.A.T.S.-System. Hierbei wird die Zeit verlangsamt und einzelne Körperteile können für Aktionspunkte angegriffen werden.

Der wirkliche Kern der Neuerungen besteht aber im Management. Erstmals darf das Ödland selbst wieder aufgebaut werden. Vorangegangenen Vertrauensgewinn vorausgesetzt lassen Siedler den Spieler die Kontrolle über ihre Heimat übernehmen. Dabei wird in einen Editor umgeschaltet, bei dem man frei herumläuft, Gebäude und kaputte Einrichtung in ihre Bestandteile zerlegt und völlig neu aufbaut, einrichtet und mit Strom, Nahrung und Trinkwasser ausstattet.
Die anfänglichen schäbigen Baracken werden mit Annehmlichkeiten bereichert und locken neue Menschen an, die ein Zuhause suchen. Und solche, die eher an Raub und Zerstörung interessiert sind ... dementsprechend muss auch für Verteidigung gesorgt sein.

Die notwendigen Ressourcen erhält man aus allerlei Trödel, der eingesammelt werden will. Ob Blechdose, Glühbirne oder Computerchip; nichts ist vor der Zerlegung in seine Bestandteile gefeit und alles dient dem Wiederaufbau.

Dieses Spielelement nimmt einen großen Platz in Fallout 4 ein. Nicht ohne Grund, so waren bei New Vegas doch trotz klarer inhaltlicher Verbesserungen die Reaktionen nicht ganz so überschwänglich wie bei Fallout 3. Es musste also mehr geschehen als wieder einmal Trümmerstätten zu erforschen, nur in besserer Grafik. Wem solcherlei Aufbau-Elemente nicht liegen, der kann sie freilich weitgehend außer Acht lassen, muss sich dann allerdings auch mit einem etwas kürzeren Spielerlebnis zufriedengeben.

Fallout4_nexgam_04Schwerer ins Gewicht fällt für mich aber, dass die Dialoge und Quests nicht mehr ganz so witzig und originell erscheinen. Die Charaktere und ihre kleinen Geschichten sind in den Hintergrund gerückt und anstelle von sehr unterschiedlichen Dialogoptionen ist alles auf vier Standardhaltungen heruntergedampft worden. Knappes ja/nein, Nachfrage oder Sarkasmus. Das wirkt arg formelhaft und presst die Unterhaltungen in ein Korsett, auf das ich gerne verzichtet hätte.

Das Radioprogramm zeigt gewisse Ermüdungserscheinungen. Recycelte Songs sind das eine. Dass aber die Radiomoderation auch nach einer Quest zu mehr Selbstsicherheit einfach nur langweilt ist schade.

Die Technik ist, verglichen mit den Serienteilen auf der PS3, wesentlich sauberer. Waren Fallout 3 und New Vegas noch von heftigen Slowdowns und Abstürzen geplagt, so läuft der Nachfolger auf der PS4 deutlich stabiler (wenn auch nicht perfekt) und nicht so fehleranfällig. Schön ist es dabei nicht geraten; scheinbar wird immer noch die uralte Grafikengine verwendet. Wo die Landschaften durchaus nett aussehen, wirken die Charaktere erneut leblos und unbeholfen.




Daniel meint:

Daniel

Insgesamt bietet Fallout 4 viel vom Liebgewonnenen und einiges Neues, lässt jedoch auch in vielerlei Hinsicht Federn. Der Ansatz eines rundum überholten Games ist gut, aber manche Einschnitte sind schmerzhaft.
So kann ich das Spiel klar empfehlen, würde es allerdings nicht als besser als die Vorgänger bezeichnen. Spielenswert ist es für jeden Fan, ob nun Teil 3, New Vegas oder Teil 4 das beste 3D Fallout darstellen ist stark geschmacksabhängig.

Positiv

  • Langer Spielspaß
  • Neuartiges Siedlungsaufbau-Feature
  • Technisch relativ sauber

Negativ

  • Weniger Witz als in den Vorgängern
  • Kleinere Spielwelt
  • Grafisch nicht besonders schick
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7.8 10 Stimmen
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Forum
  • von aldi404:

    Installation ist in der Warteschlange, heute abend gehts los ins Wasteland, schlimmer als 76 kanns ja nicht werden ...

  • von Mistercinema:

    Auch bei Fallout 4 könnt ihr an diesem Wochenende kostenlos Probespielen, zumindest wenn ihr eine Xbox One besitzt. Noch bis Montag, den 21. Mai, 09:00 Uhr steht Fallout 4 kostenlos auf der Xbox One zur Verfügung. Wer sich im Laufe des Wochenendes zum Kauf entscheidet, dessen bisheriger...

  • von Azazel:

    Fallout 4, das legendäre, post-apokalyptische Abenteuer der Bethesda Game Studios und Gewinner von mehr als 200 Awards, ist ab sofort in VR für HTC VIVE verfügbar. Fallout 4 VR bietet als vollständiges Open-World Game eine bisher nie dagewesene Vielfalt von VR-Inhalten für Spieler und...

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