Wolfenstein II - The New Colossus im Test

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Wolfenstein. Ein großer Name, der seine Schatten voraus wirft. Nicht nur, dass dieser Name den First Person Shooter erst populär gemacht hatte, es war auch Wolfenstein – The New Order, das uns erst wieder zeigte, wie gut ein Einzelspielerspiel sein kann. Nun legt Machine Games mit Wolfenstein II – The New Colossus nach und da stellt sich uns die Frage, ob das Spiel auch wirklich so kolossal ist, wie uns der Titel verspricht.

Wolfenstein-II-01Dabei knüpft der Titel direkt an den Vorgänger an. Je nachdem, ob sich auf der Festplatte ein Spielstand von Wolfenstein - The New Order befindet, wird die Geschichte bereits von Anfang an in eine bestimmte Richtung gelenkt. Beginnt ihr von neuem, dann müsst ihr nach einer kurzen Zusammenfassung der Geschichte des Erstlings am Anfang wählen, welches Mitglied eurer Besatzung ihr opfern wollt. Deshalb sei euch dringend angeraten den Vorgänger gespielt zu haben, nicht nur, weil ihr bisher einen sehr guten Shooter verpasst habt.


William J. Blazkowicz ist dem Tod nur knapp entgangen und wurde in ein U-Boot gebracht, dass von einer Handvoll Freiheitskämpfer annektiert wurde. Dieses wird vom Regime nun angegriffen und Will muss von seinem Rollstuhl aus die Angreifer abwehren. Aufgrund seiner eingeschränkten Bewegungsfähigkeit ist es kein leichtes Unterfangen, deshalb erhält er nach kurzer Zeit einen Kampfanzug, mit dem er enorme Fähigkeiten erlangt. Nicht nur, dass er außerordentlich kräftig und schnell wird. Der Anzug verleiht ihm im weiteren Spielverlauf weitere Kräfte. Beispielsweise kann er mit einem Kraftschub mit vollem Körpereinsatz durch eine Wand donnern oder mit Pythongurten seine Feinde erledigen. Jedoch legt einem das Spiel nahe, seine Feinde unerkannt zu erledigen. Das liegt vor allem daran, weil in jeder Angreifergruppe mindestens einer oder zwei Kommandanten vorhanden sind, die Alarm schlagen, sobald sie den Rebellen erblicken.


Wolfenstein-II-05Die Areale sind meist auch sehr verwinkelt und man hat viele Möglichkeiten sich anzuschleichen. Sei es in geduckter Haltung oder durch Luftschächte, das Spiel gibt einem keinen genauen Weg vor, sondern nur das Ziel. Wie ihr dieses erreicht, bleibt euch selbst überlassen. Und selbst wenn jemand Alarm schlägt und eine Horde Regimesoldaten auf euch zustürmt, seid ihr auch nicht böse, denn die Kämpfe machen einfach Spaß und das begünstigt das Leveldesign umso mehr. Dafür sorgen auch die unterschiedlichen Waffen, die ihr im Lauf des Spiels aktiv oder passiv verbessern könnt. Vom gewöhnlichen Sturmgewehr und Maschinenpistole reicht das Arsenal bis hin zu einem Gewehr, das explosive Kanister verschießt, die per Tastendruck gezündet werden und einem Lasergewehr, das nicht nur Gegner, sondern auch Wände schmelzen kann. Die Standardwaffen können in klassischer Handhabung oder im Akimbo-Stil genutzt werden, also beidhändig. Zwar verliert man so die Möglichkeit das Visier zu nutzen, dafür mäht man sich sprichwörtlich durch sämtliche Feindfronten. Aktive Verbesserungen für Waffen findet man in Form von Modpacks, mit denen die Waffen in mehreren Kategorien optimiert werden können. Doch meist haben solche Mods auch anderweitig Veränderungen. Beispielsweise bekommt ihr durch einen Mod eine bessere Zieleinrichtung, dafür verliert die Waffe ihr Schnellfeuersystem. Passive Verbesserungen finden durch Aktionen im Spiel statt. Zum Beispiel erhaltet ihr nach 25 Kopfschüssen ein erweitertes Magazin. So belohnt euch Wolfenstein II – The New Colossus für eine gewisse Spielweise.


Doch was das Spiel so besonders macht, ist die Gestaltung der Spielwelt an sich. Zwar ist alles fiktiv und lehnt sich nur lose an die Vergangenheit an, doch hat man sich sehr viel Zeit genommen, den verschiedenen Akteuren ein Profil und einen Charakter zu geben. So ist es hin und wieder möglich zwischen den Levels seine Zeit auf der Hammerfaust, dem U-Boot und Basis der Rebellen, zu verbringen und dort mit dessen Einwohnern zu sprechen oder ihnen einfach nur bei den Unterhaltungen zuzuhören. Teilweise wurde ich selbst sogar an Fallout 3 erinnert, dass ich damals sehr genossen habe, da es so viel zu entdecken gibt. Ebenfalls Profil hat der Antagonist des Spiels in Form von Gudrun Engel, die ein Musterbeispiel für den Faschismus ist, wie ihn unser Land erlebt hat. Fest verankert in ihrer eigenen Ideologie und in gewissem Maße zusätzlich vom eigenen Wahnsinn geprägt, erleben wir sie zu Beginn als skrupellose Anführerin, der jedes Mittel recht ist. Das bekommt auch ihre Tochter zu spüren, die nicht dem Ideal der Mutter entspricht. Nur ein Beispiel von vielen, wie sich die Beziehungen zwischen den Personen sich abspielen und auch weiterentwickeln. Ihr werdet eine Geschichte von Einigkeit und auch von Verrat erleben, doch ich möchte nicht zu viel erzählen, denn diese Geschichte ist es wert, selbst erlebt zu werden.


Wolfenstein-II-09Technisch gesehen ist Wolfenstein II – The New Colossus dank ID Tech 6 Engine eine Wucht. Dank 4K Optik und HDR wirkt die Grafik noch imposanter und vor allem in den dynamischen Kämpfen sehr lebendig. Dies wird gefördert durch das butterweiche Scrolling. Dadurch, dass man sich selbst einen Weg durch die Welt bahnen kann, hat man auch sehr viel Wert auf das Leveldesign gelegt und das spürt man auch. Da fällt es mir auch nicht schwer auf einen Multiplayermodus zu verzichten, der wie schon beim Vorgänger nicht vorhanden ist. Dafür bekomme ich eine intensive Geschichte präsentiert, die einen langsam heranführt, aber dafür nicht so schnell wieder loslässt. Für mich eine der besten Stories, die ich in einem First Person Shooter miterleben durfte und wenn ihr sowas speziell sucht, dann ist Wolfenstein II – The New Colossus definitiv was für euch.

 

Michael meint:

Michael

Eigentlich habe ich das Fazit im Text bereits vorweggenommen. Wolfenstein II – The New Colossus ist wahrscheinlich mein Spiel des Jahres 2017. Das Spiel ist zwar im Grunde sehr linear, lässt euch aber viele Entscheidungsmöglichkeiten und manche beeinflussen sogar den Fortgang der Geschichte. Egal ob ihr euch während des Spiels für den brachialen oder den Weg des lautlosen Killers entscheidet, Spaß macht euer Ausflug in den alternativen zweiten Weltkrieg auf jeden Fall. Vor allem durch die durchdachten Charaktere mit Ecken und Kanten fühlt man sich in die Geschichte direkt hineingezogen und wird stets motiviert weiterzumachen und zu sehen, wie es weitergeht. Auch darüber hinaus lohnt sich ein Weiterspielen, da es viele sammelbare Objekte gibt wie Zeitungsausschnitte, die Geschehnisse aus der Zeit wiedergeben. Ein absoluter Pflichttitel für Shooterfans!

Positiv

  • aktives und passives Verbesserungssystem
  • tiefgründige Geschichte und Charaktere
  • Nebenaufgaben und vieles zu entdecken

Negativ

  • Kenntnisse vom Vorgänger empfehlenswert
Userwertung
9.4 4 Stimmen
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Forum
  • von bbstevieb:

    Hab gestern mal eine dieser Enigma/Überkommander Missionen gemacht. War ein bisschen enttäuscht dass man da nur bereits besuchte Levels nochmal spielen muss/darf. Allerdings scheint es wohl zusätzliche Secrets zu geben. Die Idee finde ich nett, hätte man auch mit ein bisschen mehr Liebe...

  • von fflicki:

    Ich muss auch gestehen das mich die Abwechslungsarmut etwas vom Spielen von Wolfenstein 2 abhält. Spoiler anzeigen U Boot, Luftschiff, U Boot New York, U Boot, // weiter bin ich jetzt auch noch nicht. Und wenn ich das hier so Lese, scheint es ja ähnlich...

  • von cd32:

    Muss sagen das Setting von Teil 1 hat mich mehr angesprochen.

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