Watch Dogs 2 im Test

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Seit GTA III sind Open World-Spiele in aller Munde und jede neue Episode von Rockstars Goldmarke wird wieder und wieder von einem weiteren Verkaufsrekord gebrochen. Dass andere Entwickler natürlich mit auf dem Zug springen möchten, um was von dem Kuchen abzubekommen, ist wirtschaftlich nachvollziehbar. Am Ende geht es den Firmen nur darum, Geld zu verdienen. So gehört es quasi zum guten Ton als ‚‚cooler‘‘ Publisher ein GTA-ähnliches Flagschiff im Katalog zu haben.

Watch_Dogs_2_6Ubisofts Antwort auf den immer noch boomenden Markt ist Watch Dogs, welches bei seinem Release für einige Aufmerksamkeit sorgte, da die damals gezeigten Hacking-Möglichkeiten viel Potential versprachen. Lassen wir den Skandal um den Downgrade der Grafik mal beiseite, war das erste Watch Dogs ein respektabler Open World-Titel, der aber erzähltechnisch nicht vollends überzeugte. Das lag in dem Fall nicht an der Erzählweise selbst, sondern an dem Hauptcharakter, der irgendwie nicht Fisch und auch nicht Fleisch war. Jetzt legt Ubisoft Montreal nach und möchte mit dem Nachfolger diesen Boden wieder wettmachen und vollführt dabei eine Bauchlandung, die punktgenauer nicht sein könnte. Wenn ich die Spielwelt und die Möglichkeiten, die mir die Entwickler geben, um darin einzutauchen, beiseite nehme und nur die Geschichte und dessen Hauptcharakter beurteilen sollte, würde Watch Dogs 2 ein ‚‚ungenügend‘‘ von mir erhalten.

Habt ihr das Abenteuer von Aiden Pearce selbst gespielt, ist die Hackergruppe Dedsec für euch kein Unbekannter mehr. Diese haben es sich zum Ziel gesetzt, dem Datennetz ctOS der Firma Blume den gar auszumachen. Zwar erscheint Dedsec immer nur am Rande, aber durch ihre kurzen Auftritte und ihre Drohungen, erscheinen sie als seriöse Hackerorganisation, von der man in der Zukunft etwas Großes erwarten würde. In Watch Dogs 2 seid ihr mit dem Afro-Amerikaner Marcus Holloway ein Teil von Dedsec die sich auf die Fahne geschrieben haben, der 2.0-Version von ctOS den Saft abzudrehen. Doch an Seriosität ist bei der Besetzung von Dedsec nicht zu denken, verkommt doch jede einzelne Person durch die extrem überladene Charakterzeichnung zu einer Witzfigur ihrer selbst und sorgt in meinem persönlichen Fall dafür, dass ich schnell die vier Hacker-Kiddies zu hassen begann. Und das machte es mir schwer mich in der Welt von Watch Dogs 2 wohl zu fühlen.

Watch_Dogs_2_5Während im Erstling Aiden Pearce den Konzern Blume mittels seines Rachemotivs in die Knie zwingen wollte, tut der Dedsec-Kinderkarten dies eigentlich nur um ihrer selbst willen. Obwohl sie sich auf die Fahne geschrieben haben, die Leute vor der Datenkrake zu bewahren, geht es den Protagonisten erst um die eigene Rehabilitierung. Hinzu kommt der Kick was Verrücktes getan zu haben und ganz viele Follower zu erhaschen. So ist es mehr als ironisch, wenn ihr stinknormale Bürger immer wieder durch Hacker-Aktionen abzockt, gleichwohl ihr diese doch schützen wollt. Und so ist Watch Dogs 2 für mich persönlich ein Wechselbad der Gefühle. Während ich bei den stumpfsinnigen Dialogen des Hacker-Kindergartens zu schreien anfangen möchte ist die eigentliche Spielwelt und die Möglichkeiten die mir gegeben werden überragend. Abseits der Hauptgeschichte gibt es so viel zu entdecken und zu tun, dass ich mich Stunden in dieser Welt verlieren könnte, würden die vier Unsympathen von Dedsec nicht alle paar Minuten ihre Klappe aufmachen. Bewegt ihr euch mit Marcus durch das schön anzusehende und fröhliche San Francisco, ploppt ständig eine neue Option auf, meine Zeit darin zu verschwenden. Ist es beim Shoppen nach Kleidung, Fahrmissionen, Operationen im Koop, und, und, und. Es gibt viel zu tun, und wenn ihr euch nur mal an eine Straßenecke stellt und hackt eure Umgebung, werdet ihr auf allerlei Dinge stoßen. Hier haben die Jungs von Ubisoft Montreal enorm viel Liebe zum Detail gezeigt.

Mit Aiden war es eine Freude sich mit wenigen Klicks durch das ctOS zu hacken und Watch Dogs 2 erweitert diesen Teil immens. So wirkt San Francisco wie eine persönliche Spielwiese, wo der Weg fast schon grenzenlos zu sein scheint. Werdet ihr zum Beispiel von der Polizei verfolgt, bekommt ihr beinahe gottgleiche Fähigkeiten in die Hand gedrückt, um die lästigen Gesetzeshüter los zu werden. Neben Manipulation von Ampeln und Gullideckeln habt ihr je nach Ausbau eures Fertigkeitsbaumes die Möglichkeit, die Autos zu kontrollieren. Und selbst Helikopter sind keine Gefahren für euch. Obwohl diese ganzen Gadgets äußerst cool und praktisch sind, wirken sie für meinen persönlichen Geschmack ein bisschen zu übermächtig.

Watch_Dogs_2_2Eine andere große Stärke ist die Art und Weise, wie man Problemsituationen in den Missionen angehen kann. Obgleich Schleichen und Hacken die einfachste Methode ist, habt ihr auch die Wahl um Situationen mit Gewalt zu bewältigen, wenn ihr das möchtet. Es muss ja nicht immer sofort ein Blutbad angerichtet werden. Mittels Elektroschocker lassen sich Feinde kurzzeitig ausschalten oder ihr nutzt die Hackermöglichkeiten, um zum Beispiel umliegende elektronische Geräte zu manipulieren. Als immer noch recht lustig stellt sich das Überladen der Batterien der Handys heraus. Fällt dies dem Halter rechtzeitig auf, ist es äußerst amüsant, wenn dieser versucht dem Problem zu entgehen. Hardwaretechnisch hat Ubisoft Montreal seinem Hauptcharakter neue Spielzeugein Form des Jumper und Quadrocopter in die Hand gedrückt, welche die Spielerfahrungen und somit auch das Missionsdesign bereichern. Diese kleinen Fahr- bzw. Fluggeräte lassen sich super dazu nutzen, um Bereiche zu erschließen, wo ihr mit eurem Protagonisten nicht rein kommt. Hierdurch habt ihr neben dem typischen Hacken von Kameras noch eine andere Möglichkeit, euch in geschlossenen Räumen frei zu bewegen.


Aber ein Garant um unerkannt zu agieren sind sie nicht. Sicherheitsbeamte erkennen recht schnell eure kleinen Gadgets und machen sie bei sofortigem Sichtkontakt bewegungsunfähig. Somit ist es schlau, wenn ihr mit den Geräten eher unentdeckt operiert. Abschließend muss ich den Onlinemodus loben, der fast nahtlos eingebunden wurde, wo ich denn Infiltrationsmodus, bei dem ein andere Spieler versucht mich zu hacken, als äußerst spannend empfinde. War dieser schon im Vorgänger vorhanden, hat dieses Katz- und Maus-Spiel immer noch seinen eigenen Reiz, ganz besonders ist es ein echter Nervenkitzel den Kontrahenten zu entlarven.

Dominic meint:

Dominic

Ich weiß nicht, was bei Ubisoft los ist. Entweder haben sie das Talent verloren, um glaubwürdige Charaktere zu kreieren oder sie wollen bewusst ihre Kunden mit den unsympathischsten Figuren der Videospielegeschichte foltern. Ist das Letztere ihr Ziel,  haben sie es mit Bravour bestanden. So ist mein Fazit kurz und schmerzlos. Tolle Spielwelt mit unzähligen Möglichkeiten und Herangehensweisen trifft auf unmotivierte Hauptgeschichte mit schlecht gezeichneten Persönlichkeiten!

Positiv

  • Tolle offene Spielwelt
  • Neue coole Gadgets
  • Viele

Negativ

  • Unsympatischer Hauptcharakter
  • Fähigkeiten teils zu mächtig
  • Schwache Storyline
Userwertung
8.3 9 Stimmen
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Forum
  • von Mistercinema:

    Trailer zum neuen PS4 DLC (ab heute) bzw. XBO + PC (23.02.): In „Menschliche Bedingungen“ übernimmt Biotech die Hauptbühne, während die Spieler drei handlungsgetriebene DedSec-Missionen in der lebhaften Stadt San Francisco ausführen. Darüber hinaus gilt es in den neuen...

  • von Mistercinema:

    Glaube immer noch, dass es eine gute Idee war, den Code nicht einzulösen. Denke ich spiele irgendwann eher noch mal Teil 1. Egal, wird sich sicher jemand auf der play2017 drüber freuen M.C....

  • von bbstevieb:

    10GB Patch der auch das Ende verändert: kotaku.com/a-new-patch-tweaked…g-and-fans-are-1792353688 watchdogs.ubisoft.com/watchdog…83-16&ct=tcm:174-76770-32...

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