Star Wars Battlefront II im Test

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Star Wars Battlefront II möchte aus den Fehlern des Vorgängers lernen. Der größte Kritikpunkt des Erstlings war das nicht vorhanden sein einer Einzelspielerkampagne aber auch der oberflächliche Mehrspielermodus kam nicht ungeschoren davon. Ist der Nachfolger besser?

battlefront_IIZuerst möchte ich mich auf die Singleplayerkampagne konzentrieren. Diese lässt euch in die Haut von Iden Versio steigen, einer fanatischen Eliteeinheit des Imperiums. Sie und ihr Inferno Squad sind gerade auf Endor, als der Todesstern vor ihren Augen in einer Megaexplosion verdampft. Nun rottet ihr Vater, ein hohes Tier des Imperiums, die ganze Flotte zusammen und möchte zum Gegenschlag ausholen. Dabei überschreitet dieser jede moralische Grenze. Das geht selbst Iden zu weit und sie wechselt kurzerhand die Seite. Die meiste Zeit steckt ihr in ihrer Haut und ballert euch durch ziemlich lineare Abschnitte. Auflockerungen bietet die Möglichkeit, Heldenfiguren aus der alten Trilogie zu steuern. Mit Prinzessin Lea müsst ihr zum Beispiel den Königspalast auf Naboo vor heranstürmenden Sturmtruppen schützen während ihr als Luke, gemeinsam mit einem Mitglied des Inferno Squads einen geheimen Bunker des Imperator aufsucht. Sind die Charakterwechsel in der Kampagne spieltechnisch interessant, leidet dabei die Bindung zur Hauptperson. Denn jedes Mal wenn man als Spieler Iden langsam näher kommt, schlüpft ihr in die Rolle einer anderen Figur. So bleibt unterm Strich die Charakterzeichnung der Hauptfigur blass.

Storytechnisch möchte die Geschichte von Battlefront II die Brücke zwischen Episode VI und VII schlagen. Ich kann euch nach fünf Stunden Spielzeit, so lange geht die Kampagne im normalen Schwierigkeitsgrad, sagen das dieser Spagat nicht mal ansatzweise gelingt. Dafür sind die Story, die Charakterzeichnung und die Erzählweise einfach zu oberflächlich und belanglos. Holt es das Missionsdesign wieder heraus? Nein. Die Missionen, egal ob zu Fuß oder in einem Fahrzeug, sind extrem banal. Feuerwechsel sind, dank der verblödeten K.I., unglaublich anspruchslos. Feinde stürmen lemmingartig vor euer Fadenkreuz. Das mündet abermals in lächerlichen Momenten, worunter die Glaubwürdigkeit leidet. Packende Schusswechsel sehen anders aus. Hin und wieder bieten die Entwickler die Möglichkeit, durch Abschnitte zu schleichen. Dies verkommt leider zu einer belanglosen Farce da euch alle Gegner, wie durch Geisterhand, jedes Mal den Rücken zuwenden so das ihr sie einfach erledigen könnt. Da wären zuguterletzt die Flugmissionen die zudem Anspruch vermissen lassen. So spielt sich am Ende alles wie die Kinderversion eines Actionspiels.

battlefront_II_4War die Storykampagne für mich sehr enttäuschend, hatte ich gehofft, dass die Entwickler wenigstens den Mehrspielermodus verbesserten. Doch dieser ist noch immer weit von einem optimalen Spielerlebnis entfernt. Inhaltstechnisch werden alle Trilogien abgedeckt. Neben der Vielzahl von Heldenfiguren und Klassen gibt es endlich Weltraumgefechte. Diese sind trotz mehrstufiger Missionen leider ein simples Deathmatch im luftleeren Raum. Dabei hat Pandemic Studios mit Battlefront II (2005) gezeigt, das es auch anders geht. Hier konnte man mit einem Jäger feindliche Sternenzerstörer entern! Ein Heidenspaß! In Dices Weltraumschlachten sucht man solche Szenen vergebens. Teamwork ist sowieso kaum ein Thema bzw. wird im Keim erstickt. Das Benutzen von Fluggeräten ist jetzt an die Spielwährung, die man im Match verdient, gekoppelt. Bekommt ihr viele virtuelle Credits dank verschiedener Aktionen spendiert, kauft ihr einfach ein Fahrzeug, das ihr bedauerlicherweise nur alleine steuert. Das funktioniert auch mit den Helden. Diese erspielt ihr auf dieselbe Weise. Während Spiele wie Battlefield ein Punktesystem besitzen um Kooperation zu belohnen ist dies bei Battlefront II nicht zu finden. Sowieso sind die vier Klassen nicht untereinander abgestimmt. Nach jedem Tod werdet ihr zudem willkürlich in irgendein Squad gesteckt. Eine Funktion gemeinsam mit Freunden in einem Team zu bleiben ist nicht vorhanden.

Das Aufleveln der Figuren geschieht über das Sternkarten-System des Vorgängers. Das virtuelle Geld, welches ihr verdient, könnt ihr für Lootboxen verprassen die entweder Upgrades freischalten oder neue Spezialfähigkeiten ermöglichen. Was ihr bekommt, ist bedauerlicherweise zufallsbasiert. Doppelte Sternenkarten werden zwar sofort zu Cash gemacht aber ein gezieltes Aufleveln der Klassen ist durch dieses Glücksspiel leider nicht möglich. So kann es passieren, dass ihr knapp 10 Stunden Zeit investiert habt, doch dank unpassender Zufallskarten kaum Upgrades besitzt und im Kampf nicht konkurrenzfähig bleibt. Das unfaire Pay2Win-Modell das Dice für Battlefront II ursprünglich geplant hat, ist zum Glück kurz vor dem Release abgeschaltet worden. Dies hätte nämlich gänzlich dafür gesorgt, dass das Balacing der Mehrspielerparteien komplett aus den Fugen gerät. Man kann nur hoffen das Dice das Pay2Winsystem dauerhaft deaktiviert läst.

Wenn Star Wars Battlefront II eins richtig macht, ist es die Authentizität. Von den Waffen, Figuren und Fahrzeugmodellen über die Locations fühlt sich alles nach Star Wars an. War der Erstling schon ein verdammt schönes Spiel, ist der Nachfolger noch glanzvoller. Die Grafik ist sowohl im Mehrspielermodus wie in der Einzelspielerkampagne eine Schönheit, die Soundeffekte wuchtig und der John Williams Soundtrack erneut das Fundament der dafür sorgt, dass Kinoatmosphäre aufkommt.
 

Dominic meint:

Dominic

Star Wars Battlefront II ist wie Star Wars Episode I bis III. Technisch eine Augenweide mit einer bombastischen Atmosphäre doch unter dieser Schale findet sich ein Einzelspielermodus, der storytechnisch schwach wirkt, spielerisch unglaublich anspruchslos ist und einen Mehrspielermodus besitzt, der das Teamplay im Keim erstickt. Für mich als eingefleischter Fan des Franchise und Onlineshooter ein Schlag ins Gesicht.

Positiv

  • Einzelspielermodus vorhanden
  • Sehr schöne Grafik

Negativ

  • Einzelspielermodus story- und spieltechnisch belanglos
  • Unausgegorener Mehrspielermodus
  • Weltraumschlachten ohne Tiefgang
Userwertung
6.7 1 Stimmen
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Forum
  • von walfisch:

    Da ist doch jetzt so der Fokus drauf das die MTs gar nicht mehr aktiviert werden können, ohne zu riskieren auch das nächste EA Game negativ zu beeinflussen. Bin auch sehr gespannt was da passieren wird.

  • von Undead:

    Ja und dann kommen die bezahlbaren Loot Boxen wieder rein und die Spätbeginner sollen dann abgefarmt werden. Wobei ich beim aktuellen Status eher damit rechne, das dies der Todesschuss für das Game wäre, sollte das Bezahlsystem nochmal reinkommen....

  • von walfisch:

    Nintendo hält seine Spiele meist sehr preisstabil und da wird dann im Umkehrschluss gejammert das es so wenige Schnäppchen gibt. Ich empfinde 2-3 Monate nach Release als ausreichend, um mir bei einer Preissenkung als Early Adopter nicht allzu blöd vorzukommen. Gerade bei einem MP Titel hat man...

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