Space Hulk Tactics im Test

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Viele Videospielentwickler versuchten es und sind bis jetzt auch daran gescheitert, wenn es darum geht, von dem Brettspiel Space Hulk eine gute Videospiel-Umsetzung zu entwickeln. Doch der Fluch ist gebrochen, denn Space Hulk Tactics ist der erhoffte Überflieger!

space2In meiner Kindheit bin ich durch die vielen Umzüge meiner Eltern mit sehr unterschiedlichen Menschen in Kontakt gekommen. Damals, also 1992, kam ich zum ersten Mal mit einem Brettspiel von Milton Bradley in Berührung, das den Namen Starquest trug. Die Aufgabe des Spielers war, es massige Marines in futuristischen Kampfanzügen durch ein Labyrinth aus Raumschiffteilen zu manövrieren, während die gegnerische Partei, die Genestealers, versuchten dies zu verhindern. Schon der Aufbau des Spiels verzauberte mich komplett. Die detaillierten Figuren, die Detailverliebtheit in Geschichte und Regelwerk zog mich sofort in seinen Bann. Damals wusste ich noch nicht das Starquest (im englischen Space Hulk) auf dem Warhammer 40.000-Universum beruht. Natürlich wollte ich das Brettspiel zu jener Zeit auch besitzen, aber da war es bereits vergriffen und heute ist es ein ziemlich teures Sammlerstück.  Da ist es billiger und bequemer zum Videospiel zu greifen, doch bis auf Space Crusade auf dem Amiga und Space Hulk: Vengeance of the Blood Agnels auf der Playstation sind die anderen Realisierungen bedauerlicherweise misslungen. Damit ist es jetzt vorbei denn Space Hulk Tactics ist eine fast perfekte Umsetzung des Brettspiels.

Auch in Space Hulk Tactics ist das namensgebende Gebilde bestehend aus Weltraumschrott und veralteten Raumschiffen auf Kollisionskurs mit einem Planeten des menschlichen Imperiums. Ein Trupp Space Marines soll an bestimmten Punkten Sprengladungen setzen, um das Unheil abzuwenden, und muss dabei den großen Weltraumklumpen betreten. Dieser ist natürlich vollgespickt mit Fallen und den Genestealern, einer biologischen Untergruppe der Tyraniden, die alle recht hungrig sind. Die Kampagne bietet die Möglichkeit, sowohl die Menschen als auch die Genestealer zu spielen. Beide Parteien unterscheiden sich grundlegend in ihrer Spielweise. Während die Alienwesen mehr Aktionspunkte besitzen und im Nahkampf perfekte Killermaschine darstellen, bewegen sich die Space Marines sehr behäbig, haben aber im Fernkampf die besseren Karten. Die Geschichte beider Fraktionen werden durch recht spannungsarme Gespräche gesponnen. Zwischensequenzen kommen spärlich zum Einsatz. Folgt ihr der Kampagne des Imperiums, bewegt ihr auf einer Übersichtskarte einen Cursor von Punkt A nach B.

space5Wiederholt erfolgt ein Hinterhalt der Genestealers, die in einem kleinen Kartenpool ausgetragen wird. Negativer Effekt dabei ist, das es oft passiert, dass ihr dieselbe Map mehrmals spielen müsst. Mit vorgeschriebenen Missionen wird die Storyline weiter gesponnen. Vor jedem Einsatz könnt ihr euer fünfköpfiges Team individuell zusammenstellen. Zudem lassen sich Bewaffnung und Spezialfähigkeiten selektieren. Eine Neuerung im Vergleich zum Brettspiel sind Spielkarten, die einzelne Einheiten Vorteile verschaffen können. Diese lassen sich auch in Aktionspunkte umtauschen. Das Missionsdesign der Space Marines ist für Fans des Spiels nichts Neues. Es gilt Bomben zu platzieren, eine gewisse Anzahl Feinde zu terminieren oder einem VIP Geleitschutz zu geben. Auf der Seite der Genestealers müsst ihr Schlüsselpersonen eleminieren oder bis zu einer bestimmten Rundanzahl mit einer festgelegten Anzahl an Figuren aushalten. Die taktisch sehr anspruchsvollen Scharmützel sind bis zum Ende eine nervenaufreibende Angelegenheit, was daran liegt, dass die künstliche Intelligenz recht fordernd aber manchmal auch unvorhersehbare Sache tut. Kritik findet sich nur im Overwatch-Modus. Wenn ihr die Space Marines bewegt, könnt ihr diese in einen Wachzustand versetzen, was bedeutet das Sie bei feindlichem Kontakt sofort feuern. Doch soweit kommt es äußerst selten, da die Computer-K.I. fast nie in den Sichtbereich einer Truppe kommt und somit verhaart die ganze Genestealer-Armee meist hinter einer Ecke und wartet, bis ich den Überwachungsmodus aufhebe.

Falls man dies weiß, kann man es zu seinem Vorteil nutzen. Trotzdem empfehle ich oft zu speichern. Ein anderer Kritikpunkt ist die Wartezeit, wenn der Computer am Zug ist. Hier hätte ich mir eine Vorspulfunktion gewünscht, um die ganze Sache zu beschleunigen. Die Space Marine-Kampagne beschäftigt einen ein gutes Stück. Wechselt ihr danach die Seite und steuert die Genestealers müsst ihr euch ein bisschen umstellen. Hier seit ihr nicht auf fünf Truppenteile limitiert, sondern habt gleich einen ganzen Schwarm unter eurer Kontrolle. Einheiten werden an Spawnpunkte generiert. Mit den Aliens müsst ihr auch eine andere Taktik fahren. Am besten greift ihr immer von der Flanke bzw. von hinten an. Bedauerlicherweise lassen sich die Genestealers nur marginal konfigurieren. Zudem ist deren Kampagne außerdem recht schnell durchgespielt. Die Steuerung mittels Gamepad ist für ein Game dieser Marke erstaunlich eingängig. Die Ego-Ansicht, die dank der Unreal Engine 4 nett anzusehen ist, ist mehr ein nice to have, als das Sie einen echten Nutzen besitzt. Theoretisch lässt sich das Spiel aus dieser Darstellung komplett durchspielen, doch für bessere Übersicht empfehle ich die Vogelperspektive.
 

Dominic meint:

Dominic

Space Hulk Tactics ist in meinen Augen eine (fast) perfekte Umsetzung der Brettspielvorlage mit ansehnlicher Grafik, sehr guter Atmosphäre, viel taktischem Anspruch und Liebe zum Detail. Als Fan der Vorlage kann ich damit getrost über dessen Mankos hinwegsehen, die bestimmt in ein paar Patches behoben werden können.

Positiv

  • Stimmige Atmosphäre
  • Fast perfekte Umsetzung des Brettspiels
  • 2 spielbare Fraktionen

Negativ

  • Zufallsbegegnungen oft mit gleichem Kartenpool
  • Zugs des Computers kann man nicht beschleunigen
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  • von Civilisation:

    Dominic, aka Fireball313, hat sich als Space Marine an Bord eines Space Hulks begeben um Space Hulk Tactic zu rezensieren. Space Hulk Tactics Viele Videospielentwickler versuchten es und sind bis jetzt auch daran gescheitert, wenn es darum geht, von dem Brettspiel Space Hulk eine...

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