Resident Evil 7: Biohazard

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21 Jahre nach der Geburt von Capcoms Horror-Serie erfindet sich Resident Evil zum zweiten Mal neu. Die Fans, die sich durch die letzte Neuerfindung in Teil 4 und die darauffolgenden actionlastigen Spiele abgewandt haben sollen zurückgewonnen werden, ohne dass Resident Evil 7 sich komplett auf die ersten Teile besinnt. Kann dies gelingen?

Resident_Evil_7_nexgam_08Weg mit den Supersoldaten Marke Chris Redfield, die im Laufe der Jahre tausende Zombies, Riesenspinnen und haushohe Supermonster bezwungen haben. Ein wichtiger Faktor für das Ziel, den Horror zurückzubringen. Denn wie soll sich ein Spieler in der Haut eines Helden fürchten, für den die Bekämpfung von Monstern inzwischen Alltag ist, und der sich der Bedrohung voll bewusst absichtlich ins Geschehen stürzt? Man muss der Gejagte sein statt der Jäger, um sich zu gruseln.


In die gleiche Kerbe schlägt, dass Resident Evil 7 kleiner ist. Ein überschaubares Gebiet wird erforscht. Kein gewaltiger Biowaffenangriff, der weltweit die Nachrichten bestimmt und an dem kaum Geheimnisvolles ist. Hier weiß niemand von der Situation, am wenigsten rechnet der unfreiwillige Held mit dem, was ihn erwartet.

Die Voraussetzungen für die Rückkehr des Horrors sind also gegeben. Aber worum geht es im Detail?

Resident_Evil_7_nexgam_05Man schlüpft in die Rolle von Ethan Winters. Der junge Mann ist auf dem Weg ins Hinterwäldlerkaff Dulvey in Louisiana. Der Grund: Vor drei Jahren verschwand seine Ehefrau Mia unter mysteriösen Umständen. Jetzt erhielt er eine Nachricht von ihr, dass er sie in besagten Ort im Süden der USA finden könne. So macht sich Ethan auf den Weg in die Sumpfregion und findet ein scheinbar verlassenes Haus vor. Völlig verwahrlost stellt sich die Ruine dar, und in der Tat trifft er bald Mia. Zu seiner Überraschung aber greift sie ihn an, in der einen Minute liebevoll und besorgt, in der Nächsten eine wilde Furie. Als ihm die Hand abgesägt wird und er am Esstisch mit der Familie Baker, und festgetackerter Extremität erwacht, ist ihm klar, dass hier etwas ganz und gar nicht stimmt. Zweifellos total irre muss er sich fortan der Familienmitglieder erwehren, die auch nach härtesten Attacken und Verletzungen kurz darauf wieder stehen. Und sie wollen Ethan nicht gehen lassen ... und wieso überhaupt kann er selbst nun abgetrennte Gliedmaßen mit ein bisschen Medizin voll funktionstüchtig anbringen? Egal was passiert, er muss Mia wiederfinden und entkommen. Und wenn die Bakers ihm im Weg sind führt der Weg durch sie hindurch.

Erstmals aus der Egoansicht schleicht und schießt man sich nun über das verfallene Anwesen. Erscheint die neue Perspektive zuerst als riesiger Unterschied zu allen anderen Resident-Evil-Teilen, so stellt sich bald heraus, wie eng man sich dennoch spielerisch am Erstling orientiert hat. Zwar begegnen einem diesmal statt der Zombies andere Monster namens »Molded«, welche man jedoch ebenfalls am besten durch Kopfschüsse erledigt. Allerdings ist die Atmosphäre im verlassenen Haus der des Herrenhauses aus dem 1996er Original sehr ähnlich. Nur dass das Baker Anwesen noch viel verfallener wirkt. Wie damals ist die Spielwelt nicht gefüllt mit Monsterwellen, die das Spiel in eine Schießbude für Leute verwandeln, die schnell am Abzug sind. Feindbegegnungen sind überschaubar und gezielt gesetzt. Gut so, denn auch die Munition ist nicht all zu üppig bemessen. Sie wird in der Regel ausreichen, wenn man nicht viel daneben schießt, aber Haushalten ist hier trotzdem angesagt, gerade bei den besseren Waffen. Nur ungern wird man den Feinden mit dem winzigen Taschenmesser entgegentreten.

Resident_Evil_7_nexgam_04Die Waffenauswahl ist ziemlicher Standard. Im Laufe des Spiels hat man Zugriff auf Messer, kleinkalibrige Handfeuerpistole, eine Magnum, eine Schrotflinte, einen Granatwerfer und einen selbst gebastelten Flammenwerfer. Einen Bosskampf darf man zudem mit der Kettensäge bestreiten.

Wie in klassischen REs versperren verschiedene Türen den Weg, für die der passende Schlüssel geborgen werden muss. Diese werden durch genaues Absuchen des Geländes und kleinere Rätsel gefunden.

Der Platz im Inventar ist begrenzt; Gott sei Dank gibt es ja die altbekannten Truhen, in denen momentan nicht benötigte Objekte verstaut werden können. Dabei sind diese auf magische Art und Weise miteinander verbunden und was in eine Truhe gelegt wird, darf aus einer Kiste am anderen Ende der Spielwelt herausgeholt werden. Selbst das von modernen Gamern, die ihre Bequemlichkeit schätzen verpönte Item Management wurde damit wieder eingeführt, was ich sehr gut finde.

Neu ist das Verstecken. Erinnerungen an die Begegnungen mit Nemesis aus dem dritten Spiel werden wach, wenn einem zufällig die Bakers über den Weg laufen. Diese sind schwer abzuschütteln und nur zeitweise auszuschalten. Bei Mutter Marguerite bietet sich ein Versteckspiel a la Alien Isolation an, bis man die Mittel hat, um sie zu vertreiben.  Viele moderne Horrorspiele basieren auf Hide and Seek, aber bei Resident Evil 7 ist es nur ein sparsam eingesetztes Element.

Am Ende wird dann auch der geschichtliche Bogen zu den Vorgängern offensichtlich. Dies ist kein Reboot, sondern Teil der fortlaufenden Story. Nur stützt es sich die meiste Zeit nicht darauf, und das ist sein großer Vorzug.

Resident_Evil_7_nexgam_03Grafisch ist das Abenteuer gut in Szene gesetzt. Aufgrund des Fokus auf Virtual Reality (Michael hat sich das Spiel mit PlayStation VR zu Gemüte geführt) sind konstante 60fps für die Entwickler das Hauptaugenmerk gewesen und werden zumindest auf der PS4 gehalten. Der Detailgrad ist trotzdem hoch und das ganze Spiel sehr stimmig. Trotz 1080p kommt der Look relativ weich daher, ein Ergebnis intensiven Post Processings. Bei den Szenen in der Vergangenheit werden zudem Filter genutzt, die das Geschehen nach alter VHS Aufnahme aussehen lassen. Tiefeneffekte werden auch intensiv eingesetzt. So erscheint bspw. die eigene Waffe generell verschwommen, weil die Augen des virtuellen Charakters naturgemäß auf den Raum fixiert sind und die Waffe nur peripher wahrgenommen wird. Das ist alles sehr gut gemacht. Nur die ein oder andere verwaschene Textur, und zu langsam nachladende HD Texturen beim näher kommen  können negativ ins Auge stechen.

Die Vertonung ist sehr gut. Die meiste Zeit erwarten einen nur Ambient-Geräusche, die Dialoge in deutscher Sprache sind allerdings hervorragend vertont.

Ladezeiten sind kaum vorhanden. Die gesamte Spielwelt wird gestreamed, nur wenn man ein Video einlegt und dadurch einen »Sprung« macht in eine andere Rolle und Gegend erwartet einen eine lange Ladezeit. Bei insgesamt 3 Videokassetten sind dies allerdings auch nur 6 Gelegenheiten im gut 10-stündigen Spiel.

Daniel meint:

Daniel

Als ausgesprochener Kritiker der Neuausrichtung der Reihe mit Teil 4 habe ich schon längst die Hoffnung für Resident Evil aufgegeben. Aber Capcom hat das Wunder vollbracht und präsentiert mit dem siebten Teil einen Titel, der alte Tugenden wiederbringt, ohne eine reine Kopie zu sein. Damit versöhnt der Traditionshersteller alte Fans wie mich, aber bietet ein für moderne Spieler attraktives Erlebnis. Spannend, spielerisch klassisch, schick und gruselig. Wer noch ein PlayStation VR Headset hat wird das es noch intensiver erleben, aber auch ohne setzt sich Resident Evil 7 locker an die Spitze des Horror Genres der aktuellen Generation.

Positiv

  • Klassisches Resident-Evil-Gameplay
  • Tolle Atmosphäre
  • Gute Grafik und Vertonung

Negativ

  • Hin und wieder verwaschene oder langsam ladende Texturen
  • Nur ungefähr 10 Stunden Spielzeit
  • Nichts für schwache Herzen
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9.8 6 Stimmen
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Forum
  • von Sakutoru:

    Ne nur das was du vor den Augen hast Aber wenn ich es mir recht überlege ja warum eigentlich nicht....

  • von CD-i:

    Die 90er sind überbewertet?

  • von Sakutoru:

    bbstevieb schrieb: Cooles Game. Habe mich tatsächlich schon ein paar mal richtig übel erschreckt. Habe ja schon mal die VR Variante gespielt und hätte nicht gedacht dass es auch ohne die Brille so intensiv ist. Beim Writing/Voice Acting...

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