Far Cry 5 im Test

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Vom Tropenparadies, über Afrika, bis hin zur Steinzeit deckt die Far Cry-Serie schon einiges ab. In Teil Fünf verschlägt es euch nun in den Nordwesten der USA und ihr müsst einen Sektenanführer aufs Kreuz legen.

far_cry_5_4Far Cry 5 fängt verheißungsvoll an. In einer Nacht- und Nebelaktion landet man als Hilfssheriff mit Gefolgschaft in Hope Country, um dem Anführer der Glaubensgemeinschaft Edens Gate festzunehmen. Der Grund der Festnahme ist glasklar. Über einen längeren Zeitraum hat diese Sekte, die glaubt, das bald das Ende der Welt bevorsteht, die malerischen Umgebungen terrorisiert. Anfangs lässt sich der sogenannte Vater Joseph Seed auch dingfest machen, aber die Situation eskaliert und ihr müsst fliehen. Natürlich wurden unsere Mannen gefangengenommen und jetzt gilt es, diese zu befreien. Doch leichter gesagt als getan. Zuerst muss man die drei Bereiche von Hope Country, die unter der Herrschaft der Geschwister von Joseph stehen, befreien. In vielen Punkten bleibt in Teil fünf alles beim Alten. Getreu dem Motto: »Never Change a Running System« gibt das neuste Far Cry trotz des neuen Setting ein bekanntes Bild. In der offenen Spielwelt dürfen wir unser Vorgehen selber bestimmen. Die drei großen Gebiete, die im Ganzen Hope Country repräsentieren, sind vollgepackt mit Möglichkeiten. Für Forscher ein Paradies auf Erden. Apropos: Die Dunia-Engine zeigt, wie schön Open World sein kann. Egal ob ihr euch im Flachland, in den Gebirgen oder in den dichten Wäldern bewegt, alles wirkt wunderbar malerisch und authentisch. So sollte jeder Urlaub aussehen.

Doch Urlaubsstimmung kommt nicht wirklich auf, da es an jeder Ecke etwas zu tun gibt. Mal gilt es Geiseln zu befreien, Collectibles zu erhaschen, Gegenstände von Punkt A nach Punkt B zu bringen oder sich einfach seiner Haut zu erwehren. Um die Geschichte weiter voranzutreiben, sprecht ihr relevante Personen an und erledigt deren Aufträge. Diese und andere Aktivitäten sorgen dafür, dass der Einflussbereich eurer Taten zunimmt, die auf einem Balken repräsentiert werden. Ab einem bestimmten Stadium ist es möglich, einen der Endkämpfe gegen die Geschwister zu bestreiten. Wenn dieser gewonnen ist, gilt der Bereich des Besiegten als gesichert und ihr könnt euch dem nächstem zuwenden, wo sich alles wiederholt. Innovativ ist das alles schon längst nicht mehr und wirkt leider durch die guten Vorgänger auch extrem verbraucht. Wenn es eine wirkliche Neuerung in Far Cry 5 im bekannten Spieldesign gibt, ist es das Anwerben von Teamkollegen. Diese lassen sich überall finden. Und mit bis zu zwei dieser Kameraden kann man gemeinsam die Missionen angehen oder man tauscht sie gegen echte Kumpel aus der Freundesliste aus. Dazu kommt dann eine taktische Komponente. Jeder Freiheitskämpfer hat seine eigenen Vorzüge und Waffenausrichtungen. Bei Eroberungen von Stützpunkten könnt ihr zum Beispiel auf einer erhöhten Position den Commander mimen und die K.I.-Kollegen mit Kommandos herumscheuchen.

far_cry_5_3Dann zeigt aber leider auch das Spiel einer seine größten Schwächen: Die künstliche K.I. Sowohl Freund als Feind zeigen sich entweder extrem dümmlich oder äußerst schlau und das führt immer zu chaotischen Situationen. Chaos ist sowieso ein Wort, welches ihr für Far Cry 5 häufiger gebrauchen könnt, denn in Sachen wie Interaktion mit der Umwelt haben die Entwickler in der jetzigen Version zu viel des Guten versucht. Solltet ihr euch auf öffentlicher Straße bewegen, wundert euch nicht, wenn ihr alle paar Sekunden angegriffen werdet. Oft kann man den Feind gar nicht ausmachen und man wird sehr oft entweder über den Haufen gefahren, gesnipert oder von einem Wildtier attackiert. So sind mir allerhand skurrile Momente passiert, die ich in keinem Open World-Setting bis dato gesehen habe. Mit zwei Rebellen befreite ich eine Tankstelle von Sektenanhängern während mich unerwartet ein Bison, ein Puma und ein Truthahn von hinten angriffen, nachdem sie meine Teamkollegen niedergestreckten. Das alles geschah natürlich während wir von Sektenmitglieder umzingelt waren. Als ich am Boden lag, hat sich der Puma dann überlegt den Truthahn den Gar auszumachen, während das Bison, welches unter Beschuss von Edens Gate stand, seelenruhig davon trabte. Bei solchen Szenen musste ich immer wieder den Kopf schütteln.

Eine andere Neuerung von Far Cry 5, die ich fast vergessen hatte, ist, dass wir uns zu Beginn des Spiels selber einen Charakter erschaffen und diesen weiter mit Kleidung und Waffenskins personalisieren können. Die Waffenauswahl und die Konfigurationen mittels Schalldämpfer, Visieren usw. sind herausragend. Zudem ist der Fuhrpark mit Trucks, Helikoptern und Booten auch ansprechend, nur das Handling mit den Flugzeugen hat mir nicht so recht gefallen. Erfahrungspunkte bekommt man innerhalb der Kampagne, wenn man Magazine sammelt, die meist in unterirdischen Bunkern zu finden sind. 50 Perks lassen sich freischalten, die zum Beispiel das Schleichen erleichtern oder ihr mehr Munition aufnehmen könnt. Beim Durchspielen von Far Cry 5 habe ich mir viel Zeit gelassen, da ich alles sehen wollte und so brauchte ich knapp 31 Stunden bis die finalen Credits liefen.

far_cry_5_1Unterm Strich bin ich von der Geschichte enttäuscht. Ubisoft hat es leider nicht geschafft, trotz Sektenthematik ein Gefühl der Bedrohung aufzubauen. Zwar sah ich in Hope Country viele verstörende Szenen von brutaler Gewalt, wenn zum Beispiel Leute einfach gekreuzigt werden oder sich einer Zwangstaufe unterziehen lassen mussten, am Ende blieben diese nur als kleine Aufdringlichkeiten in Erinnerung. Das hat auch damit zu tun, das Joseph Seed und seine Familie als ziemlich blasse Charaktere daherkommen. Enttäuschend sind zudem die Endkämpfe, die eigentlich einen Höhepunkt darstellen sollen. Doch Pustekuchen und so dümpelt das ganze Spielerlebnis auf einem gleichbleibend Niveau, das zwar Spaß macht, wo man jedoch jederzeit den Wunsch verspürt, etwas Adrenalingeladenes zu erleben. Das Far Cry 5 am Ende eine lange Zeit überdauern wird, liegt am mitgelieferten Map-Editor. Dieser steckt zusammen mit dem Mehrspielerteil im Arcademodus. Von dort aus habt ihr Zugriff auf Content von Far Cry 5, Far Cry 4, Far Cry Primal, Watch Dogs und zwei Assassins Creed-Spielen und könnt eigene Mehrspielerkarten zusammenschustern. Modder wird es freuen.
 

Dominic meint:

Dominic

Mir war schon bei der Ankündigung von Far Cry 5 klar, das Ubisoft es nicht schaffen würde, die bewährte Formel ihrer Triple A-Titel zu revolutionieren. Und ich hatte recht. So bietet der Ego-Shooter spielerisch eine große Spielwiese, mit vielen unterschiedlichen Aktivitäten gepaart, vor einer malerischen Kulisse und das war es dann auch. Wart ihr mit den Vorgängern schon zufrieden, macht ihr bei diesem Kauf nichts falsch.

Positiv

  • Malerische Kulisse
  • Offene Spielwelt mit vielen Möglichkeiten
  • Umfangsreicher Leveleditor

Negativ

  • Chaotische Spielwelt
  • K.I. unausgegoren
  • Bekannte Ubisoft-Formel
Userwertung
8.0 1 Stimmen
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Forum
  • von Phill XVII:

    Den Season Pass hab ich hauptsächlich wegen Far Cry 3 gekauft und mit 13 Euro war er eh nicht teuer. ...

  • von bbstevieb:

    Habe mit dem Dead Living Zombies DLC angefangen und der ist nach dem imo mega langweiligen Mars DLC gar nicht mal sooo übel. Ist in 7 relativ kurze (ca. 20-30 Minuten) "Episoden" aufgeteilt die man aber auch komplett neu anfangen muss wenn man verreckt. Habe nach zwei abgeschlossenen...

  • von bbstevieb:

    Dead Living Zombies DLC offenbar schon verfügbar (Xbox Gold Edition oder Season Pass): windowscentral.com/far-cry-5-d…s-launches-early-xbox-one Sollte eigentlich erst am 28.08. kommen. Patch gibts auch nen neuen: forums.ubi.com/showthread.php/…Title-Update-9-August-9th...

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