Beast Quest im Test

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Hört man den Begriff „Lizenspiel“, kommen einem unweigerlich die unzähligen, miesen Vertreter der Filmversoftungen in den Sinn. Doch bereits in den frühen 80`ern gab es Spiele, die auf einer Buchvorlage basieren. Tolkiens „Herr der Ringe“ ist wohl eines der prominentesten Beispiele. In der heutigen Zeit, scheint man einige Lizenz recht günstig erstehen zu können. Stolze 98 (!) Bücher umfasst die Reihe mittlerweile. Ein darauf basierendes Spiel wurde nun TORUS GAMES entwickelt und erscheint über MAXIMUM GAMES. Beides keine bekannten Namen.

Beast_Quest_Nexgam_1Zumindest mit Filmlizenzen kennt man sich bei TORUS aus. Unter anderem gingen in der Vergangenheit Games zu allerlei CGI Streifen (Madagascar, Legende der Wächter, Turbo und zig weitere) auf deren Kappe. Ob das nun für oder gegen sie spricht, muss jeder für sich selbst erscheinen.

Nach einem, dank mieser Standbilder eher peinlichen Intro, startet das Spiel. Hier übernehmt ihr die Rolle von Tom. Seit frühester Kindheit wäre er gerne ein Ritter. Da kommt der olle Zauberer im Wald gerade recht. Eben noch mit Holzschwert und Schild beim Kampf gegen imaginäre Bösewichte, schon erhalten wir echte Waffen und sollen es mit Allerei bösen Kreaturen aufnehmen. Schließlich hat ein anderer Halunke die Titelgebenden „Beasts“ verzaubert. Statt die Welt zu beschützen, schicken sie sich nun an eben jene ins Chaos zu stürzen. Ein selbsternannter Held mit, wie uns der Magier erläutert, berühmtem aber leider verschwundenem Vater lässt sich nicht zweimal bitten. Ohne Kampferfahrung oder andere besondere Fähigkeiten, aber mit dem Herz am rechten Fleck, machen wir uns auf zur Weltenrettung.

Beast_Quest_Nexgam_2Ein kurzes Tutorial erläutert uns die wichtigsten Dinge. Schon werden wir auf die „Open World“ losgelassen. Laufen, springen und erforschen. Alles erfolgt in Third-Person Perspektive und in Echtzeit. Nach geraumer Zeit stehen wir in unserem Heimatdorf. Genretypisch halten sich hier viele Bewohner auf, laden zu einem Schwätzchen ein, wollen ihren Plunder verkaufen oder erteilen euch Quests. Schon bald ist das Questlog gut mit allerlei Aufgaben gefüllt. Ganz zu schweigen vom alles überragenden Ziel, die Beasts zu befreien. Bis zu diesem Zeitpunkt könnte man der Meinung sein, ein Action-Adventure ala Zelda vor sich zu haben. Der Eindruck hält so lange an, bis ihr auf die ersten Feinde trefft. Diese sind bereits aus der Ferne deutlich zu erkennen. Zudem werden sie auf der eingeblendeten Karte angezeigt.

Wer nun erwartet freudig mit dem Schwert auf Monster & Co. eindreschen zu können, der irrt. Kommt ihr den Gegnern zu nahe, schaltet das Spiel in den Kampfmodus um. Zwar schaut ihr auch hier unserem Helden über die Schulter, ihr könnt euch aber nicht frei bewegen. Zwei Angriffe, leicht und schwer, stehen euch zur Verfügung. So beharkt ihr die Widersacher einzeln. Egal ob ihr auf einen Single Feind oder eine Gruppe trefft. Angegriffen wird immer der Kerl in der Mitte. Beide Attacken könnt ihr jedoch aufladen. Einfach die Taste gedrückt halten, schon fängt euer Schwert zu blitzen an. Lasst ihr die Taste wieder los erfolgt ein Angriff der alle Gegner trifft. Erwischt euch zwischenzeitlich der Feind nehmt ihr nicht nur schaden, die Superattacke wird dazu noch ausgebremst. Gut, das die Kontrahenten ihre Offensiven vorher ankündigen. Zudem erkennt könnt ihr auch erkennen, wo die Attacke erfolgen wird (mitte, links oder rechts). Wer genau aufpasst, kann also rechtzeitig ausweichen oder mit dem Schuld blocken.

Mit fortschreitendem Spiel, erlernt ihr Spezialattacken. Feuer, Wasser oder Windangriff stehen ebenso auf dem Plan wie eine magische Schwächung der Verteidigung der Gegner oder eine Beschleunigung eurer Angriffsgeschwindigkeit. Wer es passiver haben möchte, investiert die, im Kampf verdienten, AP Punkte in höhere Lebensenergie oder Stärke.

Beast_Quest_Nexgam_4Ansonsten könnt ihr nicht viel mit eurem Charakter machen. Die ohnehin extrem spärlich zu findenden Rüstungen sind lediglich optischer Natur. Eine Auswirkung auf eure Fähigkeiten haben sie nicht. Gold, welches ihr zum einen in Kämpfen verdient, zum anderen in Schatztruhen findet, investiert ihr in Heiltränke oder in einen größeren Beutel, damit ihr mehr Elixiere tragen könnt. Ein Amulett steigert den einen oder anderen Wert. Doch mehr als dieses eine kleine Schmuckstück könnt ihr im gesamten Spielverlauf nicht anlegen.
 
Schon früh im Spiel trefft ihr auf ein Mädchen nebst Wolf. Habt ihr ihnen aus der Bredouille geholfen, begleiten sie euch für den Rest des Abenteuers. Ebenso verhält es sich mit den Beasts. Sind sie vom Fluch befreit, stehen auch sie euch fortan bei. Das klingt besser als es ist. In der Praxis bedeutet das Geleit geben nichts anderes, als das sie euch im Kampf als mächtige Spezialattacke zur Verfügung stehen. Jedoch müsst ihr den „Powerbalken“ erstmal aufladen….und dafür müsst ihr kämpfen, kämpfen und nochmals kämpfen. Da das meist recht lange dauert, solltet ihr euch die Attacken für ausweglose Situation oder die Bosskämpfe aufsparen.

Beast_Quest_Nexgam_5Mittlerweile sollte auch der unerfahrenste Spieler bemerkt habe: BEAST QUEST ist kein Action-Adventure. Tom kein Link. Stattdessen handelt es sich um einen Adventure/RPG Hybriden. Bei genauerem Hinsehen stellt man fest: in der Lightversion. So präsentiert sich die, recht große, Spielwelt im Kern als „Open World“. In der Praxis besteht sie aber komplett aus aneinanderhängenden Schläuchen. In Kombination mit der eingeblendeten Karte ist ein Verlaufen nahezu unmöglich. Wer sein Questziel dennoch nicht findet, der legt per Tastendruck eine leuchtende Fährte. Fable lässt grüßen. Apropos Karte: auf dieser ist wirklich alles eingezeichnet. Gegner, NPCs, Questgeber ebenso wie Schatztruhen und die dazugehörigen Schlüssel. Wer einen ausgeprägten Forscherdrang hat, der wird bitter enttäuscht. Es gibt schlicht keine Überraschungen.

Beast_Quest_Nexgam_6Andererseits könnte die technische Seite für den ein oder anderen eine Verwunderung darstellen. Trotz „schlauchaufbau“ und damit einhergehender, stark eingeschränkter Sicht sowie wenig Leben auf dem Schirm, ist die Grafik mau. Die Texturen sind teilweise extrem billig. Innerhalb der verschiedenen Bereiche des Spiels (z.B. Wald-, Eis- oder Lavaumgebung) präsentiert sich alles wie ein kleiner, bescheidener Baukasten. Die Texturen sind immer die gleiche. Wände, Bäume, Gebäude und sogar NPCs und Gegner scheinen einer Klonmaschine entsprungen. Abwechslung und Vielfalt schauen anders aus. Klippingfehler finden sich in Massen. Während des Tutorials, watschelt ihr schon mal begeistert durch ganze Bäume. Im weiteren Verlauf kann es durchaus vorkommen, das ihr einen kompletten Bosskampf in der Luft hängend bestreiten müsst. Der gesamte Boden verschwindet im Nichts. Gebäude sind grundsätzlich nur Deko. Betreten könnt ihr diese nicht. Die, an sich gut gefüllten Dörfer sind Blender. Die eine oder andere Figur läuft zwar von A nach B. Einer wirklichen Tätigkeit geht man jedoch nicht nach. Tag und Nachtwechsel gibt es ebenso wenig.

Um es kurz zusammen zu fassen: all das, was spätestens seit der Generation PS360 ein gutes RPG oder Action-Adventure ausmacht, fehlt hier komplett oder wurde auf das absolut notwenigste eingedampft. Immerhin ist die Sprachausgabe brauchbar. Die Musik plätschert vor sich hin. Zumindest bleibt sie so angenehm unauffällig. Anders die Ladezeiten. Obwohl das Spiel komplett auf der Festplatte der Xbox One zu finden ist und sich die technische Seite präsentiert, wie sie nun mal ist, dauert das Laden des Spiels bzw. der einzelnen Abschnitte verhältnismäßig lang.

Alexander meint:

Alexander

Nach dem Lesen des Tests könnte man meinen, Beast Quest wäre eine völlige Katastrophe. Dem ist aber nicht so. Das Spiel ist weit davon entfernt, gut zu sein. Dennoch zieht es mich immer wieder in seinen Bann. Einen gewissen Charme kann man ihm nicht absprechen und irgendwie hat man doch immer das Gefühl, es hätte richtig gut werden können. Sofern man denn gewollt hätte. Als Einstieg für die kleinen, bestenfalls von den Büchern begeisterten Zocker ins RPG/Adventure Genre, ist es trotz alledem zu empfehlen. Im Grunde hat man hier das 2018 Pendant zum Oldie SNES Final Fantasy Mystic Quest Legend vor Augen.

Positiv

  • Unkompliziert und leicht zu erlernen
  • für alle Altersgruppen geeignet
  • Gut für den Gelegenheitsspieler

Negativ

  • Technisch sehr schwach
  • kaum Herausforderungen
  • nichts zu entdecken
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Forum
  • von Mistercinema:

    Maximum Games und die unabhängige internationale Mediengruppe und Rechteinhaber Coolabi Group haben Beast Quest veröffentlicht – das neue Action-Adventure-Spiel, das auf der gleichnamigen Bestseller-Buchreihe von Adam Blade basiert. Das Spiel ist in Nordamerika ab heute im Einzelhandel und...

  • von Mistercinema:

    ist ab heute erhältlich. Krass, dass wir da noch keinen Thread haben, wo die Buchreihe doch ziemlich bekannt ist. Frische Indie Kost für Fantasy Fans - hier der Launch Trailer: M.C....

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