FIFA 21 - Das Ende der Konsolengeneration

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Wenn man es an Spielen merkt, dass die neue Konsolengeneration ansteht, dann an den Sportspielen. Noch nie in den letzten Jahren waren sogar auf dem Papier so wenig Neuerungen in einem FIFA enthalten. Deshalb vorerst: Ja, FIFA 21 fühlt sich wieder etwas anders an und Fans können sowieso nicht auf das Upgrade verzichten, wer jedoch schon FIFA 20 besitzt und Gelegenheitsspieler ist, der braucht hier nicht unbedingt zugreifen, mit einer kleinen Ausnahme, zu der wir später kommen.
 

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Fangen wir doch einfach mal da an, wo Fußball am wichtigsten ist und wo sich für die Meisten gefühlt am wenigsten geändert hat: auf dem Platz. Ja, wenn man FIFA 20 und 21 stupide nebeneinanderlegt, wird der Laie keinen Unterschied festmachen können. Allerdings schraubt EA schon seit Jahren an den Feinheiten, was den Realismus und die Animationen beispielsweise angeht. So kann ich sagen, fühlt es sich schon wieder sehr anders an, wenn man den Controller das erste mal in die Hand nimmt. Klar, FIFA bleibt FIFA und der Fußball wird sich so schnell auch nicht mehr verändern, doch das Spielgefühl beim Dribbling, den Pässen und Schüssen fühlt sich auch in diesem Jahr wieder einen Hauch anders an. Die Entwickler haben das Tempo noch einmal ein Stück heruntergeschraubt, neue Animationen eingebaut und die KI leicht überarbeitet. So sind die Laufwege der Mitspieler einen Ticken besser. Auch das Kollisionssystem hat man etwas überarbeitet, um die seltsamen Zusammenstöße der Physik weiter zu reduzieren. Ob das wirklich geholfen hat, werden wir wieder an allerhand Fail-Videos auf Youtube sehen. Alles in allem tut das dem Spielgefühl gut, es sind aber eben auf den ersten Blick kaum wahrnehmbare Verbesserungen.
 
Da hilft es auch nicht, dass EA dieses Jahr wieder mit Begriffen um sich wirft wie dem „neuen agilen Dribblings“ oder den „kreativen Läufen“. Bei Ersterem sollen 1-GG-1 Duelle wieder spannender werden und tatsächlich sind diese Dribblings sehr stark gegen die Verteidigung, vielleicht sogar zu stark. Ob das zur Balance beiträgt, muss man jedoch sehen, denn durch diese neuen Dribblings wird das Verteidigen schwieriger, denn der passende Zeitpunkt zum Attackieren kann nun geschickt mit einem Druck auf „R1“ oder „RB“ gekontert werden. Die so genannten kreativen Läufe bringen ebenfalls eine neue taktische Komponente mit ins Spiel, welche jedoch wohl erst im eSport wirklich relevanz bekommen. Damit lassen sich nun endlich die Laufwege der Spieler bestimmen, wenn man sie per Druck in den Raum schicken möchte.
 
Leider fehlt dem Spiel jegliche Art der Erklärung für diese neuen Möglichkeiten, sodass Spieler selbst experimentieren müssen, um diese neuen Manöver auszuprobieren. Hier hätte ich mir etwas mehr Feedback gewünscht, wie etwa eine Art Laufanzeige, wie wir sie in den Trailern zu Gesicht bekommen haben. Außerdem muss man dazu sagen, dass die neuen Läufe gegen Computergegner nicht viel Mehrwert bringen, da hier die alten Steilpässe durchaus ausreichen, um die gegnerische Verteidigung auszuhebeln. 
 
Atmosphärisch hat sich ebenfalls nur eine kleine Neuerung ergeben. Esther Sedlaczek reiht sich als erste weibliche deutsche Kommentatorin zu dem altbekannten Gespann ein. Allerdings darf sie nur Zwischenergebnisse im Laufe des Spiels verkünden. Das kann gerade im Karrieremodus sogar recht interessant sein, leider wiederholen sich die Sätze bei der guten Frau noch schneller als bei ihren männlichen Kollegen. Hier würde ich mir vielleicht noch etwas mehr wie eine Art moderierte Spielzusammenfassung wünschen. Dabei könnte man Esther noch besser einbringen. Des Weiteren fehlt mir in den toll dargestellten Stadien immer noch die passende Tormusik. Das würde dem Spiel noch mehr Authentizität verleihen. 
 

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Ansonsten hat sich auf dem Platz recht wenig verändert, dafür hat EA aber an den altbekannten Spielmodi etwas getan, was zumindest Einzelspieler wie mich wirklich freut. Wie anfangs gesagt, gibt es einen guten Grund für so manchen Spieler, auf das neue FIFA zu wechseln. Und damit meine ich nicht die Ultimate Team Spieler, die sowieso jedes Jahr aufs Neue der Suchtspirale verfallen wollen, sondern ich rede vom Karrieremodus, der viel zu lange schon immer hinten anstehen musste. Erst gab es „The Journey“, dann kam „Volta“ letztes Jahr und dieses Jahr hat man endlich ein klein wenig mehr Liebe in den Karrieremodus gesteckt.
 
Dort kann man nun viel gezielter Spieler entwickeln und sie sogar um spezialisieren auf andere Positionen. Für jeden einzelnen Spieler in seinem Kader kann man so einen individuellen Entwicklungsplan erstellen. Möchte ich einen jungen Spieler beispielsweise ausgeglichen entwickeln oder investiere ich lieber die Zeit, in gezielt in der Offensive zu schulen? Hier bieten sich nun viel mehr und auch realistischere Möglichkeiten, als das Trainieren von maximal fünf Spielern pro Woche. Denn auch den Trainingsplan kann ich nun selbst festlegen. Wie viele Einheiten sollen pro Woche trainiert werden? Wie oft und wie viel Erholung gönne ich den Spielern nach einem wichtigen Spiel oder gar einer englischen Woche? All das kann man nun managen. Und auch das Training selbst bringt mehr Würze ins Spiel. Es können nun gezielt zu jedem Training bis zu drei Einheiten trainiert werden, die unterschiedliche Spieler ansprechen. Durch das erfolgreiche Ausführen erhalten die Spieler mehr Bissigkeit, welches in den darauffolgenden Spielen zu mehr Motivation und damit einem „Status Boost“ einhergeht. So kann man durch gezieltes und gutes Training auch mit einer mittelmäßigen Truppe gegen starke Gegner durch Willen und Bissigkeit das Ruder noch herumreißen.
 
Eine längst überfällige Änderung und für mich „das Highlight im neuen FIFA“, da ich immer recht viel und gerne Zeit im Karrieremodus verbringe. Ebenfalls neu ist hier der neue Simulationsmodus. Wie aus so manchem Manager Spiel bekannt, verfolge ich hier simulierte Punkte auf einem Minispielfeld und kann so jederzeit taktische Anweisungen an mein Team geben. Sollte es doch einmal zu Bunt werden, so kann ich per Knopfdruck jederzeit eingreifen und an der Stelle im Spiel selbst für die Wende sorgen. Wirklich gelungen und besser als die schnelle Simulation, bei der man sofort mit dem Endergebnis und eventuellen Verletzungen beziehungsweise roten Karten konfrontiert wurde. Natürlich ist diese Simulation nicht im Geringsten in dem Detail wie ein richtiger Manager Spiel, es bietet aber genug Möglichkeiten abseits des eigentlichen Gameplays.
 

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Zu den anderen Modi gibt es nicht viel zu sagen. Ultimate Team ist immer noch Ultimate Team und von einer Glücksspiel Mechanik umschlossen. Wer es mag, der hat es, ich werde in diesem Leben wohl kein Fan mehr mit diesem Modus. Im Volta Modus gibt es ebenfalls wieder eine kleine Story, die aber weniger spektakulär inszeniert ausfällt als letztes Jahr und mehr einem Tutorial zum Modus ähnelt. Ganz nett und als Alternative zum seit FIFA 98 nicht mehr verwendeten Hallenmodus ein schönes Sahnehäubchen. Online Saisons gibt es natürlich auch wieder, sowie die Pro Clubs. An Umfang hat es FIFA bekanntlich ja noch nie gemangelt. Egal ob Hardcore Online Spieler oder Casual Singelplayer, mit FIFA findet jeder seinen Spielspaß, das bleibt auch dieses Jahr wieder so. 
 
Trotzdem merkt man der Serie und auch der Engine so langsam an, dass sie wohl das Ende ihres Zyklus erreicht hat. Da es dieses Jahr zu den neuen Konsolen nur verschönerte Lichteffekte und die eine oder andere hübschere Textur geben wird, hoffen wir doch einfach, dass wir uns auf nächstes Jahr freuen können und EA uns mit einem waschechten Next-Gen FIFA die Kinnlade herunterfallen lässt. Ich kann es am Ende nur noch einmal betonen. Wer FIFA 20 besitzt und kein wirklicher FAN der ganzen Reihe ist, der braucht nicht unbedingt auf FIFA 21 zu springen und kann das nächste FIFA abwarten. Ist der neuste Teil trotzdem der beste Teil der Reihe? Ja, denn die FIFA 20 Mechaniken wurden etwas verbessert und mit den neuen Features im Karrieremodus konnte EA zumindest bei mir als Singleplayer endlich mal wieder punkten.
 
 
 
Forum
  • von Mistercinema:

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  • von Mistercinema:

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  • von Mistercinema:

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