Assassins Creed III im Test

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Laut diversen Untergangspropheten wird die Welt am 21.12.2012 untergehen. Was genau passieren wird? Assassin’s Creed-Spieler wissen natürlich, dass dann eine Sonneneruption fast das gesamte Leben auf der Erde auslöschen wird. Und selbstverständlich liegt es in ihren Händen, diese Katastrophe zu verhindern.

Assassin_s_Creed_III_10Die Assassin’s Creed-Reihe steht buchstäblich exemplarisch für die Entwicklung, die die Spieleindustrie in den letzten Jahren durchmachte. Nach Teil II wurde verkündigt, dass die Nachfolger ab sofort jährlich erscheinen würden. Und so erschienen 2010 Brotherhood und 2011 Revelations. Es wurde viel Geld investiert, bei immer – relativ gesehen - schlechter werdender Qualität. Und jedes Game verkaufte sich trotzdem wie geschnitten Brot.

Und jetzt kommt Assassin’s Creed III heraus. Das Spiel, auf das storymäßig hingearbeitet wurde. Es befand sich drei Jahre in der Entwicklung und insgesamt acht verschiedene Entwicklungsstudios waren bei der Entstehung beteiligt. Von den Kosten ganz zu schweigen. Da stellt sich natürlich die Frage, ob sich dieser Aufwand überhaupt lohnt?

Der erste Eindruck, auf den ich bereits in meinem Artikel über die erste Erinnerungssequenz eingegangen bin, war positiv. Und selbst jetzt, viele Stunden nachdem ich jenen ersten Spielabschnitt durch hatte, bleibt das Game einer meiner persönlichen Top Titel des Jahres. Wenn auch mit Abstrichen.

Assassin_s_Creed_III_12Zwar spendierte Ubisoft Assassin’s Creed III eine neue Graphik-Engine, doch selbst die AnvilNext genannte Engine täuscht nicht darüber hinweg, dass das Spiel die PS3, auf der es getestet wurde, an die Grenzen der Leistungsmöglichkeit treibt. Kleinere Details sorgen dafür, dass der Gesamteindruck getrübt wird. Welche das sind, wird im Laufe der Rezension verraten.

Wer die vorherigen Assassin’s Creed-Teile spielte, muss sich bei Teil III umstellen. Zwar übernimmt das Spiel nahezu alle Elemente der Vorgänger. So sind die Bomben ebenso vertreten, wie auch die Assassinen, die man befehligen kann. Doch interpretiert es diese Dinge radikal neu. So sind Menschen, die der Bruderschaft beitreten, keine 08/15 Gestalten ohne Persönlichkeit mehr. Vielmehr sind es Charaktere mit Namen und Geschichte, die von euch eine Gegenleistung verlangen, ehe sie sich dazu entschließen ein Attentäter zu werden. Das nur als Beispiel.

Doch auch sonst strotzt das Spiel nur so vor Neuerungen, darunter so manche, die die Spieldynamik deutlich verändern. So ist es dem Protagonisten Connor jetzt möglich im Kampf sofort eine Fernwaffe einzusetzen, ohne erst umständlich zu zielen und zu schießen. Konterattacken und Chain Kills erfordern ein noch besseres Gefühl für Timing und Präzision. Vor allem deshalb, weil es bereits wesentlich früh mehr Feinde gibt, die Konterangriffe blocken können. Doch schon nach kurzer Zeit geht die Steuerung flüssig von der Hand.

IAssassin_s_Creed_III_14n Sachen Story knüpft Teil III an die Qualität von Teil II an. Die Erzählung wirkt stringenter und bietet jede Menge Überraschungen.  So ist beispielsweise Haytham Kenway nicht der, für den man ihn hält. Auch wirkt der eigentliche Protagonist Connor anders, als seine Vorgänger. Während Altair’s Leben sich um den Orden und das Credo drehte, war Ezio etwas emotionaler und darin bestrebt, die Templer zu besiegen und mehr über die Vergangenheit der Assassinen zu erfahren. Auch Connor ist auf die Gegenspieler nicht gut zu sprechen, doch aus anderen Gründen. Sie bedrohen sein Volk, die Mohawks. Seine Loyalität gehört in erster Linie seinem Stamm und dann erst den Assassinen. Das macht sich besonders in einer Szene bemerkbar, wo er von einer Bedrohung für sein Volk erfährt. Voller Zorn schlägt er einen Tomahawk in die Säule des Anwesens wo er wohnt, symbolisch für das Kriegsbeil, welches ausgegraben wurde.

Übrigens basiert die Darstellung der Indianer auf realen Fakten. Alles, von der Art wie sie lebten bis hin zur Sprache, existierte und existiert exakt so! Hier merkt man die Fachkenntnisse des Beraters, der selber ein Mohawk ist.

Assassin_s_Creed_III_17Doch nicht nur durch seinen Charakter unterscheidet sich Connor von seinen Vorgängern. Auch durch seine Fähigkeiten. So ist es ihm beispielsweise möglich, steile Wände und Bäume zu erklimmen. Das Freerunning von Ast zu Ast ist ein essentieller Bestandteil des Spiels und wurde gut umgesetzt.

Überhaupt spielt die freie Natur eine große Rolle in Assassin’s Creed. Zwar sind mit Boston und New York zwei Städte vertreten. Doch fehlt diesen das Charisma, welches zum Beispiel Rom auszeichnete. Diesen Part nimmt die Natürliche Umwelt ein. Und so streift man durch die Wälder, erlebt mit, wie das Wild auf eure Anwesenheit reagiert oder hüpft von Ast zu Ast. Allerdings wird die Illusion der unverfälschten Flora und Fauna in dem Augenblick zerstört, wo man gegen einen Baum rennt. Anstatt, dass die Äste sich beiseite bewegen, wirken sie wie zubetoniert, wie eine feste Mauer.

Auch wenn man sich durch die Straßen der zivilisierten Welt bewegt, fallen unschöne Dinge auf. Zwar gelingt es Ubisoft ebenso wie in den Vorgängern die Städte lebendig darzustellen. Doch auf einmal verschwinden in der Entfernung Leute und ploppen woanders auf. Das war in den Vorläufern nicht so. Angeblich wurde das gemacht, um Ressourcen zu schonen, damit die Darstellung nicht stockt. Ergo ein eindeutiges Zeichen, dass diese Konsolengeneration sich dem Ende zuneigt. Wobei ein Vergleich mit der PC-Version interessant wäre.

Assassin_s_Creed_III_5Die Welt von Assassin’s Creed III fällt größer aus, als die der Vorgänger. Es gibt zwar viel mehr Schnellreisemöglichkeiten, doch wer gerne per pedes unterwegs ist, wird seine Zeit brauchen, um von A nach B zu gelangen. Und kommt so in den Genuss einer wunderbar abwechslungsreich designten Landschaft, in der der Wind spielt und, je nach Erinnerung, die Jahreszeiten wechseln, was sich auf die Fortbewegung spürbar auswirkt.

Doch nicht nur die Umgebung ist größer, auch die Anzahl der Nebenaufgaben, die das eigentliche Salz in der Suppe des Spiels sind. Fast könnte man meinen, dass Ubisoft es hierbei übertreibt. Jedoch nur fast. Neben den diversen Aufträgen für irgendwelche Gruppen, wie beispielsweise die der Abenteurer, kann man Abenteuer auf See spielen, oder die eigene Siedlung ausbauen. Bis man alles erledigt und gesehen hat, wird jede Menge Zeit vergehen. Und es wird einem keine Sekunde langweilig! Besonders PS3-Besitzer sind gut dran, da sie mit den Benedict Arnold-Missionen Plattform-exklusive Herausforderungen besitzen.

Und damit zum Rest der Grafik. Größtenteils wirkt Assassin’s Creed III grandios. Die Darstellung der Figuren geriet detailliert und stellenweise kann man sogar die Poren in der Haut der Personen zählen. Auch die Mimik wirkt realistisch, wenn beispielsweise Connor für eine Milisekunde ein Hauch von Verachtung übers Gesicht huscht. Doch hier gibt es ebenfalls Mankos. An manchen Stellen wirken die Texturen matschig. Und wenn beim Rennen Details in die Landschaft ploppen, fühlt man sich auf unangenehme Art und Weise an die Vergangenheit erinnert, an die ersten Spiele mit einer 3D-Darstellung.

Auch der Eindruck des Sounds bleibt gemischt. Die deutsche Snychro wurde zwar gut. Falls man sie allerdings hört. Denn die Abmischung geriet katastrophal. Oft genug sind die Dialoge so leise geworden, dass man schon recht genau hinhören muss, um überhaupt nur eine Ahnung davon zu haben, wovon eben geredet wurde. Nur um gleich darauf sich entspannt zurückzulehnen, weil man auf einmal alles glasklar mitkriegt.




Götz meint:

Götz

Assassin’s Creed III hinterlässt einen gemischten Gesamteindruck. Einerseits ist es wesentlich besser als Revelations. Andererseits hat es diverse Mankos, die verhindern, dass es an Assassin’s Creed II herankommt. Positiv gefällt, dass die Entwickler sich nicht auf den Lorbeeren der Vorgänger ausruhten, sondern bereit waren, alte Zöpfe abzuschneiden. Die Story birgt jede Menge Überraschungen, die Landschaft ist größer und vielfältiger, die Anzahl an Nebenmissionen ist schier endlos. Demgegenüber  steht der Eindruck, dass das Spiel die Konsolen an die Grenzen ihrer Leistungen bringt. Teils matschige Texturen, Leute die aus dem Nichts auftauchen und wieder verschwinden und Bäume, die eher wie Wände wirken. Auch die Soundabmischung ist katastrophal. Trotzdem ist das Spiel ein gelungener Abschluss der aktuellen Geschichte. Wie es weitergeht, wird die Zukunft zeigen.

Positiv

  • Story mit jeder Menge Überraschungen
  • Viele Neuerungen
  • Große Spielwelt

Negativ

  • Grafische Mankos
  • Soudabmischung katastrophal
Userwertung
6.9 5 Stimmen
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Forum
  • von Civilisation:

    Und hier meine Meinung zur Switch-Version. Assassin's Creed III Remastered: Jetzt auch für die Switch Jetzt ist Assassin‘s Creed III an der Reihe. In dem Bemühen, die Lücke zwischen den aktuellen Teilen zu füllen, wurde dieser Titel remastered, als Nachfolger der...

  • von Cormac:

    Erreicht auf der Switch anscheinend nur sehr selten die 30 FPS, eher schwankt die Rate zwischen 20 und 30. Wäre für mich persönlich also nichts wenn man die Wahl hat.

  • von lumpi3:

    So hab’s seit gestern auf der Switch. Framerate akzeptabel für meine Verhältnisse andere reißen sich die Haare aus. Optik like Wii U Fassung nur mit etwas mehr polish ( die ich leider nie beendet hatte) Touchscreen etc alles sehr gut angepasst und absolut imo ohne Abstriche nun mobil spielbar...

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