Monster Hunter Rise - Bericht eines Neueinsteigers im Test

NintendoSwitch
Monster Hunter: Wer diesen Namen nicht kennt, an dem ist ein ganz dicker Batzen Videospielgeschichte vorbei gegangen. Auch ich kann mich hier irgendwie nicht raus nehmen. 2004 auf der Playstation 2 gestartet, musterte sich das Spiel zu einem Kassenschlager, was das Thema Monster jagen und Looten angeht. Und obwohl ich bereits diesen ersten Teil angespielt habe, immer wieder neue Teile der Reihe ausprobiert habe, konnte mich diese Faszination Monster Hunter nie so richtig packen. Sollte sich das mit dem neusten Switch Ableger Monster Hunter Rise ändern? 

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Ich glaube großartig erklären muss ich das Spielprinzip von Monster Hunter nicht, oder? Mit jeder angenommenen Quest aus dem Heimatdorf gehen wir auf Monsterjagd, manchmal um kleine Monster zu töten, meistens jedoch um ein oder sogar mehrere große zu jagen und zu erlegen, beziehungsweise zu fangen. Mit den aus diesen Missionen erworbenen Materialien schmieden wir neue Rüstungen und Waffen, werten sie auf, verstärken sie und sind immer weiter auf der Jagd nach dem noch besseren Equipment. Anders als einem klassischen Diablo steigt unser Jäger dabei nicht zusätzlich im Level, sondern in einer Art Jägerrang, wodurch mehr Quests mit seltenen und stärkeren Monstern freigeschaltet werden. Der Kreislauf nimmt seinen Lauf. 

Im Kern hat auch Monster Hunter Rise genau diese bekannte Suchtspirale zu bieten. Aber was macht es nun so anders, dass ich mich von dem Titel bisher am Besten abgeholt fühle? In den Monster Hunter Kreisen wird Rise sehr gerne als einsteigerfreundlichstes Monster Hunter betitelt. Und ich kann sagen: Ja, das ist es für mich tatsächlich. Klar erschlagen einen die Tutorials zu Beginn weiterhin, aber alles in allem kommt mit dem neuen Teil ein wirklich besserer Flow auf, der Anfänger zum Start nicht so stark überfordert, wie es bei den vielen Vorgängern noch der Fall war. Das liegt mitunter an einigen neuen Komfortfunktionen, wie etwa dem Hund-ähnlichen Palamute, der uns zu jeder Zeit neben den anderen katzenähnlichen Buddys zur Verfügung steht. Der Clou: Auf diesem Palamute können wir reiten, und uns so blitzschnell durch die teils wunderschönen Umgebungen bewegen und dabei sogar Items nutzen, Materialien sammeln und sogar Monster angreifen. Vorbei sind die Zeiten von ewig langen Wegen dem einen Monster hinterher. 

Die müssen wiederum gar nicht erst aufgespürt werden, sondern werden in Form von kleinen Bildchen auf der Karte direkt beim Missionsstart angezeigt. Dadurch kann man erstens viel schneller ans Eingemachte gehen, wenn man gerade nur mal zwischendurch ein Monster legen möchte. Und zum Anderen braucht man das Monster nicht mehr extra zu markieren, sodass es weiterhin auffindbar ist, wenn es sich aus dem Kampf zurückzieht. Das sind alles kleine, aber feine Quality of Life Änderungen, die das Spielgefühl nicht so stark beeinträchtigen, wie es sich auf den ersten Blick anfühlen mag. Das liegt vor allem daran, dass sich Monster Hunter Rise aufgrund der vielen neuen Movement-Möglichkeiten so schön schnell und flexibel spielt wie nie zuvor. Dazu gehört zum einen der eben bereits erwähnte Palamute, auf den wir jederzeit aufsteigen können, aber zum anderen auch an der Seilkäfer Thematik. 

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Jeder Jäger zieht mit seinen Buddys und einer Art Greifhaken und Seilzug Käfer in den Kampf. Mit denen im Gepäck und ein klein wenig Übung lässt sich so selbst der Höchste Berg erklimmen, beziehungsweise ebenso größere Hindernisse überwinden. Der Fantasie sind hier beim Movement abgesehen von dem kleinen Cooldown Timer kaum Grenzen gesetzt. Und auch im Kampf sind die kleinen Käfer sehr hilfreich. Durch sie kann man einerseits Angriffen großräumig ausweichen oder einfach direkt über ein Monster springen. Richtig spaßig wird es aber immer dann, wenn sich zwei große Monster gleichzeitig in einem Gebiet aufhalten. Anders als bei Monster Hunter World greifen sich diese nämlich nun bei Blickkontakt immer gegenseitig an. Das ist für uns als Jäger die Chance, um per Seilkäfer auf einen der beiden Riesen zu springen und das Monster für kurze Zeit zu reiten. Das macht Spaß und zieht der eigentlichen Beute einen Riesen Batzen Leben ab, fühlt sich auf der anderen Seite jedoch fast schon zu übermächtig an. Und da das oftmals sogar zweimal hintereinander geht, beziehungsweise im Multiplayer je nachdem sogar mehrere Monster gleichzeitig gesteuert werden können, flimmern die Schadensmeldungen nur so über den Bildschirm. 

Die sind auch die einzigen sichtbaren Werte während der Kämpfe. Monster Hunter typisch sieht man keinerlei Lebensbalken der Bestien und muss sich stattdessen auf die Bewegungen und Reaktionen der Monster einstellen. Etwa, ob es vor Erschöpfung bereits anfängt zu sabbern, oder dass es humpelnd flieht, das sind oftmals gute Anzeichen dafür, dass sich ein langer und spannender Kampf allmählich dem Ende zuneigt. Generell sind die Auseinandersetzungen immer noch sehr anspruchsvoll. Selbst bei diesem einsteigerfreundlichen Monster Hunter mussten wir sehr oft eine Mission neu starten, weil Gruppenmitglieder zu oft ohnmächtig geworden sind. Das hat zumindest mir aber gar nicht so viel ausgemacht. Zum ersten mal hatte mich dieses Gefühl erfasst von “Ach komm, eine Quest geht noch” und ehe man sich versah, waren wieder 5 Spielstunden ins Land gestrichen und das Bett rief, weil die Arbeit tags darauf nicht auf einen wartet. 

Und ich habe jetzt noch gar nichts von der Loot Spirale erwähnt, die es serientypisch in Form der Monstermaterialien und den Sammelobjekten in der Fauna gibt. Auf dem Weg zum Monster immer schön alle Erze, Knochen und Pflanzen einsammeln, wer weiß wofür sie noch gebraucht werden. Kleinere Monster sollte man ebenfalls mitnehmen, bringen sie doch ebenfalls wertvolle Dinge, die für das Schmieden von neuen Waffen und Rüstungen benötigt werden. Und auch wenn mich als Semi Neueinsteiger die Auswahl und Möglichkeiten anfangs ein wenig erschlagen haben, mag ich das System mittlerweile. Die generelle Menüführung, Inventarverwaltung und das Item Management könnten zwar immer noch besser sein, aber insgesamt kommt man nach einer Eingewöhnungsphase doch sehr gut zurecht. 

Neu sind übrigens noch die so genannten Randale. Hierbei spielt man eine Art Tower Defense Spiel im Monster Hunter Universum. Zu Beginn stellt man Befestigungsanlagen, Kanonen und Katapulte auf und muss mehrere Wellen von Monsterangriffen standhalten. Durch die schiere Menge an Monstern, Geschossen und Tore, die es zu beschützen gilt, steigt hier der Adrenalinspiegel bis zum Anschlag an. Es ist so viel auf dem Bildschirm los, dass ich teils dachte, die Switch müsse doch irgendwann das Zeitliche segnen. Der neue Modus ist, denke ich, gerade für Veteranen eine nette Neuerung, ich empfand ihn allerdings insgesamt als zu chaotisch und freue mich immer, ihn hinter mich zu bringen. 

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Eine Sache, die vor allem Fans der Reihe sauer aufgestoßen ist, ist das fehlende Endgame. Als Neueinsteiger sollte das nicht so das Problem sein, ich möchte es hier aber nicht unerwähnt lassen. Immerhin sollen die altbekannten G-Ranks wohl im bald erscheinenden Add-On zurückkehren, welches auf der Nintendo Direct angekündigt wurde.

Technisch war ich wirklich beeindruckt, was Capcom da auf den Bildschirm der Nintendo Switch zaubert. Natürlich ist das nicht wirklich hochauflösend, die Texturen und Charaktermodelle sehen aber dennoch Spitze aus, die Monsteranimationen brauchen sich vor dem großen Bruder World nicht zu verstecken. Nur die Framerate rutscht hier und da in hektischen Kämpfen, wenn viel los ist mal etwas runter. Das ist aber weit entfernt von einer Unspielbarkeit. Insgesamt hält Rise hier fast immer seine 30 FPS. Vielleicht sollten die Jungs von Gamefreak mal ein Praktikum bei Capcom machen, die scheinen zu wissen, wie man auch auf der Switch ein Spiel schön aussehen lassen kann. 

Ist Monster Hunter Rise das einsteigerfreundlichste Monster Hunter? Ich würde sagen: Ja! Ist es auch das beste Monster Hunter? Nun, diese Frage kann ich wirklich nicht entscheiden. Im Kern ist es das Monster Hunter, was Fans kennen und Lieben. Für mich ist es tatsächlich der beste Teil der Reihe, weil das Spiel micht als erstes wirklich mal einfangen konnte. Das schnellere Gameplay, das tolle und freie Movement und die technische Umsetzung, in der auch das Spielen im Handheldmodus Spaß macht: All dies konnte mich überzeugen, Monster Hunter Rise als den für mich besten Teil der Reihe, den ich bisher gespielt habe, auszuzeichnen. Und wer weiß? Mit dem Add-On wird es vielleicht auch für Veteranen weiter hoch in Richtung Thron steigen. Das erfahren wir dann voraussichtlich 2022.

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8.6 1 Stimmen
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Forum
  • von konsolenfreaky:

    Psmoke schrieb: Gestern mit @konsolenfreaky die erste längere Session gehabt und nach ein paar Anfangsschwierigkeiten hats auch ganz gut funktioniert. Man muss sich aber echt erstmal an die Steuerung gewöhnen Mehrere Tasten doppelt und...

  • von Kou:

    Habe auch derbe bock drauf! Nacher dirwkt ma rise anwerfen..

  • von ring-geist:

    Da ist doch endlich die Ankündigung auf die ich gewartet habe (...und Bayonetta 3 )...

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