Runaway 2: The Dream of the Turtle im Test

Nintendo Wii

Runaway: A Road Adventure war ein Überraschungshit im Jahre 2002. Das vom spanischen Entwickler Pendulo Studios entwickelte Adventure sollte ursprünglich 2001 erscheinen, kam aber zunächst nur in Spanien auf den Markt. Das Genre war Ende der 90er/Anfang 2000er in einer schweren Krise, und so fanden sich erst 2002/3 ein Publisher für internationale Veröffentlichungen, so auch in Deutschland. Das Spiel war erfolgreich, wie schon lange kein Adventure mehr war, und so erschien erwartungsgemäß ein zweiter Teil, mit gehöriger Verzögerung, 2006.

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Getestet wurde die 2009 erschienene Wii-Fassung.
 
Die Geschichte von Teil 1 drehte sich um den nerdigen Physik-Studenten Brian Basco, dessen Weg sich mit der von der Mafia verfolgten Stripperin Gina kreuzt. Brian hilft ihr bei ihrer Flucht, und am Ende schaffen es beide, die Mafia abzuschütteln und 20 Millionen Dollar von dieser zu stibitzen. Mit dem Geld machen sie anschließend Urlaub in der Südsee, und dort setzt auch der Nachfolger direkt an.
 
Gina möchte einen Ausflug zu einer Insel machen, doch das einzige verfügbare Flugzeug ist das betagte Wasserflugzeug des noch viel betagteren Piloten Otto. Wider Ottos Beteuerungen geht auf der Reise natürlich etwas schief: Otto stirbt am Steuer (kein Witz!), und der Flieger stürzt ab. Brian stößt Gina mit dem einzigen Fallschirm hinaus, was aber nicht so viel nützt, da sie von einem Scharfschützen angeschossen wird und im See auf der Insel versinkt. Brian hingegen übersteht die Bruchlandung ohne große Verletzungen und macht sich auf, Gina zu suchen.
 
Runaway 2 ist ein klassisches Point-and-Click-Adventure und bietet die gleiche Benutzerführung wie der erste Teil. Per Cursor bewegt man sich umher. Benutzbare Objekte können auf Knopfdruck entweder untersucht oder auf eine kontextabhängige Art verwendet werden. Dialoge laufen im klassischen Multiple-Choice-Verfahren ab.
 

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Grafisch setzt das Game auf die bewerte Optik des Vorgängers. Die Hintergründe bestehen im Spiel aus gezeichneten 2D-Bildern, die Figuren und Zwischensequenzen dagegen aus 3D-Graphik, der per Celshading ein Comic-Look verpasst wurde. Das kann sich sehen lassen, nur die Animation sind in der Nahaufnahme nicht immer schön, außerdem wirkt der starre Blick der Augen oft irritierend.
 
Musikalisch wird passende, angenehme Hintergrundmusik geboten. Einziger Schwachpunkt ist der Titel-Song im Intro, der eher an äußerst nervige Charts-Radio-Nummern erinnert, bei denen man lieber umschaltet.
 
Die überwiegend ansprechende Präsentation setzt sich leider nicht wirklich auf den Inhalt fort. Die Geschichte dreht sich um einen seltsamen Militäreinsatz auf der Insel, angeführt vom zwielichtigen Colonel Kordsmeier und dessen Verbündeter Tarantula, psychopathische Anführerin einer Söldnertruppe, und driftet in einen komischen Akte-X-Außerirdischen-Mupitz ab. Freut man sich trotz des hanebüchenen Szenarios auf zünftige Showdowns mit Kordsmeier und Schergen, wird man leider enttäuscht, denn im Laufe des Spiels agiert man immer seltsam abseits des Geschehens und hat u.a. wenig Interaktion mit den Bösewichten.
 

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Die Probleme enden leider nicht bei der wirren Handlung. Die Charaktere reichen von nervtötend über unsympathisch bis hin zu regelrecht abstoßend. Eine einzige Naturkatastrophe z.B. ist der Ufo-Nerd Joshua. Neben seiner Hackfresse nervt er mit seiner Überheblichkeit und seinem permanenten Hunger, dazu sorgt eigentlich nur ständig für Schwierigkeiten. Brian selbst macht ebenfalls keine gute Figur. Obwohl er regelmäßig über die Gefahr, in der Gina schwebt, jammert, hat er kein Problem damit, seine Freundin spontan zu betrügen. Auch der wiederholt bemühte »Witz«, dass andere Charaktere für Brians Kollateralschäden, z.B. Grabschändung, beschuldigt werden, stößt einem sauer auf.
 
Diverse Bugs und Übersetzungsfehler trüben zudem den Eindruck. So kann es nach dem Laden eines Spiels schon mal sein, dass die Musik einfach verschwindet, bzw. ein bestimmtes Stück, an anderer Stelle erklangen dafür zwei gleichzeitig. Brian verschwand manchmal. Viele Dialoge passen nicht richtig zueinander, es gibt Übersetzungsfehler aus dem Englischen(!), und bei einem Gespräch über eine Sprechanlage wurde die falsche Stimme mit einem Effekt belegt.
 
Auch haben leider die Entwickler eine der Krankheiten des 1. Teils noch verstärkt, nämlich kleine oder unscheinbar platzierte Gegenstände, die leicht zu übersehen sind. Man kann leicht viel Zeit damit verbringen, jeden Bildschirm haarklein abzusuchen. Die geringere Präzision einer Wiimote gegenüber einer Maus und eine i.d.R. größere Entfernung zum Fernseher sind dabei nicht wirklich hilfreich.
 
Kommen wir zum eigentlicenh Spieldesign, wo Runaway 2 beinahe gänzlich auseinanderfällt. Eins der ersten Puzzles ließ bereits nichts Gutes erahnen. Um einen Lemuren auszuschalten, der einem vom Ast schubst, muß ein pinkelndes Roboter-Spielzeughündchen mit Whiskey gefüllt werden. Dieses macht dann ein Pfütze, die der Lemur aufleckt und so betrunken und damit ausgeschaltet wird. Ähnlich abstrus und bescheuert sind viele Rätsel im Spiel. Wozu an den sprichwörtlichen Haaren ziehen, wenn man gleich mit einem 18-Tonnen-Laster drüber brettern kann? Dank der haarsträubenden Rätsel hängt man alle paar Schritte fest, selbst wenn man mehrere Aufgaben parallel hat. Da jedes Kapitel nur aus 5 bis 8 Bildschirmen besteht und Brian jedes mal alle alten Gegenstände entsorgt, ist frustriertes Absuchen der immer gleichen engen Welt kaum zu vermeiden. Dass er manchmal eine richtige Idee umsetzt, wenn man vorher eine unvollständige Lösung probiert, ist auch nicht hilfreich.



Dennis meint:

Dennis

Das erste Runaway war kein schlechtes Spiel und zu seiner Zeit ein willkommener Beitrag zur damals fast versiegten Adventure-Produktion. Teil 2 ist dagegen ein gewaltiger Absturz. Das Game sollte vermutlich ein viel großartigeres, episches Adventure werden, der Spaß versinkt jedoch schnell in einem Treibsand aus abstrusen Rätseln, quälend unlustigem Humor und öden Gesprächen mit unsympathischen Figuren. Die misslungene Story ist ebenfalls kein Grund, bei der Stange zu bleiben. Wer ein Adventure für die Wii sucht (PC-Spieler haben ja genug Auswahl an Alternativen), sieht sich besser die Abenteuer von Sam und Max an. Wer beigemischter Action nicht abgeneigt ist, greift zu Zack & Wiki. Mit Runaway 2 verpaßt man definitiv nichts, und Teil 3 werde ich persönlich mir gar nicht erst mehr geben.

Positiv

  • gute Präsentation
  • definitiv nicht zu leicht

Negativ

  • abstruses Rätsel-Design
  • Kapitel sind räumlich stets eingeengt
  • fehlerhafte Übersetzung und Bugs
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