Disney Magical World im Test

Nintendo 3DS

Ich habe ein Problem, was viele Leute im ersten Moment nicht verstehen werden. Ich habe so viel zu tun, dass mein Privatleben hinten anstehen muss. Ihr versteht nicht, was ich meine? Ich erkläre es euch: Erst neulich habe ich durch eine wunderbare Fügung ein Café erworben und sitze gut und gerne ein paar Stunden in der Küche, um meinen Gästen was Neues auf den Tisch zu zaubern. Wenn ich dann mal Pause mache und mir die Beine vertrete, kommen mir meine Mitmenschen entgegen, die mich, wo sie nur können, mit Botengängen überhäufen. Und als würde das nicht reichen, hat mir noch ein Magier einen Zauberstab in die Hand gedrückt und mich als Weltenverbesserer auserkoren. Ich kann euch sagen, ich bin im Stress! Da hat es schon Vorteile, dass meine Lebensabschnittsgefährtin zum Sonnenaufgang das Haus verlässt, denn sie verdient die Brötchen. So verbleibt mir genug Zeit, meinem virtuellen Leben bei Disney Magical World zu frönen.

Disney_Magical_World_1Das extra für Kinder entwickelte Life-Sim ist mit einem starken Suchtpotential ausgestattet, gepaart mit einer todbringenden Lizenz, bei der Kinder schon beim bloßen Anblick der Verpackung dahinschmelzen. Sobald ihr die Speicherkarte in den Handheld reinschiebt, werdet ihr, wo ihr geht und steht, von Disney-Protagonisten begrüßt, die euch auf ihre schrullige Art und Weise ans Arbeiten kriegen. Denn bei Magical World seid ihr der Star, die Welt dreht sich um euch und ihr allein könnt Goofy, Micky und Co. als Freunde haben. Der Preis hierfür ist recht klein: Hin und wieder werden diese nach einem Gefallen fragen. Das artet in mannigfaltige Botengänge aus, die Besitzern von Animal Crossing nur allzu gut kennen. Als Dank für eure Mühen bekommt ihr immer einen Gegenstand ausgehändigt, den ihr früher oder später selber braucht, um das Spielprinzip weiter am Laufen zu halten.

Obwohl die Life-Sim nur so von Inhalt und Optionen strotzt, haben die Entwickler von h.a.n.d. (Kingdom Hearts 358/2 Days) ein mehr als übersichtliches und leicht zu verstehendes Tutorial gebastelt. Dieses geht mit euch jeden Punkt der Möglichkeiten in der Disney-Welt genaustens durch und führt am Ende zum Erwerb eines Cafés, das unter eurer Obhut wächst und gedeiht. Doch gibt es einen Makel bei allem: Trotz deutscher Texte ist die Sprachausgabe in Englisch gehalten, was wohl einige jüngere Disney-Fans bedauern werden. Denn ich glaube, wenn Micky und Co. die Kinder in ihrer Muttersprache persönlich ansprechen, wäre eine noch bessere emotionale Bindung möglich.

Was die Kreativität angeht, hat der japanische Entwickler nicht das volle Potenzial seiner Kreation ausgeschöpft. Als Beispiel nehme ich das Dekorieren des eigenen Etablissements. Zwar lassen sich in der Werkstatt von Chip & Chap komplette Einrichtungen erstellen, wie z. B.  Tische, Stühle, Lampen, Bodenbelag und Tapeten, doch wenn es ans Aufstellen geht, werden diese durch beschränkte Stellmöglichkeiten blockiert. Besitzer von Die Sims müssen im Vergleich dazu mit der Beschränkung leben, nicht alles so hinstellen zu können, wie sie es gerne hätten. Habt ihr keine Lust, das Inneninventar produzieren zu lassen, ist eine andere Anlaufstelle das Geschäft von Dagobert Duck. Dieses hat zwar platztechnisch kein großes Sortiment an Gegenständen, trotzdem reicht es meist als Lückenfüller. Erworbene Items kann man hier auch zu schnellem Geld machen.

Disney_Magical_World_3Materialmangel werdet ihr recht selten haben, denn in der ganzen Disney-Welt liegen besagte Materialien quasi auf der Straße. Ihr müsst diese nur beim Vorbeigehen einsammeln. Doch solltet ihr daran denken, dass es Items gibt, die typisch für ihre Umgebung sind und deswegen auch nur dort zu bekommen sind, wie z. B. Honig bei Winnie Puuh. Bald werdet ihr merken, dass bei Disney Magical World Sticker alles sind. Diese sind sozusagen das Levelsystem, wie man es bei einem Rollenspiel kennt. Habt ihr bestimmte Aufgaben erfüllt, bekommt ihr einen solchen als Belohnung. Ist eine benannte Anzahl Sticker im Album eingeklebt, lassen sich neue Welten, Rezepte oder andere Möglichkeiten angehen. Wenn ihr euch jetzt fragen solltet, wozu die Anleitungen da sind, ist die Antwort einfach: Diese dienen zum Kochen von Gerichten, zum Erstellen neuer Kleidung oder Inneneinrichtungen.

Outfits haben in der virtuellen Disney-Welt einen hohen Stellenwert. Dafür ist die Boutique von Daisy genau die richtige Anlaufstelle, um Oberteile, Hosen bzw. Schuhe zu kreieren. Auch lassen sich gleich ganze Ensembles kaufen und speichern. Ist die Kleiderwahl erledigt und ihr präsentiert diese der Umgebung, werdet ihr noch freudiger begrüßt als sonst schon. Das finde ich ein bisschen oberflächlich. Einen besonderen Wandel macht das Spiel, wenn ihr von dem Magier Yen Sid einen Zauberstab in die Hand gedrückt bekommt. Dann heißt es in einer vereinfachten Diablo-Manier Monster plätten. Hierbei feuert ihr mit einfachen Schüssen aus besagtem Stab auf die putzigen Feinde und sammelt danach die Beute ein. Schatzkisten solltet ihr nicht verschmähen, weil diese immer wieder begehrte Materialien enthalten, die ihr zur Herstellung von neuen Dingen braucht.

Ein weiterer Kritikpunkt ist hier das Kampfsystem. Während der einfache Schuss das Balancing in Bahnen hält, fallen beim aufgeladenen Schuss die Scharmützel zu leicht aus. Ganz besonders, wenn die Gegner hintereinander stehen. Da reicht immer ein Schuss und die ganze Riege Monster ist vom Tisch. Sobald man mit dieser Taktik fährt, ist das Questen nur noch zum Gähnen und kein Feind zu schwer. Schade! Genau wie Animal Crossing ist Disney Magical World ein Spiel, was auf die interne Uhr des Handhelds Zugriff nimmt und je nach Datum verschiedene Events startet. Zu Halloween war beispielsweise die ganze Welt im passenden Thema dekoriert, während zur Weihnachtszeit bzw. Silvester Weihnachtsbaum und Feuerwerk zu bewundern sind. Jetzt schon zum Release des Spiels lassen sich (bis dato) gratis Kleidung aus dem eShop runterladen. Dies ist leider immer ein bisschen zeitaufwendig und für jüngere Spieler ein kleiner Hürdenlauf, weil Menüführung und Texteinblendungen alles andere als optimal sind.

Disney_Magical_World_2Wollt ihr einmal Besuch von Freunden erhalten, lässt sich dies mittels lokalen Modus bewerkstelligen. Ist StreetPass aktiviert, kommen andere Nintendo 3DS-Besitzer, denen ihr auf der Straße begegnet seid, in eurer Stadt. Ein Wort möchte ich noch über die Präsentation verlieren: Diese ist leider ein zweischneidiges Schwert. Die Grafik punktet allgemein mit einem stimmigen Stil, der doch durch Matschtexturen der übelsten Art „verschönert“ wird. Das merkt man als Spieler ganz besonders bei Büschen und Bäumen. Positiv punkten die Charaktermodelle der Disney-Stars. Bedauerlicherweise ist die Framerate manchmal ein trauriges Thema. Bewegt ihr euch auf dem Plaza des Schlosses, fällt diese gerne unter die flüssigen 25 Bilder pro Sekunde. Den Kids wird es bestimmt egal sein, doch den Erwachsenen wird das auffallen.




Dominic meint:

Dominic

Wäre ich ein Kind im betreffenden Alter, wäre Magical World zu Weihnachten auf meiner Wunschliste ganz oben, denn im Umfang und Spielaufbau ist das ein Videospiel, was in Sachen Preis-Leistungs-Verhältnis jemanden lange bei der Stange hält. Doch dies wird durch den hohen Suchtfaktor erkauft, der bei jüngeren Spielern vielleicht ein Thema ist.

Positiv

  • Viel Inhalt
  • Kindliche Aufmachung
  • Mehr als 60 beliebte Disney-Charaktere

Negativ

  • Vereinzelt Texturenmatsch
  • Einschnitte in Kreativität
  • Kampfsystem macht Kämpfe zu einfach
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  • von Psmoke:

    Disney Magical World Ich habe ein Problem, was viele Leute im ersten Moment nicht verstehen werden. Ich habe so viel zu tun, dass mein Privatleben hinten anstehen muss. Ihr versteht nicht, was ich meine? Ich erkläre es euch: Erst neulich habe ich durch eine wunderbare Fügung ein...

  • von Damon Gant:

    Sehr schön, dass es dich noch den Weg nach Europa schafft. Meine Frau wird sich freuen.

  • von Mistercinema:

    Eine faszinierende Welt erwartet die Spieler in Disney Magical World, das am 24. Oktober für die mobilen Nintendo 3DS und 2DS-Systeme erscheint. Nachdem die Spieler einen persönlichen Avatar erstellt haben, begeben sie sich in ein fantastisches 3D-Abenteuer. Mehr als 60 der beliebten...

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