Godzilla: Monster of Monsters im Test

NES

Godzilla Monster of Monsters erschien 1989 (1991 in Europa) für das NES und begann eine lange Reihe an Konsolenspielen zu den legendären Kaijuu-Filmen mit Tohos Vorzeigemonster. Für seinen ersten Auftritt beauftragte man sogar die 8-Bit-Action-Experten Compile (Zanac, Aleste, The Guardian Legend). Setzte sich Godzilla MoM seinerzeit also demnach von den typischen Lizenz-Schnellschüssen ab?

Godzilla_MoM_01Die Erde wird von Außerirdischen vom Planeten X angegriffen. Dieser erscheint, wenn Pluto und Neptun ihre Positionen tauschen.... naja, warum auch nicht. Im Vorspann sehen wir King Gidorah und eine Flotte von U-Boot-Raumschiffen im Stil von „U 2000 Tauchfahrt des Grauens“ oder „The War in Space“ mit dem charakteristischen Bohrer am Bug. Da meint es also jemand ziemlich ernst. Um zum Gegenschlag gegen diese Armada auszuholen, begeben sich die Schutzmonster der Erde, Godzilla und Mothra, auf den Weg zur Basis der Aliens auf Planet X. Angilas ist zwar ebenfalls geplant worden, schaffte es aber leider nicht ins fertige Spiel. Dafür müssen, ausgehend von der Erde, die Planeten des Sonnensystems durchstreift werden, auf welchen auch bereits Kommandostationen der Aliens errichtet wurden.

Godzilla_MoM_05Jeder Planet wird dabei als ein „Spielbrett“ aus hexagonalen Feldern dargestellt. Auf diesen Karten ist je ein Feld mit einem besonders hohen Gebäude zu sehen. Von diesem aus können die beiden Kaijuus, die man separat bewegt (Godzilla zwei Felder pro Runde, Mothra hingegen vier), auf den nächsten Planeten gelangen. Die anderen Felder sind den Themen Stadt, Gebirge, Dschungel und Hyperspace zugeordnet und bestimmen, welche Sidescroller-Level es hier zu durchqueren gilt. Außerdem gibt es gegnerische Monster, die nach dem Zug des Spielers ebenfalls ausrücken. Positioniert ihr euch neben sie, so kommt es nach beendetem Level zu einem Duell. Durch das Zerstören von Feinden können Godzilla und Mothra sogar aufleveln.

Godzilla_MoM_06Soviel zum grundlegenden Spielkonzept. Godzilla MoM präsentiert sich also als recht unorthodoxes Spiel. Auch die Grafik ist für NES-Verhältnisse sehr auffällig. So riesige, spielbare Sprites gibt es auf dieser Konsole wohl kaum noch. Godzilla und Mothra (mit ihren großen, wunderschönen Flügeln) nehmen einen enormen Teil des Spielfeldes ein und erinnern zumindest auf Standbildern eher an 16-Bit-Titeln. Dies gilt gleichwohl für die gegnerischen Kaijuus sowie einige mehrere Bildschirme füllende Zwischenbosse (Stichwort: Bohrerschiffe). Auch die Hintergründe sind bunt und detailliert. Dazu gesellen sich eine Vielzahl unterschiedlicher Feinde, die in schieren Horden attackieren. Typisch Compile eben. Von stationären Kanonen, Panzern, UFOs, bösartiger Vegetation bis hin zum Monster Manda (U 2000), welches ab und an aus Kratern heraus angreift, wird einiges geboten. Raumschiffe, die in weiter Ferne vorbeifliegen, lassen ebenfalls ein Paar Salven aus ihren Bordgeschützen auf euch niederregnen, wobei sogar darauf geachtet wurde, dass deren Geschosse auf ihrem Weg, perspektivisch korrekt, größer dargestellt werden. Das Raumschiff Moonlight SY-3 aus „Frankenstein und die Monster aus dem All“ lässt sich freundlicherweise ab und an blicken und hilft mit Heil-Gegenständen aus.

Godzilla_MoM_19All diese grafische Pracht hat jedoch ihren Preis. Das Spiel läuft (zumindest in der getesteten PAL Version) beinahe ununterbrochen in Zeitlupe. Sobald mehr als drei bis vier Gegner auf dem Bildschirm sind, geht die Spielgeschwindigkeit dramatisch in die Knie. Auch heftigstes Spriteflackern ist mit von der Partie. Ob Compile dem kleinen NES da nicht etwas viel zugemutet hat? Das Gameplay, welches oft in Speedruns zu sehen ist, ist auf einem echten NES schlicht nicht zu finden. Doch selbst so ist MoM technisch durchaus imposant.

Godzilla_MoM_03Die Level sind recht ähnlich aufgebaut. Alles spielt sich auf einer Ebene ab; Plattformen gibt es nicht. Ab und an versperrt ein Berg den Weg, der entweder zertreten oder überflogen werden muss. Gegnerarten, wie auch die Hintergründe, werden weitestgehend vom Typ des Hex-Feldes bestimmt. Etwas überproportional sind die „Stadt“-Areale vertreten, die leider auch den wenigsten Spaß machen. Hier warten besonders viele Gegner, denen ihr beispielsweise erst nach mehreren Sekunden Schaden zufügen könnt, oder nur für kurze Momente angreifbar sind und euch somit immer wieder ausbremsen. Generell werden spätere Level eher zu Geduldproben, als dass sie größere Herausforderungen darstellen. Die Angriffskraft der Gegner nimmt abseits der anderen Kaijuus nicht in passender Weise zu, um das Aufleveln von Godzilla und Mothra auszugleichen. Godzilla MoM erfordert im Allgemeinen keinen virtuosen Könner am Gamepad. Gerade Godzillas Hitbox ist dermaßen groß, dass eh keine allzu geschickten Ausweichmanöver möglich sind.

Godzilla_MoM_08Godzilla kann schlagen, treten, mit seinem Schwanz schwingen und seinen Feuerstrahl speien, während Mothra mit kurzen, horizontal fliegenden Geschossen angreift und wie ein Kampfbomber Flügel (?!?) auf ihre Feinde fallen lässt. Die jeweils letztgenannten Angriffe ziehen Energie von eurer „Power“-Leiste ab, die sich aber eigenständig auflädt. Diese und auch die jene für die Lebenspunkte werden über die Auflevel-Mechanik verlängert. Die Level spielen sich äußerst unterschiedlich, abhängig von der Wahl eures Monsters. Mothra wird von Angriffen stärker zurückgeworfen und macht weniger Schaden, kann jedoch einige Gegner einfach überfliegen und gefährlichen Attacken besser ausweichen. Außerdem kann sie wesentlich häufiger ihren „Bombenhagel“ nutzen. Godzilla muss zwar sämtliche Hindernisse aus dem Weg räumen, fegt aber auch große Gegnerhorden schnell und effektiv mit seinem Feuerstrahl vom Bildschirm. Seine Kampfkraft wird vor allem in den Zweikämpfen gegen andere Kaijuus deutlich, in welchen Mothra sehr viel länger beschäftigt ist. Manche Monster sind jedoch für Godzilla gefährlicher. Hier sollte man strategisch vorgehen, da ein besiegtes Monster erst auf dem nächsten Planeten wieder kampfbereit ist und dabei ein Level herabstuft.

Godzilla_MoM_11Leider spielen sich die Monsterkämpfe oft etwas zäh. Beide Parteien machen meist nur wenig Schaden, und je nach Gegner hat man häufig nicht viel mehr zu tun, als ein bisschen vor und zurückzugehen, zu schlagen und wenn die Energie ausreicht, den Spezialangriff abzufeuern. Auch können einige der feindlichen Kaijuus euch in die Ecke drängen und so lange beackern, bis ihr verloren habt, oder die 40 Sekunden, die jeder Kampf maximal dauern kann, abgelaufen sind. Eine gewisse Auflockerung sind sie dennoch. Manchmal kann man den Duellen aber sogar aus dem Weg gehen.

Für den Godzillafan wird hier einiges geboten. Neben allerlei Kaijuus aus seinen Filmen gibt es ebenfalls Gastauftritte aus anderen Toho Werken, wie Gezora (Monster des Grauens), Mogera (Weltraum-Bestien) und Varan (Varan das Monster aus der Urzeit). Als Zwischenboss bzw. Hintergrund sind auch die Matango Pilzwesen und die Dagora Amöben zu entdecken. Einige „echte“ Stadtlevel mit Häusern, Fabriken, etc. hätte ich mir dennoch gewünscht, da selbst auf der Erde die Level sehr außerirdisch aussehen. Hier geht leider eine große Ladung Godzilla-Flair verloren. Und warum so viele Gastauftritte gegenüber weiteren Kaijuus der Kernreihe vorgezogen wurden, ist ebenfalls verwunderlich.

 

 

Andreas meint:

Andreas

Godzilla MoM mag zwar zum Ende hin etwas repetitiv werden, bietet jedoch einen unverbrauchten Genre-Mix, schicke Grafik und einen überzeugenden Soundtrack (ein paar mehr Stücke hätte er aber vertragen können). Durch die zwei spielbaren Monster ist es zudem recht variantenreich spielbar. Spannendere Zweikämpfe, ein paar Level-Typen mehr sowie eine stabile Bildrate würden Godzillas erstes Konsolen-Abenteuer zu einem absoluten Hit machen. Ein Passwortsystem und der moderate Schwierigkeitsgrad prädestinieren das Spiel für unkomplizierte Runden zwischendurch.

Positiv

  • Sehr gut genutzte Lizenz
  • Kaijuus, Bosse, Hinntergründe, Standardgegner... Alles sieht super aus
  • Unverbrauchtes Gameplay mit zwei unterschiedlichen Charakteren

Negativ

  • Extreme Slowdowns
  • Relativ zähe Zweikämpfe
  • Mehr Leveltypen hätten nicht geschadet
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4.0 4 Stimmen
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Forum
  • von khaos:

    Retro schrieb: Beide Monster haben keine faire Chance ohne Verlust durch einen Level zu kommen, da es einige Gegner ausserhalb der Reichweite gibt- die aber natürlich bei der Spielfigur Schaden anrichten können. Ist ja in den Filmen...

  • von Retro:

    Ich fand das Game komplett unterirdisch... Godzilla - Monster of Monsters Man verschiebt seine Monster (Godzilla und Mothra) auf verschiedenen Feldern, muss unterwegs nach jedem Zug mit gegnerischen Monstern kämpfen, und zu den Endgegnern auf der anderen Seite des Feldes gelangen. Die kämpfe...

  • von Civilisation:

    Der Andreas, hier im Forum auch unter dem Namen Khaos unterwegs, hat sich Godzilla: Monster of Monsters angeguckt. Godzilla: Monster of Monsters Godzilla Monster of Monsters erschien 1989 (1991 in Europa) für das NES und begann eine lange Reihe an Konsolenspielen zu den...

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