Dungeons 3 im Test

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Es gibt Spiele, die brennen sich in das kollektive Zockerhirn. Man muss den Titel nicht einmal selbst gespielt haben, bekannt ist er dennoch. Mario, Sonic und Tetris gehören zu den üblichen Verdächtigen. Doch auch Namen wie Lemmings oder Doom kennt nahezu jeder. Bullfrogs Dungeon Keeper fällt ebenfalls in diese Kategorie.

Dungeons_3_10_Nexgam_1997 gab man uns die Herrschaft über den eigenen Dungeon. Statt Helden in eben jenen zu steuern, bauten und taktierten wir. Legten Gänge, Folterkammern und zahlreiche andere Räume an. Wir warteten auf das Eintreffen der ersten Abenteurer. Das klassische Rollenbild wurde vertauscht und zog, dank toller Bedienung und Spielbarkeit sowie einer kräftigen Portion Humor Spieler in seinen Bann. Nach Teil 2 war Schluss, eine geplante Dritte Episode gab es nie.

Dungeons_3_11_Nexgam_Doch 2011 schickten die Realmforge Studios DUNGEONS ins Rennen um den legitimen Nachfolger. Trotz durchwachsener Qualität, steht 2017 bereits Teil 3 an. Für Dungeon Keeper Veteranen, ist der Einstieg ungewohnt. Denn bevor wir uns ans Bauen machen können, müssen wir zunächst den zukünftigen Bösewicht „bösifizieren“. Dies geschieht in einer einzelnen Mission. Ihr steuert einen Dämonen und sollt in den Körper einer Dunkelelfin fahren, um diese zu korrumpieren. Das Handling entspricht dem eines  X-beliebigen  Action RPG. Ist die Mission geschafft, liegt nicht nur ein Dorf in Schutt und Asche. Nein, der neue Bösewicht ist geboren und ein Dungeon wartet darauf errichtet zu werden.
 
Gesagt getan und auf den ersten Blick präsentiert sich das Spiel zunächst fast 1 zu 1 wie sein großes Vorbild. Gut, Imps heißen hier Schnodderlinge, das Aussehen der Monster und Räume sieht etwas anders aus, aber insgesamt könnte alles so auch in Dungeon Keeper vorkommen. Ruck zuck werden erste Gänge angelegt, Räume gebaut und Kreaturen gekauft. Moment, gekauft? Richtig. Während beim Original, abgesehen von den Arbeitern, alle Monster und Dämonen freiwillig das neue Zuhause betraten, sobald die Voraussetzungen geschaffen wurden, müsst ihr diese in DUNGEONS kaufen. Zu Beginn für Gold, später kommt je nach Kreatur auch noch Mana als Zahlungsmittel hinzu. Dennoch solltet ihr daran denken, genug Edelmetall in der Schatzkammer, und Nahrung auf der Farm zu haben. Ein Schlafplatz gehört ebenfalls zur Grundausstattung. Andernfalls werden die Untergebenen schnell sauer, was in einem waschechten Streik enden kann. Viel gibt es anfangs nicht zu beachten. Denn alles Weitere muss man erst erforschen. Neue Räume, mehr Truppenkapazität, Fallen, Ugrades für eure Armee und den Overlord. Auch das kostet Gold…und Mana.

Dungeons_3_2_Nexgam_Für Letzteres müsst ihr Manapunkte auf der Oberwelt einnehmen. Während ihr in Dungeon Keeper „nur“ einen Dungeon aufbauen und beschützen musstet, verlangt man in Dungeons 3 von euch, in nahezu jedem Level bestimmte Aufträge auf der Oberwelt zu erledigen. Meist gilt es, den dortigen Stützpunkt der Menschen zu vernichten. Freilich schicken diese, zeitgleich, Einheiten in eurer Monsterhöhle. Dort nehmen sie schnurstracks Kurs auf das Dungeon Herz. Habt ihr keine Türen und Fallen installiert, sowie einige Kämpfer zurück gelassen, seit ihr schnell am Ende. Oder lasst Eure Armee hektisch von Oben nach unten marschieren.

Dungeons_3_3_Nexgam_So müsst ihr also immer weiter an eurer Basis im Untergrund werkeln, auf die Absicherung achten, den Forschungsbaum vorantreiben und auf der Oberfläche Aufträge erledigen. Mit gemütlichen Bauen ist da nicht viel. Richtig ärgerlich ist, dass ihr in jedem einzelnen Level wieder bei Null beginnt. Jedes Mal müsst ihr den Forschungsbaum aufs Neue „abarbeiten“. Was auf dem PC via Maus und Tastatur evtl. sehr gut läuft, entpuppt sich auf Konsole als ziemlich pfriemelige Angelegenheit. Ständig wechselt man, in Echtzeit d.h. das Spielgeschehen geht non stop weiter, ins Menü. Klickt durch die Untermenüs und sucht die Richtige Aktion heraus. In späteren Levels könnt ihr sicher sein: wann immer ihr gerade ein Menü betrachtet, passiert etwas Unvorhergesehenes. Eben noch schickt man seine neu ausgehobene Armee in Richtung Feind, da holt man sie hektisch manuell zurück. Ein Heldentrupp hat euer Territorium betreten. Unter Tage ist das Verschieben der Einheiten per „Gotteshand“ kein Problem. Sind sie jedoch an der Oberfläche, müsst ihr den ganzen Trupp selbst auswählen und zum Dungeoneingang zurück schicken. Oft kämpft ihr an zwei Fronten gleichzeitig.

Der Begriff „zwei Fronten“ trifft zudem auf das komplette Spiel zu. Die erste Front, der Dungeon, wecken wohlige Erinnerungen an Dungeon Keeper. Trotz der überladenen Menüführung macht es Spaß, diesen zu bauen und seinen Schergen beim Werkeln zuzusehen. Wie eh und je metzelt ihr einfallende Helden nieder. Eine Freude für jeden „Dungeon Master“. Die zweite Front, der Kampf auf der Öberfläche, ist öde und nervig. Taktik ist eher selten von Nöten. Die Gegner werden in der Regel einfach überrant. Sonderlich hübsch sieht es dort obendrein nicht aus.

Dungeons_3_8_Nexgam_Was dem Spiel das Genick bricht, ist die Bedienung. Man muss sich intensiv einarbeiten um auch später klar zu kommen. Zwar gibt es „Hotkeys“, um direkt in ein Menü zu springen, leider aber längst nicht jeder Tastendruck unverzüglich erkannt. Zudem wirkt es stark überladen. Baumenü nebst Untermenüs, Forschungsmenü und Armeemenü. In Letzterem kann man nicht erkennen, welche Kreatur gerade an der Oberfläche herumturnt und wer noch im Untergrund ist. Kommen Feinde ins Dungeon, klickt man oftmals panisch umher.

Der obligatorische Multiplayer darf zudem auch nicht fehlen. So könnt ihr entweder im Coop gegen die Helden antreten, oder euch gegenseitig auf die Mütze hauen. Wobei auch hier die Gefechte an der Oberfläche stattfinden. Weder können eure Monster in den Dungeon des Gegners eindringen, noch kann einer die Heldenfraktion übernehmen. Verschenktes Potenzial.


Dungeons_3_9_Nexgam_Technisch ist DUNGEONS 3 in der getesteten XBO Version kein Meisterwerk. Die Grafik geht in Ordnung, fällt aber in den Bereich „State of the Art“. Der Sound ist Nett, die Sprachausgabe überwiegend gelungen. Der „Geschichtenerzähler“ macht seine Sache gut, die Sprecherin unserer Heldin eher nicht. Der Humor ist Geschmackssache. Es gibt viele Lacher, noch mehr Kalauer und einige extreme Flachwitze. Für Kenner der Materie ist das Ganze mit Sicherheit lustiger, als für Neulinge im Fantasygenre. Schwerwiegender sind Dinge wie: lange Ladezeiten, Tonaussetzer, Ruckler und das nicht immer erkannte Tastendrücken. Alles Dinge, die 2017 nicht mehr sein müssten.

 

Alexander meint:

Alexander

Anfangs genervt von der RPGmäßigen Einführung, fühlte ich mich kurzzeitig im siebten Gamerhimmel. Denn für einen Moment dachte ich wirklich, einen vollwertigen Dungeon Keeper Nachfolger vor mir zu haben. Leider folgte rasch die Ernüchterung. Im Grunde spielt sich Dungeons 3 wie ein herkömmliches Echtzeitstrategiespiel. Eure Basis ist der Dungeon, die des Gegners die Oberwelt. Vor allem zu Beginn wird der Gegner einfach überrannt. Mit Bullfrogs Meisterwerk hat das wenig gemein, technische Defizite und die überladene Steuerung nebst Menüs tun ihr übriges. Kann man nur jenen empfehlen, die Lust haben, sich länger in ein Spiel einzuarbeiten.

Positiv

  • Endlich wieder Dungeons bauen
  • viel zu tun
  • große Portion Humor

Negativ

  • welche aber stark vom persönlichen Geschmack abhängt
  • Technisch veraltet
  • für Konsoleros stark überladen
Userwertung
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  • von Civilisation:

    Alexander hat sich mal als Böser versucht und Dungeons 3 getestet. Dungeons 3 Es gibt Spiele, die brennen sich in das kollektive Zockerhirn. Man muss den Titel nicht einmal selbst gespielt haben, bekannt ist er dennoch. Mario, Sonic und Tetris gehören zu den üblichen...

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