Rogue Legacy im Test

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Indie-Games: Die vielleicht größte Modeerscheinung der Gamingwelt der letzten Jahre. In Zeiten explodierender Budgets für AAA-Games prügeln sich die Systemhersteller geradezu um jene Kleinstprojekte, denen eine Veröffentlichung auf Konsolen einst verschlossen war. Rouge Legacy ist ein Paradebeispiel dafür, da es trotz seiner bescheidenen Aufmachung doch wert war, von Sony als Exklusivhit der PlayStation-Familie an Land gezogen zu werden. 


Zumindest vorerst, denn wie selten dauerhafte Exklusivität heutzutage ist, davon kann jeder Zocker ein Liedchen singen. Zum Zeitpunkt dieses Tests ist der Titel von Cellar Door Games nach dem Release für Windows, Linux und Mac vergangenes Jahr jedenfalls mit geballter Kraft auf Sonys Maschinen eingeschlagen. PS3, PS4 und Vita werden bedient, dank großzügig geschnürtem Crossbuy-Paket mit Cross-Save-Funktion ein verlockendes Angebot quer über alle Plattformen . Seit Ende Mai 2015 dürfen dann auch Xbox One Besitzer ran.

 

roge_legacy_nexgam_01Der Name gibt dabei bereits eine treffende Beschreibung des Spiels ab. »Legacy« bedeutet so viel wie Vermächtnis oder Erbe. »Rouge« bezieht sich auf das uralte Genre der Roguelikes, benannt nach dem 1980 erschienenen Urvater der Gattung.

Und tatsächlich verbirgt sich hinter dem Titel ein genealogischer Abkömmling der Roguelikes. Genealogisch, weil das große Gimmick hier der Umstand ist, dass dem bei Artverwandten üblichen permanenten Tod ein Schnippchen geschlagen wird. Zwar ist das Ableben des Helden ebenso endgültig wie anderswo, jedoch darf der Spieler immer mit einem Nachfahren des Verstorbenen sein Abenteuer fortsetzen. Gold, Ausrüstung und Level gehen dabei nicht verloren und in jeder Generation hat man die Wahl zwischen drei zufällig erstellten Recken. Da der Tod überall lauert, kann man sehr bald auf eine lange Ahnenreihe zurückblicken ... wobei dem Dahingeschiedenen ein seiner Leistung entsprechender Titel verliehen wird. Ja, in »Rouge Legacy« segnet man häufiger das Zeitliche als in From Softwares berüchtigten »Souls«-Eskapaden.

 

rogue_legacy_nexgam_02Nur weil man die Erfahrungsstufe und Rüstzeug behält, heißt das aber nicht, dass der Tod ganz ohne Konsequenzen für den Spieler bleibt. Kinder sind schließlich Individuen und jeder Charakter kann mit einigen persönlichen Merkmalen gesegnet bzw. gestraft sein. Manche Eigenschaften wirken sich positiv aus: Tollpatschigkeit, die einen Kisten und dergleichen bei Berührung zerstören lässt, oder große Körperkraft, durch die man nicht von Angriffen zurückgeworfen wird. Andere sind eher neutral und als Spaß anzusehen. So bspw. Tourette-Syndrom, das für Flüche bei erlittenem Schaden sorgt, Homosexualität, die das Geschlecht von Statuen verändert, sowie Farbenblindheit, die das Geschehen schwarzweiß färbt. Problematisch sind Dinge wie Schwindelgefühl, dass den Bildschirm umdreht, oder die Legasthenie, die den Zauberer gänzlich ungeeignet für seinen Beruf macht. Die mannigfaltigen Kombinationen geben dem Abenteuer immer wieder eine neue Facette.

Der Luxus freier Klassenwahl ist dem Spieler dabei verwehrt. Viel mehr widmet sich jeder Charakter auf eigene Faust der bevorzugten Profession. So kann es passieren, dass auf dem taffen Barbaren nur zwei körperlich schwächliche Zauberer und ein Minenarbeiter folgen. Da bleibt einem nichts anderes übrig, als mit einem der ungeliebten Sprösslinge die Burg zu stürmen. Der Vorteil ergibt sich daraus, dass man auf diese Weise zwangsläufig aus seiner Komfortzone bewegen und auch mal unterschiedliche Spielarten kennenlernen muss. Vielleicht lernt der typische Fan der Melee-Klassen so am Ende noch zauberkundige Charaktere schätzen.

 

rogue_legacy_nexgam_03Es empfiehlt sich allerdings, vor der Rückkehr in die monsterverseuchten Verliese das gesammelte Gold auszugeben. Denn am Schlosstor wartet Charon, der Torhüter, der einem prompt allen Reichtum für den Einlass abknöpft. Der schnöde Mammon regiert überhaupt die Fantasy-Welt von Rouge Legacy; wer darauf hofft, fertige Ausrüstung zu looten, ist nämlich schief gewickelt. Was man in den Dungeons findet, sind Baupläne, Runen und Moneten. Für eine ordentliche Bezahlung dürfen dann beim örtlichen Schmied auf Basis der gefundenen Skizzen Schwerter und Co geschmiedet oder bei der Seherin Objekte verzaubert werden. Professionen und Level-ups werden ebenfalls in Edelmetall aufgewogen; wer reich genug ist, erweitert die heimische Burg und schaltet so neue Jobs für künftige Generationen sowie bessere Stats frei. Jeder grundlegende Job hat dabei noch eine Steigerung zu bieten. Dem Ritter folgt der Paladin, dem Knappen der Assassine. Neben den Fantasy-Standards wissen auch originelle Klassen zu gefallen. Der Lich startet zum Beispiel mit sehr geringem HP-Maximum, dieses wächst aber mit jedem besiegten Gegner an.

Das Erforschen der Gemäuer stellt sich dabei als Metroidvania-artiger Action-Hüpfer aus der Seitenansicht dar. Wie es sich für Roguelikes gehört, wird das Areal bei erneutem Betreten prozedural generiert. So weiß man nie genau, was vor einem liegt. Anders als bei sonstigen Rogue-inspirierten Spielen läuft aber alles in Echtzeit ab, nicht rundenbasiert. Geschicklichkeitspassagen, Stachelfallen, fies platzierte Gegner ... Fans von Castlevania und den alten Ninja Gaidens fühlen sich hier wohl. Der Charakter steuert sich dabei absolut flüssig und exakt. Spätestens nach Erlernen von Fähigkeiten wie dem Dash oder dem Doppelsprung hat man nie das Gefühl, einer Situation steuerungsbedingt nicht gewachsen zu sein. Es kommt einzig und allein auf die eigene Geschicklichkeit an.

 

Burg, Wald, Turm und Kerker wollen erkundet werden, und jeder der Schauplätze hat einen fiesen Obermotz zu bieten. Der Eingang zum Erforschen ist immer das Schloss, in welcher Reihenfolge man sich von dort aus aber aufmacht, die anderen Örtlichkeiten zu erkunden, wird dem Spieler nicht diktiert. Einzig und allein die Unterschiede im Schwierigkeitsgrad können einen auf einen bestimmten Weg leiten. Besonders wertvolle Schätze sind oft in Winkeln mit speziellen Herausforderungen verborgen. So muss vielleicht die Truhe erreicht werden, ohne in dem mit Stacheln übersäten Raum Schaden zu nehmen oder Sprünge sind tabu.

 

rogue_legacy_nexgam_04Wer die große Quest bestanden hat, darf sich am New Game+ versuchen. Schwerere Gegner und neue Ausrüstung locken Kämpfer und Entdecker. Für die ganz Harten gibt es zudem Premiumausgaben der Bossgegner, die mit schwindelerregend hohem Level und unter verschärften Bedingungen nur vor den absolut tapfersten Recken das Knie beugen werden.

Technisch gibt sich die Indie-Perle schlicht, aber sauber. Der aktuellen Mode geschuldet muten Spriteheroen und Pixeldungeons wie dem Jahr 1993 entrissen. Lustige Kopffüßler und ein Sammelsurium cartoonhafter Inkarnationen bekannter Fantasy- und Horrorgestalten bevölkern das Spiel. Nur bei manchen Effekten blitzt die moderne Natur des Games auf, bspw. wenn sich bei einem kurzsichtigen Charakter alles nach ein paar Metern Entfernung in einen milchigen Nebel verwandelt. Die Musik untermalt das Abenteuer dezent und stimmungsvoll, ohne aber dabei besonders einprägsam zu sein.

 



Daniel meint:

Daniel

Ich bin alles andere als ein Fan von künstlich auf Retro getrimmter Grafik. Wer Retro-Look will, der soll seine Spiele bitte auch für Retro-Konsolen entwickeln. Aber Rogue Legacy hat es mir trotzdem angetan. Die Grundidee, Roguelike und Metroidvania zu verschmelzen, ist bereits grandios. Aber der witzige Ansatz mit dem generationenübergreifenden Gameplay und die lustigen Besonderheiten der Nachkommen setzen dem Ganzen die Krone auf. Originell, umfangreich und sehr gut spielbar: das ist Rogue Legacy. Nur eine spannendere Story hätte dem Ganzen nicht geschadet.

Positiv

  • Fesselndes Spielkonzept
  • Tadellose Steuerung
  • Cross-Save für PS3, PS4 und Vita

Negativ

  • 16-Bit-Optik
  • Magere Story
  • Manche Eigenschaften und Klassen unnütz
Userwertung
7.9 7 Stimmen
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Forum
  • von 112erstahlbeton:

    Ich hol Mal den verstaubten thread hoch. Hab 3 Bosse besiegt, der in der Dunkelwelt fehlt mir noch. Wenn ich das Schloss abklappere und bei den besiegten Bossen vorbei komme steht die Tür auf und ich kann noch mal kämpfen. Bringt das was? Muss man das machen oder gibt's nur Kohle?...

  • von Pestilence:

    Hab den ersten Playtrough nach 29 Stunden und Level 184 beendet. Eigentlich wollte ich im Zug mal wieder eine Runde Final Fantasy X HD spielen, aber dann dachte ich mir "Ach eine Runde Rogue Legacy dauert ja nicht solange.", schwupps waren die drei Stunden rum. ...

  • von aldi404:

    Das Max.Level liegt btw bei 507 wenn man das Schloß komplett ausgebaut hat. Alle Runen und Blueprints gesammelt. Ich glaube jetzt leg ich das Spiel erstmal weg^^ Nachfolger kann kommen ...

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