Riot: Civil Unrest

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Es gibt sie noch, die unverbrauchten Ideen! Wer dachte in den letzten 40 Jahren Videospielgeschichte alles gesehen zu haben, der irrt. Mit RIOT: Civil Unrest hat Leonard Menchiari zwar kein neues Genre erfunden. Ebenfalls keine revolutionäre Bedienung oder bisher unbekannte technische Tricks entdeckt. Nein, auch die KI wurde nicht revolutioniert. Aber immerhin hat er ein bis dato nahezu nicht vorhandenes Szenario auf Spielekonsolen und PC gebracht.

Nexgam_RIOT_1Bei RIOT: Civil Unrest handelt es sich im Grunde um ein relativ simples Echtzeitstrategiespiel - in Pixeloptik. Weder das eine, noch das andere ist neu. Genau genommen gab es gerade erst mit 8-Bit Hordes, Invaders und Armies drei Vertreter dieser Art. Menchiari lässt weder Außerirdische- noch Fantasy- oder Reale Armeen aufeinandertreffen. Ihr befehligt keine Panzer, Raumschiffe und waffenstarrende Soldaten. Die Konflikte umspannen nicht unsere Welt oder fremde Planeten.

Civil Unrest beschäftigt sich thematisch mit der heimischen Erde. Mit Konflikten, wie sie tagtäglich auch bei uns uns in Deutschland vorkommen. Demonstrationen von, im Kern, friedlichen Menschen. Doch wie wir alle wissen, bergen auch diese ein gewaltiges Konfliktpotenzial. Kaum jemand dürfte die noch recht aktuellen Bilder des letzten G-20 Gipfels vergessen haben.

Vier Szenarien bietet das Spiel. Angefangen wird in Griechenland. Statt verschiedener Rassen oder Weltmächten, entscheidet ihr euch für die Seite der Demonstranten oder der Polizei. Anhängig von der „Panzerung“, startet ihr mit einer bestimmten Anzahl von Einheiten. Sprich: Menschen. Je stärker die Personen gepanzert sind, umso geringer die Anzahl der Starteinheiten. Wer mit Demonstranten in Straßenkleidung loslegt, hat ungleich mehr Gruppen zur Verfügung als derjenige, der die Jungs und Mädels in Schutzkleidung packt.  Schnell sucht ihr die passende Ausrüstung zusammen. Neben Feuerwerkskörpern und Tränengas, warten unter anderem Megaphon, Smartphone und andere Dinge auf ihren Einsatz.

Nexgam_RIOT_2Sodann stehen sich die Parteien gegenüber. Auf der einen Seite die Aktivisten mit Transparenten und Plakaten, auf der anderen die Sicherheitskräfte mit Schilden und Uniform. Mit den Schultertasten klickt ihr euch durch die verschiedenen Gruppen, mit den rechten Tasten setzt ihr euer Equipment ein. Egal ob ihr Feuerwerkskörper in Richtung der Gegner werft oder per Smarthphone Verstärkung ruft. Jede Aktion benötigt nach der Ausführung eine gewisse Regenerationszeit.

Auf Seiten der Polizei wirkt die Ausrüstung schon etwas martialischer. So findet ihr zum Beispiel verschiedene Munitionsarten. Demzufolge könnt ihr die Demonstranten mit Tränengas, Gummigeschossen oder sogar richtiger Munition vertreiben. Im Extremfall gibt es sogar Tote.

Gemein habe beide Seiten, das eure Mannen in mehrere Trupps eingeteilt sind welche ihr einzeln steuert. Der Auftrag für jede Seite ist recht simpel. Die Demonstranten müssen hinter die Absperrung gelangen, während die Polizei eben das verhindern und die Massen vertreiben soll.

Nexgam_RIOT_3Klingt auf dem Papier also simpel, innovativ und spaßig. Entpuppt sich in der Realität aber leider als sehr sperrig. Viele taktische Möglichkeiten bieten sich für keine der zwei Parteien. Das »Spielfeld« ist klein, Basenbau gibt es nicht und die Fähigkeiten sind, abgesehen von der Regenerationszeit, unbegrenzt vorhanden. Im Grunde klickt ihr oftmals hektisch die Aktionen durch. Transparente werden geschwungen, Pyromantik fliegt durchs Bild und Schüsse fallen, während die Fraktionen grob über das Feld marschieren. Die Soundkulisse unterstreicht das ganze und man hat wirklich hin und wieder das Gefühl, eine reale Demonstration zu beobachten. Leider wurde mir oftmals nicht ersichtlich, warum gerade was auf dem Bildschirm geschieht. Tatsächlich habe ich die ein oder andere »Mission« gewonnen, ohne überhaupt bemerkt zu haben, dass meine Mannen ihr Ziel erreicht haben.

Am Ende des Tages ist Riot: Civil Unrest für mich ein, von der Idee her, innovatives und neuartiges Spiel. Nur leider zu chaotisch, unverständlich und spielerisch nicht gehaltvoll. Da sollte Menchiari nochmal an der Spielbarkeit feilen. Doch eventuell ist dieses durchaus realistische Szenario einfach nicht für ein Spiel gedacht.

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