In Namcos Ace Combat 6 und den zwei Ubisoft-Titeln Blazing Angels und Blazing Angels 2 durften sich Xbox 360-Spieler bereits im virtuellen Cockpit austoben. Nun schließt sich dank Ubisoft der Tom Clancy-Kreis und ihr werdet mit H.A.W.X. in die Luft geschickt. Kann der Titel überzeugen?
Das Setting von
Tom Clancy's HAWX (wobei H.A.W.X. für "High-Altitude Warfare Experimental Squadron" steht) ist im fiktiven Universum des amerikanischen Buchautors angesiedelt und spielt zeitlich kurz vor
Tom Clancy's EndWar. Der Spieler mimt den Airforce-Piloten Captain Crenshaw, der seinen Brötchengeber nach der regulären Dienstzeit verlässt um bei einem privaten Söldnerunternehmen anzuheuern. Tatsächlich gewinnen sogenannte PMCs - Private Military Companies - stetig an Bedeutung. Künftige Einsätze führen euch quer über den Globus, vom Nahen Osten über Afrika bis nach Zentral-Asien und Südamerika.
Herzstück des virtuellen Top Guns ist die Kampagne, welche insgesamt 19 Einsätze umfasst. Diese sind realtiv umfangreich ausgefallen und fordern mit mehreren Missionszielen. Gleichzeitig hält sich der Frustfaktor dank großzügiger Checkpoint-Setzung in Grenzen. Für eine Flugsimulation präsentieren sich Auftrage erstaunlich abwechslungsreich - mal muss eine feindliche Armada eingeäschert, Radaranlagen ausgewichen oder ein Großflächenbombardement durchgeführt werden. Dennoch zieht sich ein Element wie ein roter Faden durch sämtliche Missionen - Geleitschutz! Ständig muss irgendwo irgendwas verteidigt werden, seien es Black Hawk-Hubschrauber, die eigene Flotte oder eine alliierte Bomberstaffel. Diese Dauerbeanspruchung des Beschützerinstinkts kann schnell nerven, erst recht wenn man einfach nur chillig eine Runde Ballern möchte, ohne sich ständig Gedanken über das Heil etwaiger Verbündeter machen zu müssen.
Nach einem kurzen Briefing folgen Flugzeug- und Waffenwahl. Allerlei lizenzierte Witwenmacher stehen im Hangar bereit, von fliegenden Oldtimern wie Mig 21 und F4 Phantom bis hin zum hochmodernen Eurofighter und F22. Die Fluggeräte unterscheiden sich hierbei in Parametern wie Panzerung und Handling, auch werden die Luft / Luft und Luft / Boden-Fähigkeiten bewerttet. Im nächsten Schritt will die Waffenwahl bestimmt werden, von schnöden Sidewinder-Raketen lassen sich natürlich deutlich mehr Exemplare unter die Tragflächen klemmen als bombastische Badass-Bomben. Schon bald nachdem euer Alter-Ego im Polygon-Cockpit Platz genommen hat wird klar, dass sich
Tom Clancy's HAWX nicht als bierernste Simulation sondern als reinrassige Arcade-Fliegerei versteht, womit sich Ubisofts Falke nahtlos in die Tradition simpler Konsolen-FlightSims ala Ace Combat einreiht. Eine anspruchsvolle Flugphysik ist faktisch nicht vorhanden, auch über Red- und Blackout muss sich der Xbox 360-Pilot keine Sorgen machen.

Sofort sticht einem das klar strukturiere und übersichtliche HUD ins Auge: In der oberen rechten Ecke flimmern Videoübertragungen von Wingmen und Vorgesetzten, darunter werden Primar- und Sekundärziele angezeigt. Unten links finden sich Radar und Tactical Map, die Wegpunkte und alliierten wie gegnerischen Flugverkehr aufzeigen. Pfeile verdeutlichen jederzeit die Position feindlicher Kampfjets, in deren Richtung ihr non-stop allerlei ballistische Friedensstifter feuert. Das Rad wird hierbei nicht neu erfunden, Veteranen der Konkurrenz sollten sich im Ubisoft-Cockpit sofort heimisch fühlen. Mehrere Angriffswellen von Jaguar-Jagdfliegern, Panzern und Bombern wollen abgewehrt werden, während eine Energieleiste über das Wohlbefinden der zu schützenden Fabrikanlage informiert.
Dennoch haben sich die rumänischen Entwickler durchaus neue Gameplay-Kniffe abseits des Genre-Standards einfallen lassen: Ein beherzter Druck blendet mehrere "Gates" im Head-Up-Display ein, die - penibel durchflogen - den kürzesten Weg zum nächsten Target bestimmen. Unverzichtbar wenn sich der gegnerische Panzer in einer Häuserschlucht verschanzt hat und dementsprechend schwer aufs Korn zu nehmen ist. Auch wenn eine Rakete am Heck klebt können euch die Vektoren vor einem verfrühten Absturz bewahren. Innovation Nummer Zwei: Ihr könnt die ganzen Flughilfen und Stabilisatoren einfach ausschalten. Zu diesem Zweck springt die Kamera in eine Außenperspektive, wer nun abbremst und beidreht kann besonders scharfe Kurven fliegen und "driften". So lassen sich hartnäckige Sidewinder ausmanövrieren und besonders flinke Feinde ins Visier nehmen, wer es mit der Luftakrobatik jedoch übertreibt riskiert einen Strömungsabriss - hier hilft nur zünftiger Nachbrenner-Einsatz.
Sämtliche Kampagne-Missionen lassen sich auch via Xbox Live in trauter Zweisamkeit bestreiten, was den Spielspaß merklich erhöht. Nicht zuletzt da eure KI-Wingmen dumm wie Bohnenstroh sind und nur auf die zwei Befehle "Angreifen" und "Verteidigen" hören. Wollt ihr euch direkt mit einem menschlichen Fliegerass messen, so bietet sich der Teamdeathmatch-Modus an. Bis zu acht Pseudo-Richthofen liefern sich hier aufpeitschende Dogfights. Verschiedene Power-Ups, die die Offensiv-Fähigkeit der Mitspieler auf MG-Feuer beschränken oder dank EMP-Attacke die Elektronik ausschalten, sorgen für die nötige Würze. Für Single- und Multiplayer-Einsätze winken Erfahrungspunkte, mit denen ihr neue Waffensysteme und Flugzeuge freischaltet. Da aber ohnehin nach jeder Mission 1 bis 2 Fighter freigespielt werden, hätte man sich die EXP-Zählerei eigentlich auch sparen können.
Grafisch hinterlässt
Tom Clancy's HAWX einen zwiespältigen Eindruck. Ab einer gewissen Flughöhe wirkt die Umgebung fast fotorealistisch, auch die plastischen, volumetrischen Wolken bieten reichlich Eyecandy. Wehe aber dem, der im Tiefflug über die Pampa düst - die eben noch so famose Optik verwandelt sich in niedrig aufgelöste Matschtapeten. Das ist zwar beim Gros aller Flugsimulationen so, da Ubisoft aber vollmundig mit überlegenen "GeoEye"-Satellitenbildern wirbt, hätte ich schon eine schärfere Bodengrafik erwartet. Immerhin ist die Map mit reichlich Bäumen und Gebäuden gepflastert, wobei erstere sichtbar aus dem Boden sprießen und bei nächster Nähe unansehnlich aufpixeln. Zeitweise fühlt man sich unweigerlich an klassische Bitmap-Shooter wie Space Harrier erinnert. Auch mit den Größenverhältnissen scheinen es die Entwickler nicht allzu genau zu nehmen, so hat eine Pixel-Eiche im direkten Vergleich die selbe Höhe wie das Maracanã-Stadion in Rio. Schwerer wiegt aber das mangelhafte Geschwindigkeitsgefühl - stellenweise fühlt man sich eher in einer beschaulichen Propellermaschine statt in einem hochgezüchteten Überschall-Jet. Trotz aller Unkenrufe - die Präsentation ist im Großen und Ganzen zufriedenstellend, was nicht zuletzt an den knusprigen Explosionen und der fulimanten Surround-Kulisse liegt.
Kai meint:
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Gregory meint:
Da wäre sicherlich mehr drin gewesen, Ubisoft... Zwar sind die Dogfights durch gute Steuerung und solide Technik sowohl einsteigerfreundlich als auch hochgradig unterhaltsam, doch diverse Negativpunkte hinterlassen einen bitteren Nachgeschmack. Für mich sind das in erster Linie die sehr limitierten Optionen im Multiplayermodus als auch die Tatsache, dass sich die meisten virtuellen Flieger absolut identisch fliegen und anfühlen. Fluganfänger dürften viel Spaß mit H.A.W.X. haben, die etwas anspruchsvolleren Hobbypiloten werden nicht ganz überzeugt.
Positiv
Negativ