| Genre: | - |
| Spieleranzahl: | 1 |
| Regionalcode: | PAL |
| Auflösung / Hertz: | - |
| Onlinefunktion: | - |
| Verfügbarkeit: | 12. Oktober 2010 |
| Vermarkter: | JoWood |
Wertung |
ArcaniA – Gothic 4 nimmt Traditionen ernst. Wie auch in den Serienvorgängern hat der Spieler keinen Charaktereditor, sondern spielt den „ namenlosen Helden“. Die Story beginnt diesmal ausnahmsweise nicht mit der RPG-typischen Amnesie, sondern im banalen Alltag. Der namenlose Schafhirte will seine Angebetete heiraten. Um die Erlaubnis des Vaters zu bekommen muss er mehrere West-RPG-typischen Handlangerprüfungen erledigen. Eine davon ist es Diego – ein alter Bekannter aus den Vorgängern – zu vertreiben. Hat man die Einwilligung – und vom Schmied gesteckt bekommen, dass die Freundin schwanger ist (warum weiß der das vor mir?), nimmt das Unglück auch schon seinen Lauf. Die Armee von König Rhobar III, der im Übrigen der Held aus Teil 3 war, greift das Dorf an und brennt es nieder. Unter den Opfern findet sich auch die eben noch versprochene Ehefrau. Unser Protagonist wird also vom braven Schafhirten zum Racheengel und macht sich zusammen mit Diego auf die Reise nach Aargan um Rhobar dem III. die Leviten zu lesen.

Genretypisch erlegt man auf seinem Weg viel Getier, Orks, Blutfliegen, usw. und erhält dafür Erfahrungspunkte die uns im Level aufsteigen lassen. Doch hier zeigt sich langsam, dass Gothic 4 nicht ganz an die Freiheiten der Vorgänger anknüpfen kann. Das Levelsystem ist knapp, es lassen sich lediglich Stärke, Dynamik, Ausdauer, Präzision für den Bogen und 3 Elementmagien aufleveln. Ja, richtig, es gibt nur 3 Zaubersprüche die sich aufbauen lassen. Wer hier mit Vielfalt gerechnet hat und ambitionierter Magier ist, kann schonmal enttäuscht sein.

Allgemein erweckt ArcaniA – Gothic 4 den Eindruck, als ob man unter enormer Budget-Knappheit oder Zeitdruck gelitten hat, denn das Spiel wirkt in vielen Belangen sparsam, auch im Vergleich zum Quasi-Pendant Risen. So kann man als Spieler nicht mit allen möglichen NPCs quatschen, was der Welt einen sterilen und leeren Eindruck verleiht. Weder die Trunkenbolde in der Schenke noch die Einwohner der Stadt reden mit euch, es sei denn sie sind Questgeber. Ein weiterer Aspekt der aus der Serie bekannt ist, ist die Möglichkeit sich einer Fraktion anzuschließen. Auch das fehlt in Gothic 4 gänzlich. Ihr rennt lediglich von Quest zu Quest und erledigt die euch übertragenen Aufgaben. Wo wir bei Aufgaben sind: Die beschränken sich meistens auf typische Quests wie „bringe mir 4 Giftpilze, klopp 6 Wildschweine etc“. Vereinzelt gibt es jedoch auch nette Quests, wo man einem verunsicherten Ork die Seele wieder beschaffen muss, die er an einen Kontrahenten verloren hat.

Ebenfalls bekannt aus der Serie ist der Aspekt des Handwerks. So könnt ihr mittels Rezepten oder Schmiedekünsten lernen Waffen zu bauen oder Tränke zu brauen. Hier fällt besonders auf, wie halbherzig die Idee umgesetzt wurde, und dass bei der Entwicklung etwas schief gegangen ist. Überall im Land verstreut gibt es Lagerfeuer, Betten, Alchemietische, Wetzsteine, Schmieden und Kochtöpfe. Mit denen kann der Held jeweils mit dem A Button interagieren. Tut man dies, merkt man jedoch, dass gar nichts passiert, die einzelnen Plätze bieten keine Möglichkeit zu schmieden oder etwas zu kochen. Wer sein Fleisch grillen will, oder einen neuen Hammer schmieden will, tut das im Inventar unter „Handwerk“. Merke also: Wer braucht Schmieden, wenn er sowas mal eben auf einer Parkbank im Wald machen kann. Genauso verhält es sich mit dem Schlafen. Normalerweise legt man sich auf ein fremdes Bett und pennt ein paar Stunden um, die Heals wieder aufzufrischen. In Gothic 4 legt man sich aufs Bett und tut einfach nix. Man liegt da und kann wieder aufstehen. Hier lässt sich deutlich erkennen, dass die Entwickler mehr wollten, es aber schlussendlich einfach nicht mehr umgesetzt haben.
Ebenfalls beliebt sind neben dem Hauptquest zahlreiche Nebenquests. Jedoch gibt es diese in Gothic 4 nur sehr vereinzelt. Mehr als 2 Nebenquests passieren so gut wie nie gleichzeitig. Wer also Angst hat vor lauter Quests nicht mehr den Faden zu finden, wie es noch bei Oblivion – oder eben auch Risen – war, der liegt mit Gothic 4 genau richtig.

Doch nicht alles ist schlecht an Gothic 4. Die Welt sieht schön organisch aus, insbesondere der Wald am Silbersee sieht klasse aus, wenn das Morgenlicht durch die Bäume fällt. Es fällt auf, dass so gut wie nie die gleichen Elemente bei der Umgebungsgestaltung verwendet worden sind, sieht man mal von Klon-NPCs und Kisten ab. Ebenfalls weiß das Kampfsystem zu gefallen. Es ist simpel gehalten, animiert aber durch geschickte Kombos nicht zum wilden Button-Mashing. Wer nur auf den Schlag-Button hämmert hat es im Nahkampf deutlich schwerer. Auch Bögen machen eine Menge Spaß und lassen sich angenehm bedienen. Selten sieht man mal, dass man in einem West-RPG sinnig mit einem Bogen agieren kann, da meist der Nahkampf oder die Magie klar überlegen ist.

Akustisch gibt es auch wenig zu beklagen. Sanfte, unaufdringliche Musik säuselt aus den Boxen, während man die Welt erforscht und stimmt aufs Geschehen ein. Ein zweischneidiges Schwert ist jedoch ganz klar die Dialogvertonung. Teilweise sind die Gespräche so überbetont oder schlecht an die Situatuion angepasst, dass es unfreiwillig komisch wird. Insbesondere bei der Waldhexe flossen schon ein paar Tränen vor Lachen. Wieder spaßig und typisch Gothic ist die raue Umgangsart untereinander. Da soll man schonmal sprochwörtlich „die Fresse poliert bekommen“ oder „an die Schweine verfüttert werden“. Das macht Spaß und klingt nach rauem Mittelalter-Alltag und nicht nach kitischiger Mittelalter-Romantik mit hochgestochenem Geschwafel.

Technisch hat die Xbox 360 Version mit kleineren Macken zu kämpfen. Das Spiel ruckelt leicht. Tearing und Framerate wurden jedoch durch einen Patch bereits verbessert. Wer seine Xbox noch auf 720p stellt, bekommt ein immerhin spielbares Erlebnis, im Gegensatz zur Demo.
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