Gregory meint:
| Genre: | Rollenspiel |
| Spieleranzahl: | 1 |
| Regionalcode: | PAL |
| Auflösung / Hertz: | - |
| Onlinefunktion: | - |
| Verfügbarkeit: | 27. April 2007 |
| Vermarkter: | 2K Games |
Wertung |
Seit über einem Jahrzehnt liefert Bethesda Softworks Action-RPGs, die nicht nur unter Genre-Liebhabern Kultstatus genießen. Kaum eine andere Reihe erschafft und simuliert eine ähnlich gigantische Fantasy-Welt - bereits der zweite Ableger The Elder Scrolls II: Daggerfall umfasste anno 96 eine Fläche doppelt so groß wie die britische Insel. Mittlerweile steht mit Oblivion der vierte Teil in den Startlöchern.
Während der Xbox-Vorgänger Morrowind in der gleichnamigen Provinz angesiedelt war, verschlägt Oblivion den Sofa-Abenteurer ins imperiale Cyrodiil. Hier verrottet euer virtuelles Alter-Ego im Kerker und wartet im Grunde genommen auf sein Bildschirmableben in Form einer standrechtlichen Hinrichtung, als sich plötzlich der Kaiser himself ein Stelldichein gibt. Dem Monarchen wird ebenfalls nach dem Leben getrachtet und wie es der Zufall so will führt sein Fluchtweg direkt durch eure Zelle. Der Gute kennt euch übrigens schon aus seinen Träumen! Bald fällt der ehemals mächtige Herrscher in der Tat einem Attentat zum Opfer und zahllose dämonische Dimensionstore bedrohen die führerlose Nation - ergo betraut euch das Schicksal mit nichts Geringerem als der Rettung der Welt.
So will in der ersten Etappe ein uneheliches Kind des Herrschers aufgespürt werden, denn nur ein rechtmäßiger Thronfolger kann die magische Barriere erneuern, die die friedfertige Nation einst vom düsteren Paralleluniversum Oblivion trennte. Die Hauptquest ist zwar reichlich klischeebehaftet, entwickelt sich jedoch zu einem raffinierten Plot rund um Ehre und Verrat.
Doch bevor ihr in die epische Spielewelt entlassen werdet, will erst einmal euer Avatar frei nach Gusto zusammengebastelt werden. Für den digitalen Counterpart stehen 10 Rassen zur Wahl, von obligatorischen Menschen und Elfen bis hin zu Orks und amphibischen Argoniern. Dabei bringt jede Klasse spezifische Vor- und Nachteile mit sich: Während sich der Mensch als guter Allrounder präsentiert, verfügen Orks über ein besonders üppiges Inventar und Reptilien tätigen dank Kiemen ausladende Unterwasserspaziergänge.
Anschließend wird noch das Gesicht ambivalent angepasst und ein ausführliches Tutorial führt euch in die Spielmechanik ein. Stehen Äußerlichkeiten und Gattung fest, dürfen geneigte Abenteurer aus 20 Jobs wählen, die weitere Fähigkeiten eures Recken bestimmen. Kampferprobte Veteranen können sich auch eigene Klassen zusammenstellen und Attribute individuell verteilen. Des Weiteren verzichtet das Rollenspiel auf ein genretypisches Level-Up-System, es werden stets die Fertigkeiten verbessert, die ihr bevorzugt anwendet. Wer fleißig das Schwert schwingt, schlägt bald kraftvoller, perfide Bogenschützen verbessern langsam Geschick und Präzision.
Eure Fähigkeiten trainiert ihr in den ausladenden Kämpfen, die in Echtzeit über den Bildschirm flimmern. Via Schultertaste schlagt ihr beherzt Richtung Widersacher bzw. blockt die gegnerischen Attacken. In Kombination mit den Richtungstasten lassen sich unterschiedliche Angriffsmuster ausführen, was bei den abwechslungsreich taktierenden Feinden auch bitter nötig ist. Dennoch reduzieren sich Gefechte meist auf stupides Button-Smashing, vor allem bei kleinerem Getier und entsprechend ausgebauter Schlagkraft. Richtig genial fiel das Bogenschießen aus: Euer Pfeil schnellt physikalisch korrekt in einem elliptischen Bogen ins Feindvolk und kann anschließend wieder aufgesammelt werden. Wer exakt treffen will, muss unter Berücksichtigung der Schwerkraft knapp über das ausgespähte Opfer zielen, mit steigender Fähigkeitsstufe landet ihr schließlich Bulls Eyes én masse.
Abgerundet werden eure Skills von rudimentären Zaubersprüchen, die sich via Knopfdruck auslösen lassen - so schleudert ihr prickelnde Blitze und gönnt euch eine entspannende Frischzellenkur. Zeitweise stehen euch in den Scharmützeln NPCs tatkräftig zur Seite, leider dümpelt deren KI auf Bohnenstroh-Niveau vor sich hin. So verbrennen sich eure Kameraden im Eifer des Gefechts schon mal selbst, rennen in eure Schusslinie oder springen beherzt in den nächst besten Abgrund. Die Abstinenz einer Tastatur schmerzt zu keinem Zeitpunkt, dank intelligentem Hotkey-System lassen sich ruck zuck Schlagutensilien wie Magien austauschen.
Wer sich duckend durch die Schatten schleicht, hat Chance auf einen Überraschungsangriff. Eine spezielle Anzeige gibt Auskunft, ob die Dämonenbrut bereits Witterung aufnahm. Außerdem lassen sich im Sam Fisher-Style Schlösser knacken.
Sobald ihr auf Cyrodiil losgelassen werdet, kommt ihr aus dem Staunen nicht mehr heraus. Eine gigantische bis zum Horizont frei begehbare Fantasywelt erwartet den Möchtegern-Frodo, voll von tiefen Wäldern, riesigen Städten und ganzen 200 Dungeons. Jede Lokalität wurde mit viel Liebe zum Detail handgearbeitet, schnöde zufallsgenerierte Kerker gehören der Vergangenheit an. Geht wohin ihr wollt, wann wir wollt, wie ihr wollt, dem virtuellen Entdeckerdrang sind (fast) keine Grenzen gesetzt. Dabei protzt das Imperium nicht nur mit seinen titanischen Ausmaßen, sondern auch mit der Schönheit der Szenerien: Komplexe und aufwändige Architektur paart sich mit zahllosen, individuell gestalteten NPCs, 1000 unterschiedliche Gesichtszüge beherbergt die Disc.
Je nachdem wie man mit der vielschichtigen Bevölkerung interagiert, ist euch diese eher freundlich bzw. feindlich gesinnt. Vor allem zu den örtlichen Händlern sollte man stets einen guten Draht pflegen, eventuell lässt sich bei der nächsten Transaktion ein Freundschaftsrabatt drin. Während das ebenfalls kolossale Morrowind durch quälend lange Gewaltmärsche in die Kritik geriet, schießt Oblivion hier etwas über das Ziel hinaus. Zu einmal besuchten Ortschaften und selbst Stadtteilen lässt sich bequem per Knopfdruck »beamen«, wodurch die monumentalen Ausmaße wieder zusammenschrumpfen. So bleiben auch die spaßigen Ausritte eher eine Ausnahme.
Wer nur stupide von einem Story-Event zum nächsten hetzt, sieht bereits in 25 Stunden den Abspann über den Bildschirm flimmern. The Elder Scrolls zieht seine Faszination vor allem aus den üppigen Sidequests. Deren Zeitaufwand tangiert zwischen fünf Minuten und mehreren Stunden, wobei von gewöhnlichen Botendiensten bis zum anspruchsvollen Geleitschutz alles verlangt wird. Niveau und Abwechslung variieren hier, das Gros der Nebenmissionen fiel aber erfreulich spannend aus und führt euch durch tiefe Schluchten, verfallene Schlösser und vergessene Verliese, die euch ansonsten vorenthalten blieben. Ein vorbildliches Questlog gibt stets Auskunft, was wo erledigt werden muss. Planloses Umherirren, wie im Vorgänger, entfällt.
Für zünftige Unterhaltung sorgt auch eine Hommage an den ersten Teil der The Elder Scrolls-Saga. In der imperialen Hauptstadt erwartet euch eine ausgewachsene Kampfarena, in der ihr mit Wetten euer Taschengeld aufbessert oder einfach selbst zur Streitaxt greift. Wem das Sortiment des örtlichen Waffenhändlers nicht zusagt, bastelt eigene Totschläger, Alchemisten kreieren individuelle Zaubersprüche, die die Schwachstellen jedes noch so furchterregenden Daedra ausnutzen. Urbane Abenteurer kaufen sich ein Reihenhaus und probieren sich schließlich an der Inneneinrichtung.
Im Vergleich zur Xbox 360-Version bietet die PS3-Edition viele Detailverbesserungen. Die Sichtweite wurde erhöht, der »Level of Detail« der Texturen hochgeschraubt, die Lichteffekte verschönert und die allgemeine Farbgebung etwas realistischer gestaltet. Des Weiteren fielen die Ladezeiten eine Nuance kürzer aus. Das PC-AddOn »Knights of the Nine« ist bereits enthalten, allerdings versäumte man es leider die teils katastrophale Übersetzung auszubügeln. So finden sich kryptische Bezeichnungen wie »Schw. Tr. D.Le.en. W.« im Inventar, der Heilzauber wird hingegen mit »Feuerball« tituliert. Ärgerlicherweise lassen sich keine englischen Texte auswählen, dafür fielen die knapp 50 Stunden deutsche Sprachausgabe ebenso professionell wie atmosphärisch ausgefallen.
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Als überzeugter Japano-RPGler war ich dem scheinbar verwestlichten The Elder Scrolls IV: Oblivion gegenüber skeptisch eingestellt. Nach einigen Längen kommt die Storyline jedoch in Fahrt und überrascht mit spannenden Wendungen. Das eigentliche Gameplay ist über jeden Zweifel erhaben, Umfang, Non-Linearität, Grafik - hier stimmt einfach alles. Nur das Kampfsystem fiel für meinen Geschmack etwas zu seicht aus, dieser Umstand wird allerdings durch die zahllosen Freiheiten bei der Charakterentwicklung mehr als wettgemacht. Bloß für die stümperhafte deutsche Übersetzung gibt es keine Entschuldigung ...
Positiv
Negativ