Erinnert ihr euch noch an die gute alte Zeit, in welcher ein anständiges Fantasy-Adventure aus Dungeons mit Monstern, vielseitig einsetzbaren Items und einem naiven Helden mit einem magischen Schwert bestand? In der Hochzeit dieser Spiele wurden selbige mit wunderschönen Pixelgrafiken generiert, welche beinahe zur Definition des Grafikstils dieses Genres wurden. In der Zeit von foto-realisitischen Grafiken hat es sich Silicon Studio zur Aufgabe gemacht, diese Ära erneut aufleben zu lassen. 3D Dot Game Heroes ist das Ergebnis und ob es etwas taugt haben wir herausgefunden.
Es sind dunkle Zeiten für das Königreich Dotnia. Nachdem der legendäre Held das Böse mit Hilfe der sechs Weisen geschlagen hatte, ließ das Interesse am Königreich mehr und mehr nach. So beschloss König Tezro, dass Dotnia moderner werden müsse und führte sein Reich in die dritte Dimension. Dass dieser Schritt jedoch das gebannte Böse wieder erstarken ließ, konnte er nicht ahnen. Monster überschwemmten das Land und selbst Prinzessin Iris verschwand spurlos.
Dotnia braucht einen Helden. Einen Helden, der das heilige Schwert erneut führt, die Orbs der sechs Weisen aus finsteren Dungeons birgt, die Prinzessin rettet und das Böse - in Form des dunklen Bischofs Fuelle - erneut in die Schranken weist. Ja, das alles klingt doch ein wenig nach
Zelda, oder?
ZELDA! So, jetzt hab ich's gesagt. In der Tat ist
3D Dot Game Heroes eine riesige Hommage an die frühen
Zelda Titel von Präsentation über Gameplay bis hin zur Musik. Genaugenommen erinnert das Gesamtwerk
3D Dot Game Heroes stark an einen Mix auf dem Ur-
Zelda und
A Link to the Past. Nun nimmt sich der Titel nicht wirklich ernst: die Bewohner von Dotnia sind sich wohl bewusst, dass sie sich in einem Videospiel befinden und viele ihrer Gespräche drehen sich um genau dieses Thema. Der Titel geht dabei humorvoll und gleichzeitig respektvoll vor und rechtfertigt so seine Existenz als Zwischending aus Hommage und Parodie ohne dabei billig zu wirken oder einfach nur ein erfolgreiches Konzept billig zu kopieren.
Doch bevor wir uns hier verlieren, lasst uns den Titel in seine, aus Blöckchen bestehenden, Bestandteile zerlegen. Bevor ihr eure epische Queste startet, habt ihr die Wahl aus einer großen Masse von Charakteren. Wie schon die gesamte Spielwelt sind diese in einer dreidimensionalen Blöckchengrafik gehalten und mit absichtlich ruckartig wenigen anmutenden - sprich: sehr wenigen - Animationen versehen. Ist euch die Auswahl der dutzenden Charaktere nicht genug, könnt ihr mit einem integrierten Editor selbst einen eigenen Helden erstellen. Der Editor selbst ist intuitiv, doch sollte er in Sachen Komplexität nicht unterschätzt werden, vor allem wenn es um Animationen geht. Ein jeder wird spielend einfach Zugang finden. Die Bedienung ist einfach und alle Elemente wunderbar erklärt. Dennoch sollte man sich gleichzeitig bewusst sein, dass eine Charaktererschaffung nicht in zwei Minuten vonstatten gehen wird.

Habt ihr euch einen Helden geschaffen oder aus der breiten Palette vordefinierter Modelle ausgewählt beginnt euer Abenteuer. König Tezro gibt euch im Schloss ein schnelles Briefing: Nur ihr könnt Dotnia retten. Also besorgt euch das heilige Schwert, wagt euch in die Dungeons, holt euch die Orbs der Weisen und schlagt damit den dunklen Bischof Fuelle und - wenn es nicht zu viele Umstände macht - rettet die Prinzessin. Doch bevor ihr komplett unvorbereitet losstürmt, nehmt noch das Holzschwert als Geschenk, denn "
It's dangerous to go alone!"
Der einzigartige grafische Stil des Spiels offenbart sich schon früh in seiner ganzen Pracht. Nostalgiker fühlen sich in eine dreidimensionale Inkarnation der 8-Bit-Klassiker versetzt, welche ebenso ein wenig wie ein Ausflug ins Legoland anmutet. Anderen mag der Look ein wenig an die kurzlebige Voxel-Technik erinnern, auch wenn
3D Dot Game Heroes hier natürlich technisch wie atmosphärisch eine andere Zielsetzung hat und die technische Realisierung unterschiedlich ist.
Auch wurde mit Effekten nicht gespart: Farbenfrohe Lichteffekte, glitzerndes Wasser, sowie Spiegelungen auf den Böden der Dungeons polieren das Erlebnis und ein jeder Gegner, der eurem Schwert zum Opfer fällt, zerspringt und kleine Blöckchen fliegen umher. Tiefenunschärfe sorgen zudem dafür, dass der Blickwinkel auf das ulkige Erlebnis einen realistischen Flair versprüht.
Dennoch gibt es hier auch eine negative Seite: Speziell in Dungeons treffen oft viele der genannten Effekte zusammen und sorgen stellenweise für einen spür- und sichtbaren Einbruch der Framrate. Die Masse an verwendeten Blöcken und die detailreichen Spiegeleffekte lassen zwar erahnen, warum das Spiel so strauchelt, führen aber durch die generell simple Präsentation zu Unverständnis: Hier hätte man nachbessern können und müssen.
Die Dungeons an sich werden einen großen Teil des Gameplays einnehmen. Wie schon bei
Zelda liegt hier ausdrücklich der Schwerpunkt und auch vom Design wurde mächtig abgekupfert. Ein jeder Dungeon ist unterteilt in Räume, welche jeweils einen Bildschirm ausfüllen. Hier gibt es massig Monster, Fallen in Form von Fallgruben oder Pfeilen, die aus den Wänden schießen. Und auch Rätsel wollen von euch gelöst werden. So verschiebt ihr Blöcke in bestimmte Richtungen um euch Wege durch Labyrinthe zu bahnen, aktiviert Schalter in der richtigen Reihenfolge und müsst auch Zauber einsetzen um geheime Passagen zu offenbaren.

Natürlich wartet am Ende eines jeden Dungeons auch noch ein Boss auf euch, dessen Raum ihr mit einem speziellen Schlüssel öffnen könnt. Wer bereits jetzt schon an einer Überdosis Déja-Vu leidet, dem sei noch gesagt, dass diese Bosse nicht zwingend mit dem Dungeon-spezifischen Item besiegt werden müssen. Fast ein wenig enttäuschend, nicht wahr? Dennoch sind die Bosse erfrischend abwechslungsreich und vor allem auch herausfordernd. Um diese Obermotze zu besiegen solltet ihr euch eine gute Strategie, sowie ausreichend Heiltränke zurechtlegen.
Leider kranken Dungeons oft an der Kameraperspektive. Oft überdecken Lebens- und Magieanzeige Gegner oder einige Fallen, was zu unschönen Wunden eures Helden führt. Das Spiel gibt euch lediglich auf der Oberwelt die Auswahl zwischen drei voreingestellten Kameraperspektiven, welche den Neigungswinkel und Entfernung der leicht abgeknickten Vogelperspektive des Spiels verändern. Eine vollkommen freie Kamera gibt es im Spiel leider nicht. Dass ihr im Spiel Screenshots anfertigen könnt und dort jeden erdenklichen Blinkwinkel mit Hilfe der Analogsticks herbeiführen könnt macht das Problem nur noch ärgerlicher, da man genau ersehen kann, wie es hätte richtig funktionieren können.
Ebenso findet sich in jedem Dungeon ein spezielles Item, welches euch auf eurem Abenteuer noch von Nutzen sein wird. Dazu zählen alte Bekannte wie der Bumerang mit dem ihr Gegner betäubt, Bomben mit denen ihr Wände aufsprengt, den Enterhaken der euch Abgründe oder Wassergräben überqueren lässt und vieles mehr.
Doch das mit Abstand interessanteste Item stellt hier euer Schwert, oder besser gesagt eure Schwerter - dar. Denn derer gibt es gleich zuhauf im Spiel zu finden, jedes mit einer unterschiedlichen Stärke versehen. Doch ist dies noch nicht der beeindruckenste Umstand. Ist eure Energieleiste vollständig gefüllt, erstreckt sich auch das schwächste Schwert über den halben Bildschirm und ermöglichen weitreichende Attacken. Zudem könnt ihr ein jedes Schwert beim Schmied bis zu einem gewissen Limit aufleveln. Die Klinge verlängern, verbreitern, Energiestöße abgeben oder die pure Kampfkraft verstärken; hier ist alles dabei - so weit es das Potential des Schwertes und eure Geldbörse erlaubt.

Leider steckt hier der Teufel im Detail der sehr strengen Kollisionsanfrage. Euer Schwert kann solide Objekte natürlich nicht durchdringen, weswegen es alleine schon durch den Blinkwinkel vorkommen kann, dass die Klinge, welche nicht selten doppelt so breit wie euer Held ist, an einem Objekt hängen bleibt und euch so ein Gegner gefahrlos angreifen kann. So sind einige Übungsstunden vonnöten. Danach werdet ihr das Schwert alleine schon aufgrund seiner Größe primär einsetzen und andere Items kommen, auch wenn sie zum Kampfeinsatz gedacht sind, immer seltener zum Einsatz.
Ansonsten gibt es steuerungstechnisch nichts zu bemängeln. Eure Figur bewegt sich schön flüssig und immer gezielt dahin, wo ihr ihn/sie haben wollt. Und wenn auch das Schwert seine Fehler hat, wird es zum treuen Freund und nicht zum ärgsten Feind, sodass ihr euch immer auf die vor euch liegende Aufgabe konzentrieren könnt statt auf die Steuerung achten zu müssen. Besonders gelungen ist hier das Item-Management. Während ihr neben eurem Schwert nur ein weiteres Item ausrüsten könnt, lassen sich verfügbare Items leicht mithilfe von L2/R2 durchblättern. Diese Auswahl ist zudem noch frei zu konfigurieren, was den Schnellzugriff in brenzligen Situationen noch weiter vereinfacht.
Nun hat
3D Dot Game Heroes neben den Dungeons weitaus mehr für euch zu bieten. Dotnia ist groß und eine riesige Oberwelt wartet darauf von euch erforscht zu werden. Auch hier warten Geheimnisse, die euch zu Schätzen führen, Höhlen, die Feenquellen beherbergen um eure Gesundheit zu regenerieren, Dörfer und Städte mit Charakteren, welche euch Nebenquests anbieten und einiges mehr. Zudem könnt ihr auch an drei unterschiedlichen Minispielen teilnehmen. Diese bestehen aus einem Rennspiel (darf man hier wörtlich nehmen), das einlädt auf unterschiedlichen Parcours Bestzeiten zu erreichen, einem Breakout Spiel bei dem ihr mit einem Ball Blöcke zerstören müsst und Block Defense, welches verlangt Welle um Welle von Gegnern mit Verteidigungsanlagen zu stoppen.
Diese Minispiele sind jedoch nur eine nette Dreingabe und auch nicht wirklich relevant für das Bestehen eures Abenteuers. Hier hätte man stattdessen die Nebenquests ausbauen können, derer Umfang leider ein wenig zu wünschen übrig lässt.
Dennoch ist die Oberwelt erstaunlich groß und auch wenn die Blöckchengrafik ein wenig nach Baukasten aussieht wird hier massig Abwechslung und verspieltes Detail geboten, die mit dem Design der Charakteren und Bösewichten eine perfekte Einheit bildet. Schade jedoch, dass hier wiederum an einer anständigen Übersichtskarte gespart wurde. Zwar gibt es während des Spiels eine nette Detailkarte; doch deckt diese nur eure unmittelbare Umgebung ab. Die Weltkarte ist auf der anderen Seite ein wenig unübersichtlich und undetailliert unter Anbetracht der schieren Größe von Dotnia. Forschungsdrang und das tatsächliche Kennenlernen der Welt wird hier also groß geschrieben.

Negativ fallen desweiteren vor allem in der Oberwelt die Ladezeiten auf, die während dem Wechseln von einem Gebiet auftreten. Die optionale Festplatteninstallation ist hier Pflicht und verkürzen die Ladezeiten auf ein erträgliches Maß von ca. drei Sekunden. Hier fällt jedoch weiterhin die Verspieltheit der Entwickler auf. So präsentiert ein jeder Bildschirm ein stilisiertes Cover eines großen Spielklassikers aus vergangenen Tagen.
Neben den sinistren Gestalten werdet auch ihr selbst bei
3D Dot Game Heroes einiges auf die Ohren bekommen. Soundeffekte klingen 8-Bit-typisch, wurden aber selbstverständlich aufpoliert und passen perfekt zum Feeling des Spiels. Die Hintergrundmusik ist orchestral gehalten und passt thematisch immer gut zur Umgebung. Wir bekommen hallende Töne innerhalb der Dungeons und optimistisch-treibende Klänge in der Oberwelt. Hier können wir nun wirklich nicht meckern.
Im Gesamteindruck hinterlässt
3D Dot Game Heroes jedoch gemischte Gefühle. Das Gesamtkonzept ist interessant und gewiss beeindruckend. Das Spiel ist eine einhundertprozentige Hommage an die Klassiker der
Zelda-Serie und will auch gar nicht mehr sein. Dennoch neigt man aufgrund dessen zu sehr zu Vergleichen und vor allem in Belangen des Gameplays kann es an den Großmeister der Adventure-Games einfach nicht heranreichen - dafür gibt es zu viele Fehlschliffe und Designfehler. Der Titel besitzt trotz aller gezogenen Vergleiche eine Eigendynamik, welche sich aber selbstverständlich nur im Rahmen seiner Vorlage erreichen kann. Ein jeder der
A Link to the Past gespielt hat, kann sich hier in nostalgische Gefilde begeben, wird aber selten etwas Neues erleben. Wer über einen Kauf nachdenkt sollte sich dessen im Klaren sein.
Positiv
Negativ