| Genre: | Strategie |
| Spieleranzahl: | 1 - 2 |
| Regionalcode: | Regionfree |
| Auflösung / Hertz: | - |
| Onlinefunktion: | - |
| Verfügbarkeit: | 10. July 2012 |
| Vermarkter: | Focus |
Wertung |
Der Ball wird geworfen. Mehrere mit Aggression aufgepumpte Kerle rennen aufeinander zu und versuchen sich gegenseitig umzuwerfen, während einer diese Mauern taktisch klug umrennt um mit dem Ball in die Endzone zu rennen. Einige Widersacher kommen auf ihn zugestürmt. Sein letztes Stündchen hat geschlagen, doch er ist flink genug auch diese Hürde zu meistern, während seine Gegner nach ihm springen, aber nicht zum Packen bekommen. Touchdown! Ja, das ist Football! Und was spielen die Nerds? Blood Bowl! Zwar nicht ganz so Körper betont, trotzdem eine gute Alternative zum Football im TV? Erfahrt es bei uns!

Eigentlich ist nur das Grundprinzip von Football an Blood Bowl angelehnt. Aber mal ganz von vorne: Blood Bowl ist ein Tabletop-ähnliches Spiel aus der Fantasy-Spieleschmiede Games Workshop. Auf einem festen Spielbrett kämpfen zwei Fantasy-Mannschaften mit maximal 16 Spielern rundenbasiert um den Sieg. Bei dem Originalspiel treten insgesamt 21 Rassen an, die Videospiel Umsetzung muss sich mit acht zufrieden geben: Die Menschen, die Zwerge, die Skaven, die Orks, die Echsenmenschen, die Goblins, die Waldelfen und die Chaos. Jede Rasse hat sieben verschiedene Teams zu bieten. Es steht dem Spieler aber auch frei eine eigene Mannschaft zu gründen.


Ist das erledigt finden wir uns auch schon gleich auf dem Spielfeld wieder. Mal schauen, ob die vielen Tutorials Spuren hinterlassen haben. Ich werde nach meiner Spielaufstellung gefragt. Da das mein erstes Spiel ist, nehme ich einfach die Standard-Aufstellung. Es gibt zwar viele verschiedene voreingestellte Aufstellungen, sogar eine komplett eigene kann ich erstellen und speichern, doch als Anfänger sollte dies nicht meine erste Wahl sein. So falsch kann man mit der Standard-Aufstellung nicht liegen. Auf dem Spielfeld werden erst mal alle Figuren geladen. Der Gegner wirft den Ball zu mir und wird auch flott von einem meiner Fänger gehalten. So, nun steh ich da. In einem rundenbasierten Football-Spiel ohne viel Ahnung von der Taktik. Ich versuche erst mal mit Feldspielern die gegnerische Mauer zu durchbrechen. Mit X markiere ich meinen Spieler, noch mal mit X markiere ich anschließend den Gegner. Fast alle Aktionen benötigen nur die X-Taste, das macht die Steuerung sehr schnell erlernbar. Mit dem Analog-Stick lässt sich übrigens ganz schick die Kamera drehen und zoomen, doch dazu später mehr.
Mein Feldspieler rennt auf den gegnerischen Verteidiger zu. Nun wird wie in der Original-Tabletop-Version von Blood Bowl gewürfelt. Je nachdem, wie die Würfel fallen, werden andere Aktionen ausgeführt wie schieben, zu Boden werfen, aber auch selber zu Boden gehen. Wenn einem das Würfelergebnis nicht gefällt, kann man, je nachdem, wie oft die gewählte Mannschaft mit ihren Fertigkeiten das Ergebnis wiederholen kann, noch mal würfeln. Ich entscheide mich dazu den Gegner auf die Seite zu schieben, um meinem Läufer einen Weg in die gegnerische Endzone zu verschaffen. Ein weiterer Feldspieler soll noch mehr Platz schaffen. Doch leider steht er zu weit weg. Ich muss sprinten, um meinen Spieler zum gegnerischen Verteidiger zu kriegen. Das ist allerdings nur mit Bedacht zu wählen. Beim Sprinten wird gewürfelt, ob der Spieler es schafft oder stürzt. Sobald man stürzt, ist mein Zug vorbei und der des Gegners startet. Glücklicherweise schaff ich es zum Gegner. Was ich vorher nicht bedacht hatte: Am unteren Bildschirmrand stehen die Eigenschaften des Gegners, wie beispielsweise Stärke und Agilität, und somit renne ich natürlich in einen Gegner, der doppelt so stark ist wie ich. Bevor ich „Oh schei...“ sagen konnte, lag mein Spieler nach einem Hieb ins Gesicht auch schon am Boden. Ende meines Zuges! Der Gegner ist dran...


Zum Glück habe ich den Schwierigkeitsgrad erst mal auf leicht statt auf normal oder schwer gestellt. Doch auch hier zeigt die KI ordentlich was sie drauf hat. Flott hat sie drei meiner Spieler umgeschmissen und rennt auf den Läufer zu, dem ich den Ball die Runde zuvor zugeschmissen hatte. Da ihre Feldspieler natürlich auch stärker als meine Läufer sind, hat seine Karriere ein schnelles Ende. Zwei gegnerische Spieler stehen genau nebeneinander und können somit eine stärkere Attacke ausführen: Einer haut ihn um, der andere tritt nach. Das ist zwar sogar bei Blood Bowl verpöhnt, doch wenn der Schiri nichts sieht ist das in Ordnung. Mein Läufer liegt nun schwerverletzt am Boden und kann nur durch einen Medic wiederbelebt werden. Glücklicherweise hat mein Team einen, neben ein paar Cheerleadern, die die Mannschaft mit ihren Parolen und Tanzeinlagen mit Boni unterstützen. Der Gegner ist nun im Ballbesitz und beendet seinen Zug, da er seine Spieler schon genug bewegt hat. Nun hängt es an meinen paar Abwehrspielern schlimmeres zu verhindern. Direkt an den Gegner komm ich leider nicht ran, doch ich kann versuchen ihm den Weg zu versperren. Das Spielfeld ist in kleine Felder eingeteilt. Die Felder um meinen Spieler herum sind Angriffsflächen, in denen ich prügeln und den Gegner am Vorbeilaufen hindern kann. Der gegnerische Läufer stürmt los... An meinem ersten Spieler vorbei. Es wird gewürfelt, der Läufer schafft es! An meinem zweiten Spieler vorbei. Es wird gewürfelt, der Läufer schafft es! Touchdown!
Ohne das Gefühl etwas Gutes geleistet zu haben wird man so nach und nach vom Gegner überrannt. Die KI weiß, was sie darf, was sie kann und was sie sich erlauben darf. Die vielen Tutorials helfen zwar in die Spielmechanik hineinzufinden, doch richtig lernt man das Spiel erst auf dem Spielfeld. Aber selbst hier werden Anfänger erst mal vernichtend geschlagen werden. In Blood Bowl muss man sich reinspielen, um das Regelwerk richtig zu verstehen. Somit ist das Fantasy-Footballspiel nichts für jedermann. Wer sich reinarbeiten will, wird allerdings mit einem sehr unterhaltsamen Strategiespiel belohnt. Die Blood Bowl Kampagne lässt den Spieler ein komplett eigenes Team erstellen, dass danach auch im „schnellen Spiel“ verfügbar ist. Der Spieler bestimmt den Namen des Vereins, das Logo und managed den Verein. Als erstes muss ein Kader erstellt werden. Dafür ist anfangs auch nur begrenzt Geld da, doch mit gewonnenen Spielen verdient man neues. Hierbei muss genau studiert werden, welche Figur welche Fertigkeiten besitzt. Die erworbenen Spieler lassen sich sogar auch noch umbenennen. Man hat also die Möglichkeit, sein komplett eigenes individuelles Team zu erstellen. Das wäre noch mal doppelt so prima, wenn das Spiel einen Online-Multiplayer hätte... Doch dazu später mehr. Neben Spielern kann man sich natürlich noch die bereits erwähnten Medics und Cheerleader zu legen, die oft spielentscheidend sein können. Zu guter Letzt gibt es noch sogenannte Erweiterungen, die vor dem Spiel eingesetzt werden können. Beispielsweise kann man den Schiri bestechen, damit er nicht hinguckt, wenn man auf einen am Boden liegenden Gegner tritt.


Der Mehrspieler-Modus bietet leider einen großen Negativ-Punkt, den ich bereits erwähnt hatte: Kein Online-Modus. Für ein Spiel, dass am meisten Spaß gegen menschliche Gegner macht ist das leider unverzeihlich. Spieler müssen sich mit einem Hot-Seat, in dem eine PSP einfach weitergereicht wird, und einem Wireless-Modus zufrieden geben. Für diesen braucht man allerdings zwei PSPs und zwei UMDs des Spiels.
Leider muss ich zu einem weiteren Negativ-Punkt ausschlagen: Die Technik. Grafisch präsentiert sich Blood Bowl leider nur zweckmäßig. Mit dem Analog-Stick lässt sich reinzoomen und zeigt kantige, schlecht modellierte und detailarme Spielfiguren, die sich auf dem immer gleichen Spielfeld bewegen. Da zoomt man lieber ein Stück raus. Auch, um die Übersicht zu erhalten. Dafür muss man sagen, dass das Spiel durchweg flüssig läuft und nur sehr selten ins stottern gerät. Der Sound ist ebenso mager ausgestattet. Treibende Orchesterklänge beleben die Menüs, doch auf dem Spielfeld ist meist totenstille, oder zumindest so leise, dass man kaum Musik hört. Nur die Würfel- und andere Geräusche sind auf dem Spielfeld vorhanden. Das lässt den Spieler zwar in Ruhe nachdenken, doch etwas mehr Action wäre schon nicht schlecht gewesen. Das alles als Negativ-Punkt zu werten ist vielleicht auch etwas hart gegriffen. Das Spiel leidet nicht wirklich darunter. Es wäre nur wünschenswerter gewesen in Sachen Technik etwas mehr geboten zu bekommen.
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