Genre: Strategie
Spieleranzahl: 1 - 16
Regionalcode: -
Auflösung / Hertz: -
Onlinefunktion: Ja
Verfügbarkeit:
Vermarkter: -

Wertung

7

Userwertung

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In der Computerspiel-Branche ist des derzeit wie in der realen Politik - echte Ideen sind schon vor 10 Jahren ausgegangen, nun versucht man sich nunmehr mit dem aufwärmen unlängst bereits zu Grabe getragener Einfälle. Auch Colonization ist so ein Oldie aus dem nahen Altersheim, den Firaxis (Firma des Ur-Autors Sid Meier) nun im Civilization IV Gewand noch einmal auf die Bildschirme schickt. Dank Asypr kommen dabei auch Macintosh User in den Genuss des Remakes...
Wie es Remakes nun einmal so ansich haben, ist es mit richtig neuen Ideen Essig. Darum gilt es natürlich auch in Civilization IV - Colonization (das übrigens als "standalone" Spiel auch ohne Civilization IV spielbar ist) wiederrum um Etablierung & Aufbau von Kolonien in der "Neuen Welt". Dies kann wahlweise eine reale Karte Amerikas bzw. der Karibik oder eine völlig willkürliche Kreation sein. Seid ihr nach Wahl eurer Nation (Frankreich, Holland, Spanien, England) in der Neuen Welt eingetroffen, darf kräftig gesiedelt werden.

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Dazu errichtet ihr Kolonien neben oder auf geeigneten Ressourcenfeldern, baut diese mit zahlreichen Stadtverbesserungen aus, handelt mit Indianern oder dem europäischen Mutterland und erklärt irgendwann frohen Mutes eure Unabhängigkeit, woraufhin dann das königliche Expeditionscorps zum Brandschatzen vorbeisieht. Erst wenn die allerdings meist nicht zu schwer zu besiegenden Monarchisten abgezogen sind, dürft ihr euch im Glanz eurer neuen Republik sonnen.

Bis dahin ist es aber ein ganz schönes Stückchen Wegstrecke. Da wäre beispielsweise seine königliche Hoheit, der alle paar Runden nach einem Tribut fordert und die Steuerquote in derart atemberaubender Geschwindigkeit erhöht, dass selbst BRD-Politiker noch etwas davon lernen können. Außerdem tauchen in späteren Runden gern mal Piraten auf, die eure Handelsschiffe aufs Korn nehmen, was ganz schön weh tun kann. Wer einmal einen Silbertransport auf dem Weg nach Europa verloren hat, kann dieses Leid nachvollziehen können.

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Last but not least bleibt als dritter Störfaktor noch die eingeborene Bevölkerung. Denn die Indianer-Nationen wie Sioux, Cherokee, Irokesen, Arawak, Inka oder Maya sind natürlich über euer Vordringen nicht sehr erfreut. Wird eure erste Kolonie zumeist noch freundlich aufgenommen, ist es angesichts der Knappheit an Land bald vorbei mit der Freundschaft. Dabei spielt aber auch eure Nationalität eine Rolle: Als Spanier raubt und brandschatzt man ohnehin alles was man kriegen kann, als Franzose lebt es sich hingegen weitaus entspannter mit der indigenen Population.

Wobei dieser Aspekt durchaus noch etwas umfangreicher und dynamischer hätte werden dürfen, nein müssen! Denn die Indianer agieren immer noch so hölzern wie Anno 1995. Gab es in der Realität doch große Unterschiede zwischen "zivilisierten" Indianer-Stämmen wie den Cherokee und jenen, die direkt schon beim ersten Kontakt ihren Ruf als Kriegerstamm zu untermauern suchten.
Apropos Krieg - generell ist davon (und gerade im Vergleich zu Civilization IV) eher wenig zu spüren. Abgesehen von den Piraten oder verärgerten Indianern kommt es mit anderen Europäern eher selten zu Reibereien. Allerdings nutzen diese mitunter durchaus ihre Machtposition aus und greifen reiche, aber schwach befestigte Kolonien an. Wohl dem, der dann rasch eine schlagkräftige Miliz aufstellen kann oder gar eine großzügig Berufsarmee zur Verfügung hat. Für letztere muss allerdings immer noch kein Sold aufgebracht werden, sehr seltsam - denn dadurch wird Colonization selbst auf höheren Schwierigkeitsgraden doch fast einen Tick zu einfach. Dabei war in der Historie doch gerade der Kampf Bürgermiliz gegen erfahrene Königstruppen das Salz in der Suppe und hätte auch hier umsichtigere Strategien im Unabhängigkeitskrieg (Terrain nutzen usw.) geführt. Lediglich auf dem Wasser ist die royale Übermacht meist erdrückend. Sei's drum.

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Ebenfalls etwas zu kurz gekommen ist die Diplomatie. Im Vergleich zu 1995 hat sich hier tatsächlich nur wenig getan. Das ist bedauerlich, denn ein klug aufgezogenes KI-Modell hätte dem Titel zu wesentlich mehr spielerischer Tiefe verholfen und insbesondere bei kleineren Karten für zusätzliche Spannung gesorgt. Dinge wie fixe Handelsverträge, das Überschreiben von Kolonien (auf Dauer), Kauf von Territorium und und und hätte dort alles seine Berechtigung gehabt.

Das gilt leider auch für die Handhabung: Wer eine automatische Handelsroute zwischen zwei Kolonien etablieren will, darf rund ein halbes Dutzend Klicks tätigen. Leider aber gerade bei größeren Karten / mehr Kolonien eine absolut unerlässliche Funktion, um das ausufernde Mikro-Management zumindest ansatzweise einzudämmen. Denn tendenziell muss jede einzelne Ressource per Hand auf den nächsten Transport verladen werden. Zwar ist Colonization immer noch relativ leicht zugänglich (was man von manch einem Mac-Strategiespiel nicht gerade behaupten kann), bei solchen Dingen treten dann aber die Abnutzungserscheinungen der vielen Jahre klar zutage. So ist Colonization tatsächlich viel mehr "nur" das Colonization aus den 90er Jahren mit dem Look von heute.

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Naja - oder von gestern? Denn die Civ 4 Engine ist natürlich mittlerweile etwas angestaubt. Sowohl was Texturen als auch Animationen zeigt sind die Ansprüche seit 2006 natürlich wieder ein gutes Stück geklettert. Andererseits ist das bei einem Strategiespiel ohnehin eher zu verschmerzen und verhältnismäßig mäßige Systemanforderungen sind ein guter Kompromiss. So reicht hier schon eine 1,8 Ghz CPU (Intel Core Duo), 10.5 Leopard, 1 GB RAM sowie eine 128 MB Grafikkarte, wodurch sogar Besitzer etwas älterer Macs noch in den Genuss kommen.

Übrigens: Karten des nordamerikanischen Kontinents sind in verschiedenen Größen bereits vorhanden. Wer mehr will, kann von Seiten wie CivFanatics auch noch weitere Karten herunterladen. Dank des universellen Formats sind die Karten nämlich sowohl auf PC als auch Mac nutzbar.

Sebastian meint:

Sebastian

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Es ist so ein bisschen wie mit dem Lieblingsonkel aus der Kindheit - nach Jahren trifft man ihn auf einer Familienfeier und stellt enttäuscht fest, dass er verdammt gealtert ist. Das gilt in etwa auch für Colonization. Den Sprung in die nächste Generation hat man mit Civilization IV - Colonization definitiv nicht gewagt, das Endprodukt hat vielmehr "Mod" Charakter. Strategiefans oder Nostalgiker sollte das aber nicht vom Kauf abhalten, denn trotz der Einschränkungen liefert uns Aspyr hier einen brauchbaren Strategietitel für unsere Apfelrechner!

Positiv

  • Zeitloses Spielprinzip
  • Ausgeklügeltes Wirtschaftssystem
  • Gute Modding Möglichkeiten

Negativ

  • Diplomatie enttäuschend
  • Heere zu leicht aufzustellen
  • Viiiel Mikro-Management
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