Viel hat man gehört und gelesen über die Machenschaften von Gizmondo Europe und den Vertretern. Schuldenberge, teure Enzo Ferraris auf Firmenkosten, schwedische Mafia, Veruntreuung und vieles mehr. Doch einige wissen wahrscheinlich nicht einmal wer oder was Gizmondo überhaupt war oder überhaupt wollte. Dieses Special soll einen Ein- und Überblick abseits des reinen Handheldbetriebes gewähren.
Da die Geschichte von Gizmondo und seiner Vertreter eine „Geschichte voller Missverständnisse und Verwirrungen“ ist, startet unser Special mit einen groben Überblick über die Gizmondo Ltd. und stellt erst anschließend die Protagonisten und ihre Verwicklungen sowie persönlichen Geschichten einzeln vor.
Prolog - Tiger Telematics
Tiger Telematics hieß die Mutterfirma von Gizmondo Europe. Der spätere Gizmondo Europe Gründer Carl Freer betrieb in den 90er Jahren in Schweden eine Vertriebsfirma für GPS Geräte, als er zum ersten Mal auf Stefan Eriksson traf. Doch dazu später mehr. Im Jahre 2002 fusionierte seine Firma mit dem US Teppich-Vertrieb „Floor Decor“ aus Florida. Die Geschäftsbereiche wurden nach einem radikalen Richtungswechsel auf elektronische Unterhaltung umgestellt. Da Floor Decor in den USA an der Börse gelistet war, konnte Freer neue Aktien ausgeben und dadurch Investorenkapital akquirieren. Nach dem Konkurs von Gizmondo Europe im Januar 2006 ging es folglich anschließend auch mit Tiger Telematics bergab, da man selbst keine Geschäftstätigkeit hatte - außer eben Investorengelder für die Gizmondo-Tochter zu sammeln.
1. Akt - Gizmondo Europe 2004
Nachdem Freer mit Tiger Telematics erstmals genügend Investorengelder sammelte und die Tiger Telematics Aktie von Ende 2003 bis Frühjahr 2005 von 53 Cent auf über 32,50 Dollar stieg, ließ sich Gizmondo Europe Anfang 2004 in Farnborough, England nieder. Das neue Multimediawunder „Gametrac“ sollte ein echter Alleskönner werden und den Konkurrenten im mobilen Gamingsektor - Sony und Nintendo - den Rang ablaufen. Da die damalige Firma „Gametrac Europe“ einem Rechtsstreit mit dem ehemaligen Gizmondo Werbepartner Jordan aus dem Weg gehen wollte, benannte man die Firma und das dazugehörige Gerät eiligst in Gizmondo um.
Nun ging es daran im Jahre 2004 den Investoren den Gizmondo – einen Multimedia Handheld mit gaming, sms/mms, gps, mp3, Video- und Kamerafunktion ausgestattet – schmackhaft zu machen. Das dies nicht alles ohne Personal funktioniert, erklärt sich von selbst. So fanden sich innerhalb kürzester Zeit Stefan Eriksson, Steve Caroll, Peter Uf und John Enader in der Führungsriege bei Gizmondo ein. Da der Gizmondo bis dato noch nicht erschienen war, wurden im Jahr 2004 gerade einmal knappe 200.000$ Umsatz erzielt. Nicht verwunderlich, dass Gizmondo Europe das Geschäftsjahr 2004 mit einem Nettoverlust von 99 Mio. US-Dollar abschloss, welcher überwiegend durch Kreditaufnahme gedeckt wurde.
Waren die Einnahmen kläglich, so waren die Ausgaben umso großzügiger. Freers Einstiegsgehalt betrug knapp 1 Mio. Dollar, wurde aber bereits 6 Monate später verdoppelt. Freers Frau, mittlerweile ebenfalls bei Gizmondo angestellt, erhielt 170.000 Dollar für „consulting“ Dienste gezahlt. Eine konkrete Position oder Aufgabe ist jedoch nicht bekannt. Erikssons Bezüge betrugen stattliche 800.000 Dollar zu Beginn und wurden ebenfalls nach 6 Monaten verdoppelt. Durch diverse Boni und Zusatzbezüge betrugen die Gehälter von Freer und Eriksson insgesamt knappe 2,3 Mio $ pro Person in 2004. Zusätzlich ließen sich die Gizmondo Obersten ihren Fuhrpark aus der Firmenkasse finanzieren, Eriksson wurden etwa Fahrzeugspesen von 10.000 $ zugewiesen – pro Monat!
Übersicht: The Gizmondo Story
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