LittleBigPlanet
Dass Sony mit den PlayStation-Konsolen Geschichte geschrieben hat, ist hinreichend bekannt. Doch auch im Software-Bereich hat der japanische Elektronik-Konzern einige Meilensteine auf der Habenseite, die den Videospielmarkt nachhaltig beeinflussen sollten. SingStar und Buzz öffneten die freakige und verschlossene Konsolen-Subkultur erstmals notorischen Nichtzockern. Zwar war die PS2 längst in den Sphären des sogenannten Massenmarkts angelangt, doch sprachen diese "Spiele" gezielt Menschen an, die vorher noch nie einen Controller in der Hand hielten.
Mangelndes Selbstbewußtsein kann man den Machern also nicht vorwerfen, schließlich soll LittleBigPlanet nicht nur ein rundum gelungenes Videospiel abgeben - von denen die PS3 im Übrigen eine ganze Menge hat - sondern zum absolut krispen Sahne-Blockbuster mutieren. Sackboy in einer Ahnenreihe mit Sonic, Masterchief und Mario als Teil der immer währenden Videospiel-Walhalla? We will see... Charismatisch ist das kleine Sackgesicht ja. Aus biologisch abbaubarer Jute gefertigt, mit schwarzen Knopfaugen, im massentauglichen "Knuddel mich"-Look. Via Steuerkreuz lässt sich der Sackboy in unterschiedliche Gemütszustände versetzen, von Trauer und Wut, bis hin zu Freude und schon geisteskranker Euphorie ist alles möglich. Gleichzeitig kann man mit beiden Sticks die putzigen Gliedmaßen rumrudern und "versehentlich" im Gesicht des Sackboy-Mitspielers landen lassen.
Wer die drolligen kleinen Stofftiere nicht auf Anhieb sympathisch findet, der schubst wohl auch kleine Kinder auf dem Spielplatz um. Der Sackboy ist euer Avatar in der LittleBigPlanet Traumwelt. Ein wirkliches Setting, eine klassische Hintergrundstory? Fehlanzeige. LittleBigPlanet ist die Summe aller menschlichen Träume, eine Spielwiese zum Austoben und Erkunden - und natürlich liegt in der nebulösen Gedankenwelt auch das eigene Aussehen keinerlei Restriktionen. Euer Sackboy lässt sich frei dem eigenen Geschmack anpassen, angefangen bei der Kleidung, über die Farbgestaltung bis hin zu Gadgets wie Lesebrille und Astronautenhelm. Weitere Looks und Accessoires lassen sich in den Levels aufspüren oder via Download-Pack käuflich erwerben.
Seid ihr ausgehfertig, so sei zunächst ein Ausflug in die unter "Geschichte" aufgeführten mitgelieferten Levels empfohlen, um sich mit der Spielmechanik vertraut zu machen. Und das wird dem NES-Veteran ebenso bekannt vorkommen, wie der Nintendo DS-Göre. LittleBigPlanet ist im Prinzip ein klassisches 2D-Jump'n'Run, ihr bewegt euch hüpfenderweise von Links nach Rechts, sammelt fleißig Punkte und erreicht hoffentlich das Levelende, wo eure Verdienste in einer weltweiten Highscore-Liste verewigt werden.
Natürlich kann man mit dem Gameplay von Vorvorgestern im 21. Jahrhundert keinen Blumentopf mehr gewinnen, weshalb dem puristischen Spielfundament reichlich Zuckerguß gegönnt wurde. Zunächst einmal unterliegt das komplette Level-Interieur korrekten physikalischen Gesetzen, was dem rudimentären Spielprinzip eine ungeahnte Würze beschert. Hängt sich Sackboy an einen Schwamm, der per Schnur an der Decke befestigt wurde, so schwingt dieser frei nach Isaac Newton hin und her. Die Welten bestehen aus verschiedenen Bastel-Materialien wie Holz, Textilien, Pappe oder Styropor, sind bunt bekritzelt und kitschig dekoriert. LittleBigPlanet wirkt wie ein zum Leben erwachtes Kinderzimmer, wie ein interaktiver Heimwerkerkeller.
(kk)





