Leidenschaft SNK-Soundtracks: The Good, The Rare and The Obscure



Mit dem ersten Mal verbindet man immer besondere Emotionen – das ist auch bei Videospielen so. Egal ob es nun „Super Mario Bros.“, „Sonic the Hedgehog“ oder, wie in diesem Fall, der arrangierte Soundtrack zu „The King of Fighters '97“ ist, man wird dieses Erlebnis nicht so schnell vergessen. Denn vor ungefähr drei Jahren habe ich die hier vorgestellte CD das erste Mal bewusst als eigenständigen Soundtrack wahrgenommen. Die Empfindungen die ich beim Hören damals hatte, möchte ich nun mit euch teilen.
Ganz nebenbei ermöglichte es mir der Bereich der Soundtracks zwei meiner Leidenschaften miteinander zu verbinden: Musik und Videospiele. Ich frage mich heute noch, warum ich so lange dafür gebraucht habe. Aber gut, das ist ein anderes Thema. Gleichwohl bot das „The King of Fighters '97“-Arrangement einen passenden Einstieg, denn mein Faible für gut gemachte Rock-Musik wird hier par excellence bedient. Die insgesamt 12 Tracks der CD orientieren sich größtenteils am harten progressiven Stil der 1970er Jahre, gepaart mit einem Schuss Fusion, der für Fans des Genres wahre Höhenflüge bietet, doch dazu später mehr.


Während man mit „The King of Fighters '97“ naturgemäß eher eine sehr spezielle Atmosphäre verbindet, die aus dem Nichtvorhandsein eines eigenen Themes für jeden einzelnen der Charaktere resultiert, lässt sich über die Arrangements der CD nicht meckern. Sie sind alle von herausragender Qualität. So startet das Main Theme von Kyo Kusanagi als „Esaka forever“ (Track 2) mit einem Akkustikgitarren-Intro das alsbald von verzerrten Gitarren abgelöst wird und im weiteren Verlauf in eine klasse Rock-Nummer mit entsprechender Hammond-Orgel-Unterstützung und ausladenden Gitarren-Soli mündet. Im darauf folgenden „Bloody“ (Track 2) des New Faces Team um Chris, Shermie und Yashiro Nanakase wird der eingeschlagene Stil direkt weitergeführt mit dem Unterschied, dass nun die Gitarre die Melodieführung komplett übernimmt – und das auch hier mehr als gelungen. Kein Wunder, zeichnet sich doch Jun Kajiwara (Gitarre) federführend im Arrangements der Tracks aus.
Der Remix des Psycho Soldier Teams um Athena Asayami (Track 3) tanzt ein wenig aus der Reihe, wenn man so will. Die Melodielinie hat durchaus Potential, aber der verwendete Disco-Stil irritiert doch sehr. Zugegebenermaßen haben das die Jungs und Mädels um Shinsekai Gakkyouku Zatsugidan („Neo Geo Music Performance Group“) schon besser hinbekommen. Trotzdem ist die Stimmuntermalung eine willkommene Abwechslung im sonst überwiegend instrumental gehaltenem Album. Umso entzückender ist es, dass der nächste Titel wieder mit einem Rockbrett inklusive erfrischender Mundharmonika-Einlage aufwarten kann (Shingo Yabuki Theme).


Einer der Höhepunkte des Albums ist zweifelsohne der „Cool Jam“ (Track 6). Hier zeigen die Bandmitglieder so richtig was sie drauf haben. Sei es der genial hämmernde Slap-Bass, das präzise gespielte Schlagzeug, die zugleich treibende und gefühlvolle Melodielinie des Saxophons oder die artistischen Soloeinlagen der Orgel – hier stimmt einfach alles. Iori Yagami, dem der Titel gewidmet ist, wäre bestimmt neidisch.
Im zweiten Teil des Albums (Tracks 7-9) wechselt die Atmosphäre der Songs deutlich in eine düstere. Es verwundert nicht, dass wir es im selben Atemzug mit den Boss-Themes des Orochi-Clans zu tun haben. Trotzdem bleiben die Arrangements auf hohem Niveau, was nicht zuletzt wieder einmal durch die gelungene Begleitung der Gitarre hervorgerufen wird. Hörenswert ist hier insbesondere „The Origin Of Mind“ (Track 9) der in sehr düsterer Atmosphäre den Kampf mit Chris a.k.a. Orochi repräsentiert.
„Mirthless“ - freudlos – heißt der Titel der Staff Roll von „The King of Fighters '97“. Und wahrlich, das ist es. Als rein instrumentales Klavierstück konzipiert, wird hier das bedrückende Gefühl des Abschieds in überwältigender Art und Weise vermittelt. Für meine Begriffe ist der Track so gelungen, dass ich ihn ohne mit der Wimper zu zucken auf die Titelliste des nächsten Requiems setzen würde. Schlicht und emotional berührend zugleich, bewegt sich dieser Titel auf höchstem Niveau. Klasse! Ebenso emotional präsentiert sich die „Allegory of the wind“ (Track 12), die mit dem 2. Track die Rahmung des Albums darstellt. Erneut wird hier die Akkustikbegleitung aufgegriffen und diesmal in sehr beruhigender Form fortgesetzt. Wahrlich überzeugend kann die stimmliche Begleitung von Iori Yagami das Gefühl vermitteln, dass selbiger den Fluch des Orochi-Clans im Alleinsein zu verdrängen versucht.

Den Abschluss (Track 12) bildet ein eher nutzloses Arrangement um Choi Bounge, wie es in seiner Art typisch für viele SNK-Alben ist. In vokal-humoristischer Form steuert der Charaktersprecher von Choi etwas zur begleitenden Musik bei. In meinen Augen nicht schlecht, aber auch nicht unbedingt notwendig.
Fazit: Wer auf Rockmusik steht, kommt um dieses Arrangement der „King of Fighters“-Serie nicht herum. Das liegt nicht zuletzt am hervorstechenden Gitarristen, der in sehr sauberer Art und Weise sein Können in der Mehrzahl der Titel unter Beweis stellt. Erfrischend dazu gesellt sich die prägnante Hammond-Orgel und das geniale Saxophon-Spiel von Osamu Koike, welches das Album gelungen abrunden. Kaufempfehlung!
Gesamtwertung: 93%
Übersicht: Leidenschaft SNK-Soundtracks: The Good, The Rare and The Obscure
Weiterführende Links: