Interview Rob Fulop (Night Trap / Sewer Shark)

Mega CD
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Heute begrüßen wir mit Rob Fulop einen alten Haudegen der Branche. Rob programmierte schon Games für den Atari 2600 und verantwortete später die beiden Mega CD Spiele „Night Trap“ und „Sewer Shark“. Ring frei für Rob:

neXGam: Hallo Rob, du kannst auf eine lange Zeit in der Branche zurückblicken - wie hat alles angefangen?

Rob Fulop: Hallo! Als Kind war ich von jeder Art Brettspiel, Puzzle oder Zaubertrick fasziniert. In der Highschool entdeckte ich Computer. Von da ab war es eine logische Konsequenz, mit dem Schreiben eigener Programme zu beginnen ...

neXGam: In über 25 Jahren hast du eine Menge Spiele für die unterschiedlichsten Plattformen entwickelt. Gibt es ein System, das dir besonders am Herzen liegt?

Rob Fulop: Ich mag alle Systeme ziemlich gleich. Sie haben alle schreckliche Beschränkungen. Der Trick ist es mit diesen Limitierungen zu arbeiten, ohne gegen sie (die Geräte) zu kämpfen.

neXGam: Lass uns über deine beiden Mega-CD Titel reden. Night Trap & Sewer Shark waren ursprünglich das gecancelte NEMO System von Hasbro geplant. Weißt du, warum Hasbro das NEMO nicht veröffentlichte?

Rob Fulop: NEMO wurde aus den Gründen nicht veröffentlicht, an denen sich schon das CD-i von Phillips die Zähne ausgebissen hat. Der Endkonsument hätte zuviel Geld für eine Erfahrung ausgeben müssen, die es einfach nicht wert war - verglichen mit den damaligen Geräten von Nintendo/SEGA. Es war zwar eine Neuheit, aber kein „Must Have“ und die Masse der Spieler hätte wohl kaum genug Systeme gekauft, um die Kosten auch nur zu decken.

 

neXGam: Was wir spannend finden: das NEMO-System benutzte handelsübliche Videokassetten als Datenmedium. Wie funktionierte das genau?

Rob Fulop: Verschiedene Video streams wurden übereinandergelegt. Vergleichbar damit, rote und schwarze Karten miteinander zu vermischen. Die NEMO-Box hätte diese dann geordnet und nur die Frames der ausgewählten „Spur“ gelesen. Wir konnten vier Videospuren streamen und hatten trotzdem noch eine akzeptable Qualität der Videos.

neXGam: Interessante Technik! Und nach dem Untergang wurden die Spiele dann auf dem SEGA Mega-CD realisiert. Viele Firmen portierten damals lustlos ihre Mega Drive Software auf das Mega CD, fügten eine Videosequenz hinzu und verkauften das Spiel noch einmal. Sewer Shark und Night Trap waren hingegen beide Full-Motion-Video Projekte mit echten Schauspielern und vergleichsweise enormen finanziellen Aufwand. Hat sich das am Ende ausgezahlt?

Rob Fulop: Das hat sich „NUR“ für uns ausgezahlt, weil die Kosten für Night Trap und Sewer Shark praktisch schon zu Zeiten des NEMO Projektes komplett abgedeckt waren.

neXGam: Die trashigen Full-Motion-Videos auf dem Mega-CD besitzen einen nicht zu unterschätzenden Unterhaltungswert. Woher habt ihr die Schauspieler genommen? Waren das Studenten, Freunde, Bekannte, professionelle Schauspieler?

Rob Fulop: Wir haben das in Hollywood (Ja, DEM Hollywood!) aufgenommen, unter keinen anderen Bedingungen als jeder andere „B Movie“ auch.

neXGam: Wenn du heute zurückblickst, denkst du das SEGAs Entscheidung, das Mega-CD auf den Markt zu bringen, eine Fehlentscheidung war?

Rob Fulop: Nein, gar nicht mal. Multimedia war damals beherrschend und man musste ganz offensichtlich einfach etwas bringen, um hier konkurrenzfähig zu bleiben.

neXGam: Was war denn in deinen Augen der größte Vor- bzw. Nachteil des Mega-CD?

Rob Fulop: Der größte Vorteil war vermutlich der bekannte Markenname „SEGA“. Und der größte Nachteil? Das war einen japanischen Publisher zur Kooperation mit amerikanischen Entwicklerteams zu bewegen ...

neXGam: Ja, das hat man schon öfter gehört ... SEGA ist ja nun ein paar Jährchen aus dem Hardwaregeschäft raus. Was denkst du über ihre damalige Entscheidung sich künftig nur noch im Software Sektor auszutoben?

Rob Fulop: Tja, ganz offensichtlich hatten sie in der Sache keine große Wahlmöglichkeit. Diese Lösung ist wohl der einzige Weg gewesen, die Firma  überleben zu lassen.


Danke für das Interview, Rob! (August 2007)