Autor: Christian Beckhäuser

Wer in der U-Bahn, im Zug oder Bus sitzt, wird sicher den ein- oder anderen Fahrgast sehen, der mit glänzenden Augen Angry Birds auf dem iPhone spielt. Endlich zuhause setzt ihr euch an den Rechner und ladet über Steam automatisch den neusten Ableger der Battlefield-Serie. Was vor 15 Jahren noch Zukunfts- und Wunschdenken war, ist heute Teil unseres täglichen Lebens. Doch kommt Fortschritt oft mit einem hohen Preis: Digitale Abhängigkeit, Kundengängelung und selbst Verlust der Privatsphäre sind dank solcher geschlossenen Systeme ebenso die Regel. Eine Alternative jedoch gibt es - und diese nimmt bereits in den 60er-Jahren ihren Anfang.

„Viele Köche verderben den Brei“. Bei einer solchen Entwicklung können doch nur halbherzige, unreife Programme entstehen, richtig?

 

open_source_der_freie_weg_zu_spielen_10Dies trifft traurigerweise auf einige Projekte zu. Wichtig ist es daher für den Autor, eine Richtung festzulegen und damit zu verhindern, dass sein Baby am Ende nicht zu einem Mutanten wird. Auf der anderen Seite wirkt der freie Quellcode oft wie ein Magnet und viele helfende Hände finden sich, welche aktiv zur Entwicklung beitragen:

 

Statt nur zwei Augen der Programmierung folgen, ist das Innere eines Programmes für jeden nun vollkommen offen und gewitzte Nutzer können auf Fehler effektiver hinweisen oder einen Patch an den Programmierer schicken.

 

Des Weiteren kommt es bei ähnlichen Projekten auch oft vor, dass es dort einen lebhaften Austausch von Ideen und - natürlich - Quellcode gibt. Man sieht sich selten in einem Konkurrenzkampf um Nutzer oder gar Geld, warum also gegeneinander arbeiten?

 

In den vergangenen Jahren wurde die Entwicklung von Open Source Spielen durch weitere Faktoren erleichtert. OpenGL (Open Graphics Library) ist das wohl bekannteste Beispiel einer standardisierten Open Source-Bibliothek, die es Programmieren ermöglicht, dreidimensionale Welten mit der Hilfe der entsprechenden Hardware zu erstellen und für ihre Spiele zu nutzen.

 

open_source_der_freie_weg_zu_spielen_11SDL (Simple DirectMedia Layer) ist eine andere Bibliothek, welche als Schnittstelle zu Grafik- und Soundausgabe und verschiedenen Eingabegeräten wie Tastatur, Maus und Joysticks darstellt. Der modulare Aufbau von SDL ermöglicht es zudem, leicht weitere Komponenten zu integrieren, damit sich Entwickler ganz auf die eigentliche Spielentwicklung konzentrieren zu können.

 

Nun werden vor allem die Multiplayer-Fans unter euch mit Sicherheit unbeeindruckt sein: "Frei verfügbarer Quellcode ist eine Einladung für Cheater".

 

Nun ist es vollkommen richtig, dass offener Quellcode zu Modifikationen an Selbigem einlädt und es auch schon zur Genüge Software gibt, die ohne Quellcode geknackt wurde. Hier ist es leider jedoch schwer, zu verallgemeinern. Kommerzielle Spiele, deren Codebasis geschlossen bleibt, werden mit anderen Prioritäten entwickelt, und da wir keinen Quellcode haben, ist es beinahe unmöglich zu sagen, wie die verhassten Cheats entstehen oder zu verhindern sind. Im Open Source Bereich müssen Entwickler damit rechnen, dass ihre Spiele großräumig modifiziert werden.

 

Doch auch hier gibt es Möglichkeiten eine Flut von Cheatern zu unterbinden: Server können die Aktionen der Spieler überprüfen. "Speedhacks" (z.B. unerwünscht schnelle Bewegungen eines Spielers oder Schussrate) sind dahingehend bereits eliminiert. Ebenso kann genannter Server berechnen, wann ein Spieler freie Sicht auf einen Gegner hat und diese Information erst dann übermitteln. "Wallhacks", welche Wände transparent darstellen, um Mitspieler frühzeitig zu erkennen, werden damit auch zu einer unwirksamen Modifikation und verschlechtern höchstens das Spielerlebnis des Schummlers. Lasst und jedoch nicht weiter ins Detail gehen. Alles in allem kann Open Source hier eine Eigendynamik entwickeln: Hat ein Spiel genügend Nutzer, gibt es einen Teil, der gerne betrügen möchte. Dass der Quellcode offen ist, erleichtert den Cheatern ihre Arbeit, doch zieht eben dadurch Programmierer an, die diese Lücken stopfen.

 

open_source_der_freie_weg_zu_spielen_22Ein gutes Beispiel hierfür ist das bereits erwähnte Spiel Xonotic, das unter anderem über all die zuvor genannten Schutzmechanismen, sowie einer sehr engagierten Community verfügt, um faire Spielpartien zu ermöglichen.

 

Nun mögen sich einige von euch vielleicht sagen: "All das klingt nach verdammt viel Arbeit! Ich will doch nur zocken!"

 

Sicherlich ist der Erfolg von Open Source Software auf der gegenseitigen Hilfe begründet. Dies gilt auch für Spiele: Programmierer schicken neuen Code ein, Grafiker erstellen Texturen, die Musiker basteln zusätzliche Sound-Effekte oder komponieren gleich eine Levelmusik. Nicht zuletzt haben solche helfenden Hände aus vielen kleinen Projekten ein großes Spiel gemacht.

 

Ein perfektes Beispiel hierfür ist sicherlich der Flugsimulator FlightGear: dutzende von neuen Flugzeugen, Landschaftsinhalten und anderen Inhalten wurden von begeisterten und engagierten Nutzern zur Verfügung gestellt. Spiele wie das Geschicklichkeits-Rennspiel Maniadrive kommt mit einem eigenen Strecken-Editor daher. Es bietet so die Möglichkeit, selbstkreierte Level mit Spielern auf der ganzen Welt zu teilen und so zu Rekordversuchen einzuladen.

 

Doch soll das Spielen nicht im Hintergrund stehen. Natürlich mag man auf ein Open Source Spiel stoßen, welches sich noch am Anfang seiner Entwicklung befindet und man feststellt, dass beim Antesten eher Frust als Spielspaß aufkommt. Ist man in einer solchen Situation nur Nutzer, sollte man daran denken, dass diese Projekte oft von Menschen wie du und ich ins Leben gerufen und in der Freizeit vorangetrieben werden. Mag man das Spiel, so kann selbst mit ein wenig Feedback dem Autor helfen. Nicht zuletzt akzeptieren auch viele Projekte Spenden. Ist man mit einer Software zufrieden oder man möchte gerne, dass sie sich weiterentwickelt, so denkt einen Moment darüber nach, ob ihr nicht einige Euros dafür investieren möchtet. Denn eines kann ich euch versichern: Eine solche Spende wird nicht in die Entwicklung eines DRM-Mechanismus fließen!

 

Nun, konnten wir euch ein wenig für die Welt der Open Source-Spiele begeistern? Wenn ja, dann besucht doch gleich die Webseiten der verlinkten Spieltitel und probiert sie einfach einmal aus!

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